Was Karten und Satellitenaufnahmen im Internet angeht, geht man als Privatanwender in vielen Ländern zuerst zu Google. In Schweden haben es jedoch zwei Seiten geschafft, Google zuvorzukommen und sich in den Köpfen der Netzbesucher als erste Anlaufstelle für Kartendienste zu etablieren. Die Rede ist von eniro.se und hitta.se. Beide bieten Telefonbuch, Gelbe Seiten und eben Karten an, Adressuche und Wegbeschreibungen inklusive.
Eniro bietet neben Kartenansicht, Satellitenbild und der Überlagerung der beiden auch noch Luftaufnahmen aus geringer Höhe an, also Ansichen von schräg oben aus vier Richtungen (Beispiel).
Was ich erst diese Woche entdeckt habe ist gatubild von Hitta.se. Dabei handelt es sich um eine dreiste Kopie von Google Street View. Man ist also mit einem Auto, das eine Rundumkamera auf dem Dach hat, alle Straßen Stockholms abgefahren und hat die Daten dann zusammengefügt. Die Bedienung ist noch minimalistischer als die des Vorbilds. Man kann mit der Maus den Bildauschnitt drehen und sich auf den blauen Punkten vorwärts bewegen. Im unteren Teil sieht man am “Männchen”, wo man gerade steht und in welche Richtung man schaut. Das Männchen kann man einfach an andere Stellen ziehen. Zusätzlich gibt es Tastaturkürzel.
Im Labbet von hitta.se, das schon vom Namen wiederum an die Google Labs erinnert, findet man auch 3D-Modelle einiger schwedischer Städte.
Dass es in Schweden was Karten angeht gute Konkurrenz zu Google gibt, kommt nicht von ungefähr. Die Vermessungsbehörde Lantmäteriet stellt nämlich im Auftrag des Staates die geographischen Grunddaten bereit und bekanntermaßen ist in Schweden Offenheit, nicht Amtsgeheimnis der Regelfall.
-
Das mit dem Gatubild – egal ob von Google oder von hitta – finde ich nicht so ganz unproblematisch. Versicherungskonzerne benutzen das mittlerweile zur Premienberechnung (sieht die Nachbarschaft schäbig aus oder nicht). Bei google werden wenigstens Autokennzeichen und Gesichter unkenntlich gemacht.
Was die Daten von Lantmäteriet angeht, kann ich Dir nur teilweise zustimmen. eniro und hitta müssen irgendwelche besonderen Konditionen ausgehandelt haben (oder einfach mehr bezahlt haben). Denn zum einen gibt es bei Google keine guten Luftbilder von Schweden, auch die Kartengrundlage ist oft veraltet. Zum anderen ist es für Privatpersonen richtig teuer, aktuelle topographische Karten digital zu bekommen. Wenn man was anderes machen will, als nur eine Webanwendung zu benutzen.
2 Kommentare
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel
Trackback-Link: http://www.fiket.de/2008/12/14/gatubild/trackback/