Krankenakten ins Internet

Mit Verlaub, Krankenakten ins Internet zu stellen, ist eine verdammt dumme Idee.

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  1. Noch dümmer ist es aber aufgrund Informationsmangel eine falsche/unangemessene Behandlung zu erhalten und gesundheitliche Schäden oder gar den Tod zu riskieren.

    Vielleicht ist die vorgeschlagene Lösung nicht perfekt, aber es ist wohl schwer zu leugnen, dass die gegenwärtige Situation wo 100 Ärzte mit 200 verschiedene nicht zueinander kompatiblen Krankenaktensystemen (um es mal ein wenig auf die Spitze zu treiben) arbeiten, ein unhaltbarer und gefährlicher Zustand für den Patienten darstellt.

  2. Dass es “noch dümmer” ist bezweifel ich, vor allem weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Auch wenn man es als Netizen manchmal vergisst, gibt es auch Informationsaustausch (gerne standardisiert) abseits des Internets.

    Ein guter Gedanke des Vorschlags ist es, Patienten so mündig zu machen, dass er/sie selbst entscheiden kann, wer was zu sehen bekommt. Jede übers Internet abrufbare Datenbank ist prinzipiell hackbar, vor allem wenn, wie vorgeschlagen, die Gesundheitsdienstleister selbst verantwortlich für die Sicherheit sein sollen und gleichzeitig die Privatisierung (und damit ein Anreiz bei der Sicherheit zu sparen) vorangetrieben wird.

  3. Mmh, also ich publiziere meine Krankheiten auch im Internet :-)

    In Stockholms Län alleine gibt es anscheinend über ein Dutzend verschiedene Systeme. Das sollte man meiner Ansicht nach schon vereinheitlichen. Allerdings darf das natürlich keine halbgare Lösung sein. Da muss an die Sicherheit schon hohe Anforderungen gestellt werden – die Sensibilität der Daten verlangt da nach Lösungen mit Sicherheitsstandards wie bei Banken.

  4. Bin seit 6 Monaten hier in Schweden und als Allgemeinmediziner tätig. Klar, unterschiedliche Systeme z.B in den Krankenhäuser und in den vårdcentralen, die dazu führen das ein Informationstransfer auf technischem Wege unmöglich ist, ist schlecht. Patieninformationen ins Netz zu stellen halte ich für totalen Wahnsinn. Was Informationen über Pat. betrifft, gilt es als Arzt “auch mal zum Äussersten zu gehen und den Patienten zu fragen”, die sind oft erstunlich gut informiert und in Schweden im Vergleich zu Deutschland meiner Erfahrung nach für ihr oft hohes Alter erstaunlich fit.

  5. Florian: Wenn du Zeit und Lust hast, kannst du gerne mal ein paar Zeilen schreiben, was in Schweden aus Sicht von Ärzten besser ist als in Deutschland, so dass es so viele deiner Kollegen hierher verschlägt. Was weniger gut ist natürlich auch. :)

  6. Tja, das ist so generell natürlich eine schwierige Frage, da die Entscheidung jeweils sehr individuell ist. Der Marburger Bund, sowas wie eine Gewerkschaft der angestellten Klinikärzte beantwortet diese Frage mit der Vereinbarkeit von Job und Familie/ Freizeit und damit einhergehend auch mit einer grösseren Arbeitszufriedenheit. Deutsche Ärzte, die mehr Geld verdienen wollen versuchen ihr Glück in der Schweiz, wo sie mittlerweile (ob der unglaublichen Menge an deutschen Ärzten, die kein Schweizerdeutsch sprechen) nicht mehr so gern gesehen sind oder eben in England (wo die Arbeitsbedingungen auch ziemlich heftig sind). Für mich als Allgemeinmediziner geht es vor allem darum auch ohne eine eigene Praxis kaufen und betreiben zu müssen, allgemeinmediznisch tätig sein zu können. Darüberhinaus kann ich mich – bei fairem Gehalt – noch in Fächern wie Pädiatrie und Gynäkologie weiterbilden. Zu den schlechten Seiten kann und möchte ich mich noch nicht äussern, da ich sie noch nicht hinreichend kenne. Klar ist aber, das deutsche Patienten ein schwedisches System mit fehlender freier Arztwahl, v.a auch in Bezug auf Spezialisten wie Orthopäden, Internisten etc. und langen Wartezeiten auf weiterführende Untersuchungen (z.B Belastungs- EKG 3 Monate, Gastroskopie je nach Indiaktion 3-6 Monate…) nicht akzeptieren würden. Sicherlich mittelfristig auch eine Frage für mich, wie man – mit in Teilen- so kanppen Ressourcen zufriedenstellend allgemeinmedizinisch tätig sein kann.
    War übrigens gerade selber Pat., allerdings beim folktanvård und habe mir leider einen Zahn ziehen lassen müssen, SEK 550, dicke Backe natürlich inklusive, aber dafür Zeit mittags hier zu schreiben.

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