Ich bin gerade im Euroland und wieder fällt mir auf, dass sich in meinem Geldbeutel haufenweise 1- und 2-Cent-Münzen ansammeln. Lästig. In Schweden hat man die entsprechenden Münzen abgeschafft und rundet stattdessen. Ich finde das besser, auch wenn es insofern paradox ist, dass man den Preis eines Artikels eigentlich gar nicht exakt bezahlen kann.
Die Runderei ist zum Glück meistens wenig relevant, weil ja über die Gesamtsumme aller gekauften Produkte gerundet wird, was den relativen Fehler sehr klein macht.
Übrigens: den Euro sollte man hier keinesfalls die Schuld geben – die Finnen haben die 1- und 2-Cent-Münzen nie eingeführt und runden dementsprechend auf 5 Cent. Die Niederländer und Belgier setzen dieses System anscheinend mittlerweile auch ein. Abgesehen davon hängt die Nützlichkeit von Münzen auch von dem üblichen Preisniveau ab. Ich schätze, in Slowenien und wohl bald auch in Estland und Lettland werden die kleinen Münzen durchaus von Nutzen sein.
In diesem Sinne: Ja till Euron!
Was spricht denn dagegen, selber zu runden? Im Laden bei mir um die Ecke steht ein Sparschwein, wo man die Kleinteile des Wechselgeldes gleich reinwerfen kann (als Trinkgeld), was viele Kaeufer auch tun; andersrum rundet der Besitzer auch schon mal auf ganze 10er ab, wenn man Bar zahlt. Mit EC-Karte wiederum hat man das Problem eh nicht, und man muss nicht staendig zur Bank Scheine holen.
Oder man nutzt die naechste Spendendose. Stehen nicht genau deshalb in Kiosken gerne mal welche neben der Kasse?
Ausserdem bedeuten kleine Muenzen Macht. Wenn einem ein Verkaeufer nicht passt, kann man die naemlich umstaendlich zusammensuchen und ihn und die anderen Kunden ungeduldig machen, und ihm dann eine Handvoll abzuzaehlenden Kies in die Hand schuetten.
Früher habe ich den Pfennig sehr in Ehren gehalten, aber die Centomanie oder Pfennigfuxerei geht mir bei Besuchen in der Eurozone (ohne Finnland) doch schon sehr auf die Nerven. Vielleicht habe ich mich zu sehr an die Auf- bzw. Abrundung auf halbe Kronen gewöhnt. Das wenige schwedische Kleingeld finde ich von Vorteil.
In Deutschland fühle ich mich nur gejagt. Das fängt auf der Autobahn an, wo schwarze BMW- und Audi-Limousinen nicht dulden, daß mein 15 Jahre alter Volvo sein Ziel gemäß seines Namens, nämlich rollenderweise mit gemächlichen Tempo erreichen möchte. Und es hört beim Kleingeld beim Bäcker auf, wo die zwanzig Leute hinter mit in der Schlange (die bis auf die Kreuzung reicht, um frische Weltmeisterbrötchen zu erwerben) und im Gleichtakt darauf warten, daß ich schnellstens meine Brote einpacke und vom Tresen verschwinde. Ich wage es nicht, den Kaufpreis abgezählt zu entrichten. So halte ich jedem Kassierer Scheine hin und kassiere Tag für Tag, Einkauf für Einkauf das Wechselgeld ein.
Am Tage vor der Rückreise nach Schweden geht es dann los: Kleingeld abzählen, bereit halten und bei nächster Gelegenheit loswerden – so schnell und soviel wie möglich. Nur keine Cents nach Schweden zurücknehmen. Schaut mich der Kassier oder die Kassierein unverständnisvoll an, so weise ich darauf hin, daß dies wirklich nicht meine Währung ist, ich nicht aus der Eurozone komme. Es ist nicht mein Geld!
So gut ich den Euro finde, aber das Kleingeld will ich wirklich nicht haben!
Ich wollte das nur in meiner Eigenschaft als großer Euro-Fan klarstellen. Ich würde nämlich herzlich wünschen, dass die Schweden da endlich auch mitmachen – das würde der Wirtschaft nicht schaden und mir sehr viel Freude bringen.

Selbst runden kann man gerne machen – dagegen spricht nichts. Nur sind die meisten Leute zu geizig für so etwas, fürchte ich.
Hier in Schweden stellt sich die Frage eher selten – die 50 Öre-Münzen sind manchmal ein bisschen lästig, aber man kriegt sie selten in Massen. Ich habe meist nur das Problem, die 1-Kronen-Stücke loszuwerden, weil ich dann aus Bequemlichkeit mit Scheinen bezahle.
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