Gerade Zahlen retten Leben

So ganz folgen kann ich der Argumentation wohl nicht, aber das schwedische Straßenamt geht davon aus, dass Vierzig bis Fünfzig Unfalltote pro Jahr vermieden (S) werden können, weil man jetzt auch Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 40, 60, 80, 100 und 120 km/h erlaubt. Bisher gab es nur die ungeraden Vielfachen von Zehn mit maximal 110 km/h. Von der Anhebung der Höchstgeschwindigkeit hätte ich eher den gegenteiligen Effekt erwartet.

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  1. Wenn man nach den verschiedenen schwedischen Berechnungen alle Maßnahmen durchführen wüerde, also auch gegen alkohol am Steuer usw., müsste in Schweden mehrere Hundert Personen zum leben wiedererweckt werden. Ich befasse mich mit Verkehrssicherheitsfragen in Schweden seit etlichen Jahren, bin Instruktör des SMC, und kann aus eigener Erfahrung den schwedischen Argumentationen nicht folgen.

    Als seinerzeit in Schweden Abblendlicht am Tage eingeführt wurde, hat man auch eine gesunke Unfallzahl (un Todeszahl) als Hauptargument dafür herangezogen. Nur: in anderen Ländern, beispielsweise Deutschland, sank die Unfallzahl deutlich stärker ohne Abblendlicht.
    Eine vergleichbare Situation erleben wir heute mit den vajerräcken.
    Es wird einem ständig vorgerechnet, wieviel Menschenleben gespart, d.h. gerettet werden. Nur ist in Deutschland wieder einmal die Zahl der Verkehrstoten um eine Mehrfaches gesunken gegenüber den Zahlen in Schweden (prozentual für 2006). Es ist etwas faul im Staate Schweden!

    Interessessant bei den Geschwindigkeitsbetrachjtungen ist, daß die meisten Unfälle mit Todesfolge auf 70er und 50er Straßen stattfinden, die wenigsten auf den Autobahnen. Insofern dürfte es egal sein, ob man auf der Autobahn 100, 110 oder 120 fahren darf.

    Wenn man daran denkt, daß Schweden den zweitältesten Automobilpark der EU hat, nur gefolgt von Griechenland, dann kannn man sehr viele Menschenleben einfach dadurch retten, wenn die Bilisten neuere und damit sichere Modelle fahren würden. Das wäre dann gleichzeitig auch ein Einsatz für ein besseres Miljö.

  2. Interessant.

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, beziehen sich deine Zahlen auf die Veränderung der Verkehrstoten, deren Anzahl in D stärker zurückgeht. Kann das nicht einfach daran liegen, dass D da einen Rückstand aufholt, weil die absoluten Zahlen in S schon viel niedriger sind und es deshalb schwerer ist, sie weiter zu senken?

    Zahlen, die ich spontan gefunden habe (pdf) sprechen von 0.22 Toten pro 1 Million gefahrene Kilometer in S, während der Wert in D fast drei Mal so hoch ist (0.61).

  3. Daß Schweden bezogen auf die Fahrleistung soviel besser darsteht, daß liegt hauptsächlich ganz einfach an der viel geringeren Verkehrsdichte, die sich auch darin ausdrückt, daß es anders als in Deutschland hier auch keine Unfallschwerpunkte gibt, d.h. Straßen, Kurven oder Wegabschnitte mit besonders hervorstechenden Unfallzahlen. In Schweden wird auch relativ besonnen Auto gefahren.

    Ich habe oben ein paar statistische Zahlen genannt. Das Vägverket und andere Organisationen tun das immer sehr gerne, auch wenn die Grundlagen nicht stimmen oder die Vergleiche unzulässig sind.

    Die Verkehrssicherheitsproblematik muss man differenziert sehen:

    1. In Deutschland haben die Diskussionen um die Sicherheit von Leitplanken bereits 1987 begonnen, später sind auch die ersten Maßnahmen getroffen worden. In Schweden begannen die iskussionen erst 15 Jahre später. Maßnahmen sind noch keine getroffen geworden.
    Im Gegenteil: In 5 von 14 Fällen verliefen Kollisionen mit Vajerräcken tödlich.

    2. Der Fahrzeugpark (Pkws) in Deutschland hat ein Durchschnittsalter von sieben jahren, in Schweden von 14 jahren. Was die konstruktive Sicherheit schwedischer Personenkraftwagen betrifft, liegt Schweden sieben Jahre zurück.

    3. In Schweden gibt es keine Verkehrserziehung in den Schulen.

    4. Besser ausgestattet sind in Schweden die Verkehrsübungsplätze, und diese werden auch mehr genutzt als die deutschen.

    5. Verkehrserziehung im Fernsehen – ich denke da an den Typ “Der Dritte Sinn” des WDR – findet in Schweden nicht statt.

    6. Ältere Bürger können in Schweden häufig den Färdtjänst benutzen, d.h. sich preiswert per Taxi, Bus oder Zug bewegen und sind so nicht auf ein eigenes Auto angewiesen. Anderserseits wird es 2015 eine Million mehr Führerscheininhaber im Alter von 65+ geben als noch im Jahre 2000.

    7. Es gibt Geschwindigkeitsbegrenzungen in Schweden, auch auf Autobahnen – Eindeutig ein Pluspunkt.

    Die Liste lässt sich weiterführen. Schaut man sich die Ursachen der einzelnen Unfälle in Schweden genau an, so liegt fast immer ein eindeutiges menschliches Versagen zugrunde. welchem man durch Schulungen, Gesundheitsuntersuchungen u.a. mehr vorbeugen kann.
    Ich meine, daß in Schweden noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, aber die Methoden, die vom Vägverket vorgschlagen werden, ganz an der Sache vorbeigehen.

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