Stockholmer unerwünscht

Auf den ersten Blick ist es eine absurde Geschichte: Ein Mensch bekommt eine Stelle in Lund an der Südspitze Schwedens nicht, weil er aus Stockholm kommt (E). Diese Begründung ist nicht einmal rechtswidrig, weil Stockholmer keine ethnische Minderheit sind.

Um das zu verstehen, muss man auf den Unterschied zwischen “aus Stockholm sein” und “wie ein typischer Stockholmer sein” hinweisen. Stockholmer haben im restlichen Schweden den Ruf, arrogant zu sein und sich zu wichtig zu nehmen. Ihnen fehle die schwedentypische Bescheidenheit. Genau dieses selbstbewusste Auftreten wurde dem Bewerber zulasten gelegt.

Auf deutsche Maßstäbe übertragen heißt das, dass Stockholmer etwas weniger schwedisch als die restlichen Schweden sind. Oder andersrum: Deutsche wirken auf Schweden oft wie Über-Stockholmer. Das hat alles mit dem Jantelagen zu tun.

Nachtrag, 14:15 : Rainer schreibt auch darüber und erinnert in diesem Zusammenhang an die liebevolle Bezeichnung Noll-Åtta.

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  1. “Stockholmer haben im restlichen Schweden den Ruf, arrogant zu sein und sich zu wichtig zu nehmen. ”

    Das Verhältnis zu den Hauptstädtern ist ja in fast jedem Land der Erde angespannt. Wenn man die Aufzählung der Attribute da oben noch um “schnoddrig” ergänzt, würde wohl eine Mehrheit der Deutschen meinen, die Berliner seien ganz gut beschrieben.

  2. Berliner und Arroganz? Den Zusammenhang hatte ich bisher kaum gesehen. Dass Berlin eine Stadt mit vielen Problemen ist, passt dazu auch nicht ganz. Außerdem hat sie doch den (eher sympathischen) Ruf sehr offen zu sein.

    “Echten” Berliner kenne ich aber gar keinen näher.

  3. Ich erinnere mich an einen Diavortrag über Schmalspurbahnen in Bergslagen. Damals war ich noch neu in Schweden und verstand die Sprache noch nicht so gut. Der Vortragende machte einen Witz über die Stockholmer, und da ich die Pointe nicht sofort verstand, während die anderen schon lachten, schaute er mich streng an und fragte: Bist Du etwa auch ein Stockholmer?

    Gottseidank nicht !

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