Heute morgen in der Papierausgabe zu diesem Artikel noch das Bild mit den vier iranischen Raketen abzudrucken, das gestern schon überall als Fälschung herumgereicht wurde, finde ich schon peinlich für Schwedens größte seriöse Tageszeitung Dagens Nyheter.
Schlagworte: KurzNotiert, Medien, News, Politik, Welt
Mich überrascht das nicht.
Den richtigen investigativen Journalismus gibt es kaum noch in Schweden, wenn es ihn überhaupt gegeben hat. Die nationalen und internationalen Meldungen in den schwedischen Tageszeitungen gleichen sich, werden doch die Meldungen von denselben Nachrichtenbüros und aus Pressemitteilungen übernommen und nicht kritisch hinterfragt. Auch die Fotos gleichen sich, wenn es sie denn überhaupt nocht gibt. Die Tageszeitungen haben sich ja – mit Ausnahme auf vereinzelten lokalen Ebenen – sämtlicher Fotoberichterstatter, d.h. Fotografen entledigt. Gekauft wird von Bilagenturen, die oftmals keine Material anbieten können. man beachte die vielen nicht bebilderten Internet Nachrichten. der Bildmangel ist nicht auf zu hohe Honorarforderungen zurückzuführen, sondern auf eine gravierende Vernachlässigung der “kärnverksamhet” schwedischer Tageszeitungen, nämlich der eigenen Berichterstattung.
Daß dann fakes publiziert werden, das setzt nur dem schlechten Zustand der schwedischen Presselandschaft die Krone auf. Man ist einfach nicht mehr kritisch gegenüber dem Material eingestellt, was zur Veröffentlichung angeboten wird. Dieser Mangel äußerst sich nicht nur hier.
Trotzdem kann man froh sein, daß es die DN und auch das SvD gibt. Die sogenannten Regionalzeitungen, auch wenn sie sich mit dem Titel Zeitung des Jahres schmücken, kann man völlig vergessen, wenn es um politische Mißstände und Meinungsbildung geht.
Man kann von der DN nicht erwarten, dass sie eigenes Bildmaterial zum Thema hat. Es ist aber natürlich nicht zuviel verlangt, etwas nachzurecherchieren. Sogar für mich als Amateurjournalist waren die drei Buchstaben “AFP” als Quellenangabe schonmal ein rotes Tuch. Die AFP ist dafür bekannt, dass sie gerne nachlässig kontrolliertes Material verbreitet. Im Extremfall läuft das sogar darauf hinaus, dass sie blanken Unsinn daherfantasiert, wie man an diesem Beispiel
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/geht-sterben/
schön sehen kann. Dieses Beispiel belegt übrigens auch, dass in Deutschland oft zu wenig recherchiert wird. Allerdings muss ich schon beipflichten, dass es mit dem investigativen Journalismus in Schweden wirklich nicht allzuweit her ist. Wenn man irgendwo “avslöjar” oder etwas in der Richtung “allt fler” liest, ist ein zweiter Blick darauf meist vollkommene Zeitverschwendung.
Mir scheint, als wäre Investigativjournalismus vorwiegend bei SVT beheimatet.
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