Die Tsunami-Affäre

Vor über zwei Jahren ereignete sich der verheerende Tsunami im indischen Ozean. Weil Thailand bei Schweden ein beliebtes Reiseland ist, kamen über 500 Schweden um, in absoluten Zahlen etwa so viele wie Deutsche, im Anteil an der Bevölkerung jedoch neun Mal so viele. Während die deutsche Regierung mit ihrem Krisenmanagement an Popularität gewann, verschlief die damalige schwedische den Anfang und musste viel Kritik dafür einstecken. Die Diskussionen und Medienberichte darüber halten bis heute an.

Wovon die “Tsunami-Affäre” jetzt noch handelt, sind weniger die Sachfragen, denn diese wurden in einer Untersuchung geklärt, die bestätigte, dass nicht alles glatt lief auf schwedischer Seite und zum Beispiel Leute länger auf ihre Evakuierung warten mussten als nötig gewesen wäre. Es geht vielmehr nur noch um die Frage, ob von der alten Regierung gelogen wurde und ob man versucht hat, die eigene Missorganisation im Nachhinein zu vertuschen. Weil die Nachfolgeregierung inzwischen mehr Information freigegeben hat, nimmt der Untersuchungsausschuss jetzt seine Arbeit noch einmal auf.

So richtig nachvollziehen kann ich das Aufhebens um diese “Affäre” nicht. Dass viele Schweden bei dem Unglück umkamen, ist tragisch, aber nicht die Schuld von Politikern. Darüber hinaus ist es zwar nett, wenn ein Land seinen Bürgern hilft, wenn sie im Ausland in Not kommen, aber es würde mir nicht einfallen, auf ein solches Anrecht zu bestehen und schon gar nicht, mich dafür zu interessieren, wann der Staatssekretär an seinem Arbeitsplatz war und wen er zu welcher Zeit kontaktierte.

Leben ist gefährlich. Unglücke passieren.

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  1. Ich erinnere mich da aber anders an das Krisenmanagement der Deutschen. Gab es da nicht den “typische deutschen” Streit um die Frage, wer in welches Ticket einen Kostenübernahmevermerk stempeln sollte, während die “Kosten” am Flughafen übernachteten?

    Und dann noch das [Edit] vom Tourismus-Lobbyverband bei Christiansen, wie er stolz die Räumung des Ghettos Urlaubsparadies verkündigt…. Mir erschien das sehr peinlich.

  2. Bitte keine Beleidigungen als Tatsachenbehauptung in den Kommentaren. Die Abmahnung bekomme im Zweifelsfall ich. :-)

    Ich war damals schon in Schweden, habe es also nur von außerhalb mitbekommen, aber das war mein Eindruck und wenn ich mich recht erinnere, basierte der auf mehr als einer Quelle.

    Gruß
    Thomas

  3. Dass die neue Regierung jetzt noch nach Fehlern vom damaligen Staatsekretär Lars Danielsson sucht, ist nur der Versuch, von der eigenen Unbeliebtheit abzulenken und zu zeigen, dass die anderen auch nicht besser sind.

    Ich bin aber schon der Auffassung, dass es die Pflicht eines Staates ist, in solchen Katastrophenfällen seine Staatsangehörigen rauszuholen. In Schweden hat man den Tsunami anfangs nicht ernst genommen. Noch 12-15 Stunden nach der Katastrophe las ich hier im Videotext von SVT, dass sich in Asien ein Flutunglück ereignet hätte, bei dem ca. 300 Menschen umgekommen seien. Aus 300 wurden dann, wie wir heute wissen, mehr als 200.000.

    Es gab kaum eine Schule, an der nicht jemand jemanden kannte… Aus der Schule meiner Kinder starb ein Geschwisterpaar in Thailand. Ein Kollege aus Uppsala lief um sein Leben und konnte der Flutwelle entkommen.

    Ich würde mir die Leidenschaft der Recherche der neuen Regierung bei der immer noch ausstehenden endgültigen Klärung der offenen Fragen des Untergangs der Estonia am 28.09.1994 wünschen.

    Rainer

  4. Rainer: Die Estonia-Geschichte steht seit langem auf meiner Liste mit angefangenen Artikeln. ;)

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