Da kommt man nichtsahnend abends nach Hause und was findet man hinter dem Briefschlitz? Eine Freikarte zum Oktoberfest in Enköping. Das liegt ein paar (schwedische) Meilen westlich von hier. Dabei war ich doch noch nicht einmal auf dem Original als ich noch in Bayern gelebt habe.
Ich übersetze mal aus der gut zehnseitigen Zeitung, an die die Freikarte geheftet war.
Titelseite: Enköpings Oktoberfest – ein Geschmack von Bayern. Bierzelt, Troubadoure und Künstler, Disco-Karaoke. Kauf das Tirolerpaket! Tirolerbuffet, Eintritt, ein Bier, ein Jägermeister und ein Tirolerhut.
Seite 3, unübersetzt: Die zwei Tiroler Hans und Heidi – Tiroler Show!
Beweise:



Das Ganze wäre sicher eine Reise wert, so als Studie zum heutigen Deutschlandbild der Schweden mit vielerlei Fotomöglichkeiten. Leider hab’ ich an diesem Wochenende keine Zeit.
Schlagworte: Deutschland, Feiern, Lustig
Immer schön, zu sehen, wie im Ausland Oktoberfeste veranstaltet werden, ohne auch nur irgendeine Ahnung von der Materie zu haben. Ich war selbst noch nie beim Original (will ich auch gar nicht), aber interessant ist vor allem, wie die deutsche Bierkultur in irgendeine Form gepresst wird, die zumindest den Schweden passend erscheint.
Ich selbst war auch schon auf zwei “Oktoberfesten” hier im Norden:
– an der KTH veranstalteten die Studenten ein Oktoberfest mit einem Indoorzelt und Maßkrügen. Sogar die Musik war stellenweise authentisch. Weniger stilecht war allerdings, dass in den Maßkrügen Carlsberg ausgeschenkt wurde, während man das Weißbier bestenfalls in Plastikbechern, meist aber aus der Flasche bekam. Die Bratwürste waren geschmacklich jetzt auch nicht so der Brüller.
– an Bord des Viking-Line-Schiffes nach Åland fand ebenfalls eines statt. Die Maßkrüge waren echt, aber die “Original Bavarian Showband” kam in Wirklichkeit aus England und konnte nur eine sehr eigenwillige Version von “In München steht ein Hofbräuhaus”. Als Bier gab es vorwiegend Spaten, das zwar aus München kommt, aber eben kein Weißbier ist. Man hatte ein paar “Bierbänke” (rustikale Holztische) aufgestellt, aber etwas fragwürdig wurde dann schon, dass man die bayerischen weiß-blauen Rauten durch weiß-rote Rauten (die Farben von Viking Line) ersetzt hat. Im Bordshop gab es Weißbier zu doch eher gehobenen Preisen.Naja, im Notfall kann man Tirol eben auch mal nach Bayern verlegen…
Tirol und Bayern waren aus schwedischer Sicht wohl schon länger schwer auseinander zu halten. Irgendwie alpenländisch halt.
Daher sehen die Tiroler in Blädinge auch so bayerisch aus.
http://www.jornmark.se/places_intro.aspx?placeid=155&lang=
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