Tagesschau.de schreibt über ein Urteil des europäischen Gerichtshofes:
Künftig sind Schweden nicht mehr gezwungen, Bestellungen von Alkohol über die Monopolorganisation Systembolag laufen zu lassen. Sie dürfen direkt per Versandhandel in anderen EU-Staaten einkaufen.
Letzten Herbst wurde in gleicher Instanz entschieden dass man beim Einkauf über das Internet nicht die hohen schwedischen Steuern auf Alkohol umgehen darf. Der Zoll hat aber trotzdem private Alkoholsendungen beschlagnahmt, weil sie gegen das herrschende Alkoholmonopol des Systembolaget verstoßen.
Das heutige Urteil ist also ein harter Schlag gegen die schwedische Alkoholpolitik, wird doch das Systembolaget legal umgangen werden und damit in der Praxis das Monopol ausgehebelt. Außerdem stehen dem schwedischen Staat Schadenersatzklagen wegen der beschlagnahmten Lieferungen ins Haus.
Viele Schweden wird das freuen, ich bin zwiegespalten. Wenn sich die schwedische Steuer auch praktisch durchsetzen lässt, sollte der Alkoholkonsum durch den Versand via Internet nicht steigen, die Altersgrenze von 20 Jahren lässt sich dagegen wohl kaum noch forcieren.
Ich kann mir schon vorstellen, zum Beispiel Frankenweine aus der “alten Heimat” zu bestellen. Mehr zum Thema auf Schwedisch hier und hier.
Ich finde das alles irgendwie sehr verwirrend. Man darf sich nun also Alkohol aus dem EU-Ausland in praktisch beliebiger Menge bestellen, muss die Steuern dafür zahlen.
Worin der Unterschied dazu bestehen soll, wenn ich das Zeug selbst über die Grenze karre, ist mir nur bedingt klar.
Ich frage mich im Moment allerdings, wie man diese Steuer abführen soll. Auf ein entsprechendes Formblatt des Skatteverket wird man wohl noch etwas warten müssen.
Zunächst einmal zeigt dieses Urteil die Absurdität der schwedischen Alkoholpolitik auf:
1). Der schwedische Staat ist der grösste Alkoholproduzent im eigenen Land: Vin&Sprit, Absolut Vodka mm
2). Der schwedische Staat besitzt das Einzelhandelsmonopol im Lande angeblich aus gesundheitlichen Gründen, scheut sich aber nicht davor, jede Menge Alkohol an Jedermann zu liefern.
3). Die Alkoholkranken werden dann wieder in einem staatlichen Monopol, nämlich dem Gesundheitsdienst behandelt.
Damit befindet sich die gesamte Wertschöpfungskette mit und um Alkohol völlig in staatlicher Hand.
Man braucht nicht darauf zu warten, daß sich in jeder Alkoholdiskussion als erstes der schwedische Finanzminister zu Wort melden, um zu wissen, daß es hier weniger um Volksgesundheit als um Steuereinnahmen geht.
Ich persönlich fühle mich durch die schwedische Alkoholpolitik bevormundet. Ist es rechtens, daß 99,99 Prozent der schwedischen Bevölkerung bevormundet werden, sich ihren Weinlieferanten nicht wählen dürfen, weil der schwedische Staat keine Alkoholpolitik betreibt, die ihren Namen verdient?
Ich trinke gerne mal meinen Rheingauer oder Elässer Riesling, meinen Wein vom Jagst. Und ich möchte ihn gerne direkt per Spedition von meinem Winzer angeliefert bekommen. Die schwedische Alkoholpoilitik erleidet dadurch keinen Rückschlag, es sei denn weniger Alkoholsteuern, wenn ich sie nur in Deutschland bezahle.
Und das ist auch eine europäische Angelegenheit: Mehrwert- und andere Steuern sollen beim freien Warenverkehr auch in dem Lande bezahlt werden, in dem die Waren in den Verkehr gebracht werden.
Leider versuchen alle Finanzminister, dieses europäische Prinzip auszuhöhlen. Schon heute bezahle ich schwedische Mehrwertsteuer auf CDs, die ich bei Amazon in Deutschland bestelle. Das ist NICHT in Ordnung.
Bislang hat der schwedische Staat versucht, die Privateinfuhr dadurch zu begrenzen, daß er nur zuließ, Alkohohl als persönliches Reisemitbringsel nach Schweden einzuführen. Mit dieser Auffassung ist er – mit Recht – gescheitert.
Der schwedische Staat muss sich nun anpassen. Der Wink mit der Steuerkeule zeigt, daß er zwei Dinge nicht begriffen hat:
1). Was Europa bedeutet.
2). Was eine richtige Antialkohol- und Gesundsheitspolitik ausmacht.Bevormundung gegen individuelle Freiheit. Ein unendliches Thema und ein grundlegendes, weil die Grenzen eben nicht vorgegeben sind, sondern immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Ich bin da immer wieder hin- und hergerissen und stimme einerseits Artikeln wie diesem in weiten Teilen zu, sehe aber natürlich auch ein, dass es individuelles Verhalten gibt, das eine Gesellschaft nicht akzeptieren kann und sich deswegen einmischt.
Natürlich würde ich mir auch gerne billig “meinen” Wein schicken lassen können, aber es ist auch schwer zu leugnen, dass die schwedische Alkoholpolitik unterm Strich funktioniert. Es wird weniger getrunken als in vielen europäischen Ländern und dementsprechend ist die folkhälsan besser.
Wir haben uns hier ja schon extensviv über die Effekte der Alkoholpolitik unterhalten. Ein Beitrag zur Volksgesundheit ist sie irgendwo – aber auch ein anachronistisch anmutendes Werkzeug.
Eine Angleichung der Steuern in Europa wäre wünschenswert. Das ist abner nicht machbar, da die Vorstellungen von Steuerpolitik in Großbritannien und Schweden – um mal die beiden Extreme zu nennen – so sehr differieren, dass man sich nie einigen würde.
Ich hoffe, es findet sich ein findiger deutscher Unternehmer, der einen günstigen Komplettservice (Wein + Versand + Steuererklärung) für Schweden aufnimmt. Die Wein- und Biertrinker dieses Landes werden es ihm danken

Was mich bei northlanders Beitrag beschäftigt hat, war diese Amazon-Geschichte. Was ist denn, wenn ich in Deutschland etwas bestelle, dort regulär bezahle und das mir hierher ausgeliefert wird? Muss ich dann etwa hier nochmal etwas bezahlen? Immerhin ist das ja EU-interner Warenverkehr.
Soll dass heißen dass jede Privat-Person mit einer Menge (wieviel man will) nach Schweden versenden oder mit nehmen (PKW/LKW) darf?
Es gibt keine Vorschrift mehr vom Schwedisches Zollamt?
Weis jemand wie man dass machen muss wegen Steuer? Man muss denke ich anmelden, denke dass man eine Art Buchhaltung führen muss (Ust. u. Vst.).Hi Thomas, also darf man nur Gewerblich soviel Alkohol versenden wie man will, privat ist dass nicht erlaubt, oder?
Vielen dank für deine Antwort
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