Wort der Woche: Sommarpratarna

Sommarpratarna (wörtlich “die Sommerredner”) ist der umgangssprachliche Name für eines der, wenn nicht das beliebteste Radioprogramm Schwedens: Sommar i P1.

Seit 1959 wird die Sendung ausgestrahlt, die sich Tage Danielsson ausgedacht hat. Jeden Tag ab Mittsommer bis Mitte August bekommt ein Sommarpratare anderthalb Stunden Radiozeit, in der er oder sie selbst bestimmt, welche Musik gespielt wird und was sie sagt. Die Auswahl der Menschen, die diese Chance bekommen, ist dabei natürlich entscheidend und es wird jedes Jahr mit Spannung erwartet, wenn die Liste eine Woche vor dem ersten Abschnitt bekannt gegeben wird.

Sei es Ingmar Bergman, der um Briefe mit Hörermeinungen bittet, um diese dann ungelesen zu verbrennen oder das (angeblich, ich habe es nicht gehört) ergreifende Mutterportrait von Mustafa Can, das Telefonleitungen zusammenbrechen lies: Es gibt unzählige Anekdoten zu diesem Radioprogramm, die Reaktionen der Hörer sind zahlreich und es gibt sogar Bücher dazu. Sommarpratare gehört seit 2006 auch laut SAOL offiziell zum schwedischen Wortschatz.

Meine spontane Auswahl, was ich mir aus dem diesjährigen Programm wohl anhören werde:

  • Max Tegmark, Physiker/Kosmologe am MIT.
  • Lars Winnerbäck, Musiker.
  • Margot Wallström, Vize von EU-Kommissionschef Barroso), Bloggerin.
  • Elisabeth Massi Fritz, Anwältin, die die Grenzen von Gesetzen austestet.
  • Peter Wallenberg, einer aus der wohl wichtigsten Industriellenfamilie Schwedens.
  • Jonas Wahlström, Tierexperte, den jeder (außer mir) aus dem Fernsehen kennt.
  • Michael Segerström, Schauspieler, u.a. Darling vom letzten Jahr.
  • Björn Ulvaeus, ex-ABBA, Mit-Humanist.
  • Antonia Ax:son Johnson, Großunternehmerin.
  • Mattias Klum, international bekannter Naturfotograf.
  • Dolph Lundgren, wieder einmal ein Fall von “Ach, der ist Schwede!?” für mich.
  • Annika Söder, Chefin eines Teils der Welternährungorganisation.
  • Göran Hägglund, Parteichef der Christdemokraten. Den höre ich mir nur an, wenn ich mich aufregen will.
  • Annika Norlin, Musikerin: Säkert!, Hello Saferide.
  • Pia Johansson, Schauspielerin, auch bei Parlamentet dabei.
  • Boris Grigorjev, KGB-Oberst, den muss man wohl einfach hören.
  • Carin Götblad, Polizeichefin.
  • Mikael Tornving, Komiker, auch bei Parlamentet.

    Die Abschnitte sind 30 Tage in voller Länge auf der Webseite des SR anhörbar und danach auch noch als Podcast, allerdings mit gekürzter Musik. Die Sommarpratarna seien hiermit allen empfohlen, die Schwedisch können oder dabei sind es zu lernen, denn man lernt dabei auch eine Menge Menschen des öffentlichen Lebens in Schweden kennen. Integration pur.

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  1. wow, danke für diesen tipp… mir fehlt zwar gerade absolut die zeit alles nachzuhören (auch wenn es sich ja jetzt noch in engen grenzen hält), aber vielleicht gelingt mir das ja im august. annika norlin werde ich keinesfalls auslassen.

  2. Etwas amüsiert war ich ehrlich gesagt von der Wortwahl “Abschnitt” – ein schwedischer Alltag hinterlässt seine Spuren :-)

  3. Äh, sagt man das nicht so? Dass es im Schwedischen avsnitt heißt, macht es ja nicht notwendigerweise falsch auf Deutsch. :)
    Ist “Episode” besser? oder “Folge”?

    Mir unterlaufen in der Tat manchmal Fehler beim Rückübersetzen. Wenn ich nicht hier schreiben würde wär’ mein Deutsch sicher merkbar rostig.

  4. Also wenn ich jetzt nicht völlig falsch liege, dann ist Abschnitt im Deutschen schon etwas sehr amtliches im Allgemeinen.

    Ich kann mir auch keinen Pro-Sieben-Trailer vorstellen “Der nächste Abschnitt…” :-)

    Folge kommt hin, würde ich sagen.

  5. Also laut Leo ist “Abschnitt” eine gültige Übersetzung des englischen “episode” und ich bin mir auch eigentlich ziemlich sicher, das auch schon früher in dieser Bedeutung benutzt zu haben.

    Wie auch immer – du hast es ja verstanden… ;)

  6. Gerade so – ich kann ja ein bisschen schwedisch ;-)

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