Angeblich hat die Stockholmer Zentrumspartei auf ihrem Frühlingstreffen am Dienstag beschlossen, darauf hinzuarbeiten, dass Wein und Bier in Zukunft in Lebensmittelläden verkauft werden dürfen. Außerdem will man in der Regierung anregen, einen Fahrplan aufzustellen, wie man die Alkoholsteuer auf europäisches Niveau senkt. (S, S)
Dass es dazu kommt, glaub’ ich erst, wenn ich es sehe. Und ich weiß nicht einmal, ob ich es gut fände.
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Ich fände das auch nicht gut. Nach meinen Jahren in Finnland und Schweden unterstütze ich letzten Endes das Alkoholmopol des Staates. Die Auswahl ist besser, die Sicherheit grösser. In Deutschland und anderen Ländern nimmt man die durch Alkohol entstehenden gesellschaftlichen Schäden immer noch nicht ernst genug.
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“In Deutschland und anderen Ländern nimmt man die durch Alkohol entstehenden gesellschaftlichen Schäden immer noch nicht ernst genug.”
Ach komm, das ist jetzt genauso ein pauschales Klischee wie jenes, daß Schweden und Norweger immer bis zum Vollrausch trinken.
M. W. ist der Alkoholprokopfverbrauch in Deutschland seit Jahren rückläufig und dieser Wert sagt auch nicht alles aus.
Jedes Wochenende zwei Bier oder Wein zum Essen zu trinken ist sehr viel weniger schädlich als zehn Wochen abstinent zu leben und sich dann vollauffen zu lassen.
Dann frage ich mich bei den Statistiken auch immer, ob und wie hausgebranntes und aus dem Ausland mitgebrachtes da erfasst wird. Stoff aus dem eigenen Keller dürfte in Skandinavien eine höhere Verbreitung haben als in Deutschland.
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Pingback von Wickert und der Rotwein - zeineku.de am 2007-04-27 um 0:43
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Auf Statistiken will ich mich heute mal lieber nicht berufen – auch wenn diese das Klischee zumindest teilweise bestätigen.
Ich fände Wein und Bier im Supermarkt wünschenswert, auch wenn Systembolaget damit Gefahr läuft, zur Schnapstankstelle zu werden.
Hier in Schweden stört mich am meisten in Sachen Alkohol, dass Qualität einfach nicht geschätzt wird. Alkoholische Getränke sind zu etwas rein ökonomischen verkommen, und es geht für die meisten einfach nur noch darum, möglichst viel Rausch für möglichst wenig Geld zu bekommen.
Das ist für mich zumindest die Erklärung dafür, dass es keine überregionale Brauerei gibt, die ein Bier produziert, das mehr als das Prädikat “mittelmäßig” verdient. Bier ohne Schaum, Bier aus der Dose und Wein aus dem Karton sind weitere Auswüche dessen. Auch nicht verwunderlich ist, dass Starkbiere wie Doppelbock bekannter sind als in Deutschland, weil man da ja für das gleiche Geld 8% Alkohol anstatt der bierüblichen 5% bekommt.
Die Freigabe von Bier und Wein würde absurde Prozentgrenzen über den Haufen werfen und damit zumindest den Biermarkt normalerisieren. Entalkoholisierter Wein und ähnliche Kulturverbrechen gehörten dann auch der Vergangenheit an.
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Mit der geringen Wertschätzung für Qualität meinte ich vor allem, dass es in vielen Fällen keinerlei Rolle zu spielen scheint, welches Bier man trinkt. Selbst die billigsten Brühen finden guten Absatz. Auf Parties sieht man nur allzuoft Getränke, die offenkundig nur gekauft wurden, weil sie das billigste verfügbare waren. Natürlich ist das bei den Preisen hier irgendwo verständlich, aber man stelle sich in Deutschland eine Party vor, bei der der Gastgeber zwei Paletten Aldi-Dosenbier hinstellt. Das würden die Gäste sicher weniger begeistert trinken.
Natürlich verspreche ich mir von einer Liberalisierung keinen plötzlichen Wechsel in der Mentalität, aber eine etwas freiere Verkaufspolitik könnte den Markt durchaus bereichern – es würde sich dann einfach das bessere Produkt durchsetzen anstatt das, was nunmal gerade im Regal stand. Bisher regiert nämlich hier das Gesetz des kleinsten Übels.
Allerdings muss ich auch gestehen, dass diese Nörgelei natürlich auch eine typisch deutsche Sache sind – Deutschland hat eine ausgeprägt Bierkultur, was für die Schweden einfach keine Priorität hat.
