Schwedenfans

Es gibt Menschen in Deutschland, die sich als “Schwedenfans” bezeichnen. Ich finde den Begriff Fan im Zusammenhang mit einem Land immer etwas befremdlich und frage mich, was denn damit gemeint sein soll, außer dass man gern in dieses Land in Urlaub fährt.

Wikipedia sagt:

Ein Fan [ˈfÉ›n] (englisch fan [ˈfæn], von fanatic = Fanatiker) ist ein begeisterter Anhänger einer Person, einer Gruppe von Personen oder einer Sache. [...] Organisierte Fans finden sich oft in Fanklubs zusammen. [...] Die begeisterte Anhängerschaft äußert sich meist in Ritualen der Verehrung der betreffenden Person, Gruppe von Personen oder Sache. Für diese Verehrung, die die Fans betreiben, hat sich umgangssprachlich der Begriff Kult eingebürgert. Er beruht häufig auch auf Mythen, die sich um den Gegenstand der Verehrung ranken. (Hervorhebungen von mir)

Im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen kann man sicher “Schwedenfan” sein, indem man ebendieser Mannschaft Erfolg wünscht, aber das Wort wird allgemeiner verwendet. Kann man begeisterter Anhänger eines Landes sein? Gibt es Fanklubs für Schweden? Die diversen Schwedenforen im Internet kommen dem wohl am ehesten nahe. Dass das Bild von Schweden auf Mythen beruht, stimmt wohl auch teilweise; man denke nur an den Sozialstaat, dessen Einschnitte sich noch nicht überallhin durchgesprochen haben.

Trotzdem finde ich die Verehrung, die mit dem Fan-Sein einher geht, zu stark, als dass man sie einem Land entgegenbringen könnte. Man kann einzelne Dinge besser oder schlechter finden, aber es sind unzählige Eigenschaften, die ein Land ausmachen, und jemandem, der glaubt, in Schweden sei alles besser, bin ich geneigt zu unterstellen, dass er nicht weiß, wovon er spricht. Außerdem könnte man eine solche Verehrung wohl als Fortsetzung oder Überbleibsel der Nazi-Ideologie sehen. Die fanden den Norden auch ganz toll. Und zuletzt: Fans heißen etwas unhinterfragt gut und kritisieren in der Regel nicht. Kritik ist aber Voraussetzung dafür, etwas zu verbessern, und zeugt eher davon, dass einem etwas nicht gleichgültig ist, als blinde Unterstützung.

Ich lebe sehr gern in Schweden, aber Schwedenfan bin ich nicht.

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  1. Ich bin auch kein Deutschlandfan :)
    Gruß,
    Annabell

    PS: Vielleicht schreib ich dazu was auf meinem schwedischen Blog. Kannst ja mal schauen, ob ich schlimme Rechtschreibfehler mache :)

  2. Dein schwedisches Blog hatte ich noch gar nicht entdeckt. Es ist gleich in meinen Feed-Reader gewandert. :)

  3. Danke! Ist aber eher ein Übungsblog und basiert auf meinem lückenhaften Halbwissen über die schwedische Sprache. :-)

  4. Ich habe mich schon immer als Schweden-Fan bezeichnet. Dieser Eintrag ließ mich erst zweifeln, ob ich das wirklich weiter so machen sollte. Aber für mich ist dann klar geworden, dass ich Fan ganz anders für mich im Kopf definiert hatte. Schweden-Fan sein, bedeutet für mich einfach Schweden, seine Sprache und seine Kultur zu mögen, und sich vor allen Dingen damit zu beschäftigen und näher kennen zu lernen.
    Mir ist klar, dass es dort genauso Probleme gibt wie in anderen Ländern und das auch dort nicht alles Heile Welt ist. Die Vorstellung von “woanders ist es sicher besser” wird übrigens vielen Auswanderern zum Verhängnis, wenn sie merken, was alles”Zuhause” doch irgendwie besser war.

  5. Ja, die Definition von “Fan” ist gerade das ausschlaggebende. Wenn man selbst eine weniger enge und damit positivere Bedeutung meint, ist das eine Sache – es kann einem dann aber passieren, dass man komisch von Leuten angeschaut wird, die an die eigentliche Bedeutung denken. ;)

    Das gilt nocheinmal mehr, wenn man den Begriff gegenüber Schweden verwendet, denn das Wort “Fan” hat weniger Einzug ins Schwedische gehalten als ins Deutsche. Wohl nicht zuletzt deswegen.

  6. Being a Swede myself, I always get angry, annoyed and irritated when people call themselves “Schweden-fans”. What stupid neo-colonialism is this? I find the expression objectifying, narrow-minded and ignorant. And furthermore, why don’t people find it embarassing to down-grade themselves to being a “fan” of something? I thought people stopped being “fans” in the 80s.

    Vielen Dank Thomas!

  7. Ich für meinen Teil verstehe die Definition “Fan” doch recht anders, als es Wikipedia sowie dein Beitrag aufzeigt. Als Fan versehe ich ehr Personen, die sich für eine bestimmte Sache begeistern. Sei es halt ein Land, Bloggen, Fußball etc.

    Daher würde ich auch den Begriff “Schweden-Fan” nicht negativ sehen. Steigerungsformen für mich wären z.B. freaks (oder nerds), Hardcore-Fan oder so. Das würde für mich der Wiki-Definition dann näher kommen.

  8. Ja ich kann durchaus deine Sichtweise verstehen, aber grade im Fußball ist es so, das dort auch Fans etwas bewegen können. “Schalke hilft” und “Schalker gegen Rassismus” entstanden durch die Tätigkeit der Fans. (Der FC Schalke 04 ist der zweitgrößte Fußballverein Deutschlands)

    Ich würde mich durchaus als Fan der Autoren Roslund & Hellström bezeichnen oder auch als Fan der Band The Poodles. Aber ungefragt gut heißen ? Davon halte ich nichts, wenn mir irgendwas nicht gefällt weigere ich mich dafür Geld auszugeben, egal ob ich Fan bin oder nicht.

    Und ich denke das man nicht Fan eines Landes sein kann. Man kann ein Land mögen, seine Kultur und die Menschen die dort leben.

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