Alkoholsteuer erhöhen?

Deutsche Alkoholsteuern wie in Schweden oder “freies Trinken für freie Bürger”? Ein erfreulich sachlicher Artikel bei SpOn.

Es ist zu befürchten, dass die Vorschläge zur Steuererhöhung ähnlich große Chancen haben wie ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Die Alkohol- kommt nicht weit hinter der Autolobby. Dabei zeigen die Zahlen eindeutig, dass die Steuer den gewünschten Effekt hat.

Schlagworte: , , ,

  1. Wirklich ein guter Artikel. Gerade im Wahlkampfjahr ist eine Steuererhöhung auf Alkohol aber leider tatsächlich utopisch. Schließlich haben die bösen Politiker den Deutschen schon Spaß Nummer 1, das Aufofahren, vermiest durch hohe Benzinpreise (welche sie nicht verursacht haben, aber im Ansehen rangieren Politiker ja leider immer noch unter den höchsten Wirtschaftsvertretern und sind somit pauschal erstmal für alles schuld). Den Deutschen ihren Spaß Nummer 2, das Rauchen in der Öffentlichkeit, zu nehmen, hat hier ja beinahe eher die Leute auf die Straßen getrieben als die Ankündigung von drastischen Kürzungen im Bereich Sozialleistungen. Welcher deutsche Politiker hat da noch den Mumm, eine Steuer auf den viel zu günstigen Alkohol in Deutschland zu erheben?

  2. Ich halte es nicht für einen “gewünschten Effekt”, dass der Staat an jeder Ecke als Erzieher auftreten soll.

  3. Der gewünschte Effekt ist weniger Missbrauch/Gebrauch von Alkohol. Die Erfahrung zeigt, dass Verteuerung in dieser Hinsicht wirksam ist. Deswegen finde ich das Verteuern die am wenigsten “erzieherischste” Maßnahme, gerade im Vergleich zu “Aufklärungskampagnen” oder anderen Regeln. Jeder kann weiterhin selbst entscheiden, was es ihm wert ist.

  4. XD … naja, haben wir schon wieder Sommerloch? Alkoholsteuer … also wie wir ja nun wissen, nutzt das gar nichts.

    Erstens: Zucker, Wasser, Bäckerhefe und ‘ne olle Zinkwanne nebst ein paar leeren Flaschen, anschließend noch ein bissel Kupferrohr und ‘nen ausrangierter Schnellkochtopf fertig ist der Selbstgebrannte.
    (Mein Großvater und der Vater meines Schulfreundes haben noch 1985 jeweils pro Jahr 50 Liter reinen Birnengeist aus Fallobst der Wegrandbeflanzung gebrannt 70-80%ig … ausnehmend lecker …. sowas bekommt man heute nicht mehr.)

    Zweitens: Wie im Artikel schon erwähnt … wenn der Sprit zu teuer wird, steigen die Kidds einfach auf das nächst billigere um. Man spielt sie also nur zurück in die Hände der Drogenmafia.

    Drittens: Schweden selbst ist das Land mit der höchsten Rate an Schwarzbrennerei innerhalb der westlichen Staaten, trotz Alkoholsteuer haben sie ein größeres Alkoholproblem als Deutschland derzeit.

    Viertens: Tabak wird in großem Stil von den Vietnamesischen Familien aus Russland und der Ukraine nach Deutschland geschmuggelt, wer wird wohl den Alk dann schmuggeln?

  5. Fedel, du schreibst: “also wie wir ja nun wissen, nutzt das gar nichts
    Woher wissen wir das denn?

    Außerdem gibt es in D doch schon eine Alkoholsteuer, nur eine mit seltsamen Sonderregelungen für unterschiedliche Getränke.

    Zu 1. Legal und illegal selbst brennen sind zwei paar Schuhe. Auch in Schweden ist beides am Abnehmen, trotz der hohen Steuer.

    Zu 2. Gutes Argument dafür, die Steuer wie vorgeschlagen allein auf dem Alkoholgrad zu basieren. Drogenmafia wegen etwas teurerem Alkohol? Ist das dein Ernst?

    Zu 3. Stimmt nicht. Auch wenn man Schwarzbrennerei mit einrechnet trinken Schweden weniger als Deutsche. Alkoholbedingte Krankheiten sind in S weniger als in D.

    Zu 4. Gegen Schmuggel kann man etwas tun. Tut Schweden auch, warum sollte D das nicht auch können? Und dass der Schmuggel nach D so viel mehr würde wegen höherer Steuer, ist auch nicht belegt.

    Als die Schweden plötzlich große Mengen aus den EU-Nachbarn einführen durften, haben das viele gemacht, aber auch das ist abgeebbt. Außerdem reden wir ja nicht von einer Prohibition sondern nur von einer Verteuerung. Die Erfahrung und Statistiken belegen, dass es funktioniert, auch wenn du das nicht glaubst. Hast du ein paar Belege für deine Ansicht?