Ich wollte mich mit “überregional” nur absichern für den Fall, dass es irgendwo in den Weiten dieses Landes eine Brauereiperle geben sollte. Als regionale Brauerei würde ich zumindest solche sehen, die nur sporadisch in anderen Regionen auftauchen wie z.B. Småland oder Mariestad. Die beiden produzieren übrigens echt ganz passable Biere – auf alle Fälle deutlich besser als Pripps Blå
Natürlich weiß ich, dass der Korken nicht unbedingt der beste Verschluss ist. Das ist in dem Fall einfach auch wieder eine Stilfrage – welcher mitteleuropäische Gastgeber würde seinen Gästen Wein aus dem Tetrapak hinstellen? Was in Schweden normal ist, würde woanders zumindest etwas deplatziert wirken. In Deutschland kauft man Wein im Tetrapak wohl am ehesten, wenn man ihn zum Kochen braucht. In Frankreich würde man hierfür wahrscheinlich geteert und gefedert
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“Niels: Wie sehr die zeitliche Verteilung des Alkoholkonsums eine Rolle in der Weise spielt, wie du es sagst, bin ich mir nicht einmal sicher. Das klingt wie die urban myth, dass man oft kleine Mengen essen soll. Wichtig ist, was reinkommt.”
Mediziner und Pharmazeuten sagen, daß es beim Alkohol sehr wohl auf die zeitliche Verteilung ankommt. Der Körper kann nun mal nur eine bestimmte Menge pro Zeiteinheit abbauen.
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Also, ich habe keine Probleme mit Alkohol, eher ohne!
Doch Spaß beiseite.
Es gibt in Schweden was Bier- oder Wein betrifft keine Trinkkultur. Schaut man in die Mülltonnen, findet man überwiegend Leergut dänischer Biersorten mit wasserschaden. Bier wird gerne aus der Dose getrunken, weniger gerne aus dem Glas. Alkoholgehalt pro krone ist oft, das was zählt. nicht jedoch der Biergenuß an sich.
Daß es verschiedene Sorten gibt, Pils, Kupfer, Alt, zeitliche begrenzte Biere (wie Maibock) usw., das wissen die Schweden meistens nicht. Der Genuß bei mier kommt aus der Vielfalt. Ich trinke nicht immer die gleiche Sorte, wechsle gerne, damit ich weiß, was ich habe.
In schweden selber hat sich meine Einstelklung zum Alkohol allerdings geändert. Ich bin tagsüber absolut nüchtern, trinke vielleicht abends mal, wenn ich mich anschließend nicht mehr konzentrieren oder autofahren muss.
Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol muß erlernt werden. Die schwedische Alkoholpolitik, die sich nur auf Preispolitik stützt, versagt hier. Aber auch in anderen Ländern versagt die Alkoholpolitik. Proomillegrenzen im Straßenverkehr halte ich für unangebracht. Dort sollte Null Promille vorgeschrieben sein, d.h. Nüchternheit gelten.
Zwar wird man von einem Bier nicht gleich betrunken, aber doch schon müde, und die Aufmerksamkeit lässt nach.
Vor fünf, sechs sieben jahren noch, wiesen schwedische Statistiken einen Schwarzmarktanteil von 45 % aus. Heute wird nicht mehr über den Schwarzmarkt geredet, aber es wird ihn (beim Schnaps) sicher noch geben.
Die schwedische Alkoholpolitik hat das Ziel, den Alkoholmißbrauch zu verhindern oder zu verringern, ich selber, der nicht vom Alkohol abhängig bin, sehe mich jedoch in der freien Wahl meiner Weinflasche eingeschränkt. Ich möchte mir nämlich gerne ein paar Kistchen aus dem Rheingau oder Frankenland schicken lassen, darf es aber nicht. Und warum soll meine Frau hohe Alkoholsteuern bezahlen, die ihren Wein mit schwedischem Mineralwasser zur Schorle verdünnt? Letzteres sehe ich auch nicht ein.
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northlander: “Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol muß erlernt werden. Die schwedische Alkoholpolitik, die sich nur auf Preispolitik stützt, versagt hier.”
Die Befürchtung habe ich auch ein wenig.
“Proomillegrenzen im Straßenverkehr halte ich für unangebracht. Dort sollte Null Promille vorgeschrieben sein, d.h. Nüchternheit gelten.”
Auch hier hundertprozentige Zustimmung. So halte ich es auch schon seit Jahren. Entweder trinken oder fahren, auch wenns nur um ein Bier oder einen winzigen Schluck Abendmahlswein geht.
“Ich möchte mir nämlich gerne ein paar Kistchen aus dem Rheingau oder Frankenland schicken lassen, darf es aber nicht. ”
Ist das nicht neuerdings auf Druck der EU gestattet?
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Das mit dem verantwortungsvollen Umgang sehe ich auch so. Statistisch gesehen mag die schwedische Politik einigermaßen erfolgreich sein, aber einen pädagogischen Effekt gibt es nicht. Die Aufregung über 15-jährige Betrunkene bei Valborg mag zwar in den Zeitungen groß sein, aber die breite Bevölkerung dürfte es kaum kümmern. Indem man Alkohol auf so einen hohen Sockel stellt, macht man ihn nur umso interessanter. Systembolaget-Kampagnen dürfte hierzulande auch kaum jemand ernst nehmen.
