Was ändert sich 2009?

Die schwedische Regierung gibt jedes Jahr ein Dokument (PDF) heraus, das die wichtigsten Änderungen an Gesetzen und Verordnungen zum Jahreswechsel beschreibt. Ich übersetzte im folgenden einmal das Inhaltsverzeichnis und kommentiere einzelne Punkte. Eine ähnliche Zusammenfassung sucht man auf der Seite der deutschen Regierung übrigens vergeblich.

  • Justizministerium
    • Mehr Möglichkeiten zur Untervermietung.
      Es klingt seltsam, aber man darf in Schweden seine Wohnung tatsächlich nicht ohne weiteres vermieten.
    • Elektronische intecknings-Briefe.
      Was das bedeutet ist mir auch nach WP-Lektüre noch unklar, aber es kann bald elektronisch anstatt in Papierform geschehen.
    • Neues Gesetz zu Firmenhypotheken.
    • Geänderte Regeln zur Vormundschaft.
    • Neue Regeln innerhalb des Nordens zu den Einkommensverhältnissen von Ehepartnern.
      Die nordeuropäischen Länder haben sich verständigt, welche Regeln bei Ehen über Grenzen gelten, was zu einer besser vorhersehbaren Situation für viele Paare führen soll.
    • Zusätzliche Maßnahmen gegen Störungen der öffentlichen Ordnung bei Sportveranstaltungen.
      Hooligans sind auch in Schweden ein Problem. Es wird jetzt einfacher, Hausverbote zu verhängen.
    • Neue Wahlzettel für im Ausland lebende Schweden.
    • Ausgeweitete Verwendung der Bereitschaftspolizei.
    • Gesetz zur Untersuchung bestimmter gesellschaftsgefährdender Straftaten.
      Es geht um Verstöße gegen die mitbürgerliche Freiheit, um die Finanzierung organisierter Kriminalität und um Wirtschaftsspionage.
    • Permanente Bestimmungen zur heimlichen Kameraüberwachung.
      Hier wird ein temporäres Gesetz von 1995 dauerhaft. Ich finde es eine gute Angewohnheit der Schweden, dass viele Gesetze ein Verfallsdatum haben und sie sich vor der Verlängerung bewähren müssen.
    • Europäische Bezahlanweisungen.
    • Europäische Verfahren mit geringem Streitwert.
      Diese beiden führen jeweils eine neue Art Gerichtsverfahren nach EU-Verordnungen ein, die Schwierigkeiten durch Landesgrenzen abbauen sollen.
  • Neue Regeln zur Einwanderung von Arbeitskraft.
    Hier geht Schweden einen großen Schritt weiter als der Rest von Europa, wo noch über eine “Blue Card” für Hochqualifizierte diskutiert wird. Nach Schweden darf seit gestern jeder kommen, egal woher, um zu arbeiten. Man lässt Firmen also die Freiheit anzustellen, wen sie wollen. Die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis kommt mit der Anstellung. Dass in der Regel wegen der Sprachbarriere sowieso nur aus dem Ausland rekrutiert wird, wenn sich kein Einheimischer findet, dürfte eine realistische Annahme sein. Die Regelung ist zusätzlich ein zweiter Weg für abgelehnte Asylbewerber, im Land zu bleiben. Schweden kann damit wohl trotz der zu Recht kritisierten Abschiebungen nach Afghanistan und in den Irak und der geringeren Zahl bewilligter Asylgesuche eine offen Einwanderungspolitik bescheinigen. Gut so, aber es hat gedauert.

    Das waren die Punkte aus dem Justizministerium und etwa ein Viertel der gesamten Liste im oben verlinkten Dokument. Auf den Rest habe ich gerade keine Lust; der wird ein andermal nachgereicht.

    Nachtrag: Weiter zum zweiten Teil »

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  1. Das neue Gesetz zur Einwanderung von Arbeitskraft klingt wirklich sehr gut. Vor allem, dass auch – häufig ja schon in der Gesellschaft integrierten – Asylbewerbern auf diese Weise die Chance geboten wird, in Schweden zu bleiben. Ich bezweifle allerdings, dass die Sprachbarriere sich so stark auswirken wird, um Arbeitssuchende abzuhalten. Bei der Ausübung vieler Berufe bedarf es nur weniger Sprachkenntnisse. Ich habe in Schweden außerdem einige nichtschwedische Akademiker kennen gelernt, die dort gearbeitet haben, aber nur einen kleinen Wortschatz und eine miese Grammatik hatten.
    Viel eher greift da das vom Chef der Handelsbank vorgebrachte Argument des für manche abschreckenden schwedischen Klimas…

  2. Es gibt grosse Unterschiede zwischen der offiziellen (in diesem Falle einwandererfreundlichen) Politik sowie den benehmen bestimmter Behörden, in diesem Falle: Migrationsverket.

    Ich bin EU-Mitbürger, lebe seit mehr als dreizehn Jahren in diesem Lande, übe mein schwedisches Wahlrecht (Kommunal, Landsting) aus, zahle nicht unerhebliche Steuern. Mein Antrag auf Einbürgerung wurde abgelehnt mit dem Hinweis, ich würde mich illegal in Schweden aufhalten und keine Arbeitserlaubnis besitzen….

    Den Beschluss habe ich überklagt. Das Länsrätten in Stockholm hat die Entscheidung des Migrationsverket als falsch aufgehoben und die Sache zur korrekten Neuverhandlung zurückverwiesen. Die ganze Geschichte zieht sich schon über 13 Monate hin. Das ganze ist sehr kränkend. Schweden als neue Heimat hat sich viele Sympathien verdorben.

  3. Was die deutsches Bundesregierung nicht schafft, übernimmt schon seit längerem der Mitteldeutsche Rundfunk (mdr) übernimmt, so auch dieses Jahr:

    Neu ab 2009

    Zumindest in der Vergangenheit wurde hier diese “Neu ab …” – Liste auch monatlich fortgeschrieben, zumindest falls es wichtige Änderungen gab.

    Ohne Frage zeugt es aber von besonderer Bürgernähe, wenn eine Regierung so eine übersichtliche, leicht verständliche Darstellung gleich selbst verfasst, statt dies einem Fernsehsender zu überlassen. Der Verweis auf den MDR sollte nur nicht untergehen. :-)

  4. Jonas: Danke für den Link. In den Kommentaren zu Teil 4 der Liste wurde auch auf die mittlerweile doch existierende Liste der Bundesregierung hingewiesen.

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