Arbeiterkinder an der Uni

Radio Schweden kam mir zuvor, aber die dürfen ja auch einfach ihre schwedisch schreibenden Kollegen direkt übersetzen.

Fast 40 Prozent aller 20 bis 25 Jahre alten Schweden kommen aus Arbeiterfamilien. Aber ein Viertel von ihnen besucht eine Hochschule. Es werden zwar mehr, aber nur weniger als ein Prozent pro Jahr.

Das Thema, wie sehr das Ausbildungsniveau der Eltern eine Rolle dabei spielt, welchen Weg der Nachwuchs einschlägt, ist in der Tat wichtig in Schweden. Ich kenne es aus eigener Erfahrung nur von der Auswahl anderer Doktoranden. Das Thema kommt da gelegentlich auf und wird ernst genommen. Vergleichbare Zahlen auf Universitätsniveau für Deutschland habe ich in der Studie Eurostudent 2005 (pdf) gefunden. Bei etwa gleichem Anteil an Arbeiterkindern in der Bevölkerung wie in Schweden machen sie in Deutschland anstatt 25 nur 13 Prozent der Studenten aus.

Der Wikipedia-Artikel zur Bildungsbenachteiligung, über den ich die Studie gefunden habe, ist interessant und erschreckend zugleich.

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  1. Bevor man die Zahlen vergleicht, sollte man aber mal herauszufinden versuchen, wie die Definition des Begriffs “Arbeiter” in Schweden und Deutschland geprägt wird.

  2. Ja, daran hatte ich kurz gedacht, dass die Definition nicht deckungsgleich sein muss. Andererseits geht es natürlich um die Berufe der Eltern und ich glaube nicht, dass die Einteilung so unterschiedlich sein kann, dass sich der Faktor zwei dadurch wegerklären lässt, auch weil der Anteil “Arbeiter” an der Gesamtbevölkerung ja übereinstimmt.

  3. Mmh. Ich bleibe skeptisch. In Deutschland wird “Arbeiter” und “Angestellter” auch gar nicht unterschieden nach dem Beruf, sondern nach der Form des Entgeltes.

    Wer Lohn bekommt, ist Arbeiter; wer Gehalt bezieht, ein Angestellter.

    Man kann also durchaus einen Tischlergesellen als Angestellten beschäftigen. Wie man in Schweden differenziert, weiß ich nicht.

  4. Die SHELL-Jugendstudie hat vergangenes Jahr nachgewiesen, dass nahezu alles für Jugendliche in Deutschland abhängig davon ist, aus welcher sozialen Schicht die Eltern stammen. Bildung, gesundes Essen, Freizeitbeschäftigungen, Zukunft…
    Damit gilt auch 2007, das es entscheidend ist, in welche Familie man hineingeboren wird.
    In Schweden bemüht man sich um mehr Chancengleichheit, aber dass das auch nicht richtig gelingt, hat Janne Josefsson in seinem TV-Klassiker über die Strassenbahnlinie 5 in Göteborg gezeigt. Die Kinder der Eltern aus Örgryte haben akademische Berufe und sind wohlhabend wie ihre Eltern. Die Kinder der Eltern aus Biskopsgården haben soziale Probleme und kommen kaum allein über die Runden, wie ihre Eltern.
    Die Klassengesellschaft, über die man nicht mehr reden darf, sie existiert weiterhin. “Ich wuchs in einer Klassengesellschaft auf und ich hasste es,” hat Göran Persson gesagt.
    Nun rede ich nicht dem Kommunismus oder Sozialismus das Wort, aber wir sollten nicht glauben, dass man am Thema Chancengleichheit nicht mehr arbeiten müsste.

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