Null-Prommille-Grenzen sehe ich skeptisch. Was ist, wenn man minimal gegorenen Fruchtsaft trinkt oder ein Medikament nimmt, das mit alkoholischem Zusatz haltbar gemacht wird? Die schwedische Grenze von 0,2 Promille ist da ganz gut, finde ich – sie vermeidet den Genuss nennenswerter Mengen alkoholischer Getränke und dürfte knapp oberhalb der Nachweisgrenze von Atemalkoholtests sein. Gerade letzteres würde die Bewertung des Sachverhalts in reine Willkür umkippen lassen. Wenn jemand z.B. mit 0,1 getestet wird und dann ins Krankenhaus muss für einen in diesen Bereichen vertrauenswürdigen Bluttest, dann baut der bis zum Nadelstich genügend ab, um es juristisch unhaltbar zu machen, dafür bestraft zu werden. Mit 0,2 bewegt man sich da noch im sicheren Bereich. Die deutsche Regel “einer geht immer” lasse ich hierzulande für mich nicht gelten – viel zu riskant und auch nicht sinnvoll.
Letztere Frage würde mich auch mal interessieren. Private Zusendungen müssten eigentlich unproblematisch sein. Die Frage ist, ob ein Onlineversand einem das ins Ausland schicken darf.
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“Was ist, wenn man minimal gegorenen Fruchtsaft trinkt”
Dann handelt man weder vorsätzlich noch fahrlässig.—> Kein strafbares oder ordnungswidriges Verhalten.
“oder ein Medikament nimmt, das mit alkoholischem Zusatz haltbar gemacht wird?”
Warum sollte für Medikamente etwas anderes gelten als für Bier? Die Wirkung des Alkohols hängt von der Menge ab, nicht von der Quelle.
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Wenn ich von Null-Promille rede, so meine ich, daß man nüchtern am Straßenverkehr teilnehmen soll. Daß es keine digitale Grenze gibt, das ist klar. Man kann 0,2 Promille als Toleranz nehmen. Jede Grenzsetzung führt nur zu weiteren Diskussionen. Wichtig ist halt, als Verkehrsteilnehmer keinen Alkohol zu sich zu nehmen.
Nicht so wie ein ehemaliger Arbeitskollege, der mit 1,4 Promille fahrradfahrend von der Polizei erwischt wurde und auf den Hinweis, daß er betrunken sei, den Polizisten antwortete: Was glauben Sie wohl, warum ich Fahrrad fahre?
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Medikamente können halt eben medizinisch notwendig sein – daher würde ich das nicht mit Bier gleichsetzen.
Die juristischen Implikationen kann man sich jedenfalls vorstellen. Es dürfte äußerst schwer sein, vor Gericht zu beweisen, dass man nur Fruchtsaft getrunken hat. Zudem würde das Willkürjustiz Tür und Tor öffnen. Die Zahl der Fälle würde nämlich stark zunehmen, so dass es langwierig werden würde, den Rechtsweg zu beschreiten.Ich stimme northlander zu – eine formale 0,0-Promille-Grenze mit einer 0,2-Toleranz ist angemessen. Was im Übrigen auch ziemlich genau das schwedische Modell ist.
Viel wichtiger ist für mich aber weniger die Grenze, sondern die Kontrolle. Alkolås halte ich für eine sehr gute Erfindung. In einer schwedischen Polizeikontrolle wird man auch direkt zum Alkomattest aufgefordert, während es in Deutschland die rechtliche Situation erfordert, dass die Polizisten erst bei Verdachtsmomenten höflich nach einem Alkomattest fragen.
Vielleicht sollte man da der EU (mal wieder) den schwarzen Peter zuschieben und per Richtlinie Alkolås in Neuautos vorschreiben. Da schimpfen zwar erst alle, aber nach einiger Zeit redet da kein Mensch mehr drüber. -
Die Ergebnisse sind in der Tat interessant – was ich mich da frage, ist, woher sie den pro-Kopf-Konsum haben. In Ländern wie Norwegen und Schweden hat ja Selbstgebranntes und Importiertes einen deutlich höheren Stellenwert als in Mitteleuropa, wo kaum jemand nennenswerte Mengen importieren dürfte. Auch interessant wäre zu wissen, ob es auch eine Beziehung zum Alkoholismus gibt.
Naja, solange das Alkolås einen nüchternen Autofahrer nicht am Losfahren hindert, ist ja noch nichts verloren. Ich fände es zumindest wichtig, dass es für Berufsfahrer vorgeschrieben ist – in LKWs, Bussen und Taxis sollte es keinen Alkohol geben.
Die Fahrradregelung in Deutschland ist ein seltsames Gebräu von Gerüchten – keiner weiß wirklich genau, was da in welchem Fall gilt. Ich bin jedenfalls der Ansicht, dass eine derart strenge Regel nicht auf Fahrräder angewendet werden sollte – ich habe schon Geschichten über schwedischen Autofahrern gehört haben, die betrunken ihr Auto in den Graben gesetzt haben und es dann zurückließen, weil sie ja nicht die Polizei rufen konnten. Ehrlich gesagt wäre es mir da lieber, wenn diese Herrschaften nur auf zwei Rädern unterwegs gewesen wären – da schaden sie sich höchstwahrscheinlich nur selbst.
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