    Ein paar der Aspekte hatten wir schon ausführlicher in früheren Artikeln. Kannst ja noch mal unter dem Schlagwort Alkohol stöbern. :)

  6. zu 4.) Weil das Geld kostet, das keiner hat und weil sowas in einem grenzenlosen Europa praktisch eh nicht mehr durchführbar ist, wie wir an der Zigarettenmafia sehen (die übrigens völlig öffentlich überall in der Stadt ihre Ware anbietet.
    Das Bsp. allein zeigt schon, das Verteuerung nichts bringt außer Verlagerung des Handels ins Kriminelle. Man hatte mit der Erhöhung der Tabaksteuer den gleichen Effekt erzielen wollen. Die Ergebnisse waren marginar und noch immer ist die Zahl der regelmäßigen Raucher unter den Mädchen unter 18 stetig steigend von Jahr zu Jahr. Die Statistiken dazu kann man sicherlich auch im i-net finden. Aber naja, was sagen schon Stats im sozialen Sektor aus.^^

    zu 2.)
    Klar ist das mein ernst, mein bitterer sogar … in welcher Welt lebt ihr denn, wenn ihr das ernsthaft bezweifelt?
    Wobei, zugegeben, der Mafia bedarf es kaum noch – vor 20 Jahren, wo ich anfing, mich mit der Materie Jugendfreizeitkultur ernsthaft zu beschäftigen, wo die Technokultur gerade auf ihrem Höhepunkt ankam, war das noch anders – heute erhält man ein gut Teil der momentanen in-Drogen, die so auf den gängigen Partys konsumiert werden, ganz legal im i-net.
    Die einfuhr nach D ist zwar fast immer illegal, aber wer kann jedes Postpaket kontrollieren; und für andere Länder gelten eigene Einfuhrverbote; ‘spice’ bsw. (eine THC haltige Substanz) ist in S absolut legal. DXM (Dextromethorphan – ein Hustenmittel) gibt’s weltweit in jeder Apotheke … die Kombi mit Spice oder Alkohol ist eine derzeit üblichsten Partygeschichten und leider auch immer mal wieder in Verbindung mit KH und Leichenhalle.

    Salvia divinorum (eine Salbaiart mit einem der stärksten Haluzinogene der Natur) gibts spätestens in Holland legal als Pflanze oder fertiges Präparat zu kaufen, kann man auf dem Balkon ziehen.
    Das i-net ist voll von Anleitungen zum Aufkonzentrieren der getrockneten Pflanzenmasse und in youtube kann man sich dann die Wirkung in diversen Videos ansehen, die experimentierfreudige Kidds eingestellt haben.

    Was das schöne und zugleich erschreckende an der Sache ist, ich, wo ich tagtäglich seit über 20 Jahren mit Jugendlichen hier in der Stadt zu tun haben, wo ich mit offenen Augen ihr Tagwerk begleiten, ihnen zu höre und wo auch aufgrund des mühsam aufgebauten Vertrauens, Dinge erzählt werden, die sonst niemand zu hören bekommt, wo man sich ungezwungen gibt, wenn man mal auf ner Party aufschlägt oder einfach nur so mal mit ihnen rede, hab wenigstens noch ein ungefähres Bild vom Alltag an den Schulen, den Problemen und Nöten daheim oder mit dem Freund / der Freundin und dem typischen Partygeschehen.

    Und wenn ich dann sone Artikel lese, denk ich immer, netter Versuch. Aber man, Leute, seid ihr naiv und weltfremd. Die Probleme, die ihr seht, sind nicht mal die Spitze vom Eisberg. Und klar die Steuer auf Alkopops hat den Markt zusammenbrechen lassen, das weiß ja nun jedes Kind heuzutage, aber am Drogen-Konsumverhalten der Jugend hat sich überhaupt nichts geändert, es hat sich nur verlagert. Warum?

    Weil der Aktionismus an den Ursachen unveränderter Dinge vorüberzog.

    Und darüberhinaus kann ich eines versichern.
    Wenn die Kohle für den Alk oder die drugs nicht reicht, dann greift man eben in Papis Brieftasche oder bettelt Oma an oder klaut einfach, ziht Jacken und Handy ab, erpresst Taschengeld oder schickt die Klassenkameradin anschaffen. Vor nem halben Jahr sind drei der Jungs (16 und 17 Jahre), die ich bis dato nur flüchtig kannte, vor den Jugendrichter gekommen, weil sie ne Tankstelle überfallen haben, für nen paar Zigaretten und Schnaps und naja, wo man schon bei war, die Tageskasse. Die glaubten echt, sie kommen damit durch. Zum Glück ist nichts passiert … aber … zum großen Unglück, ist dann auch nichts passiert. kopfschüttel Ein bischen “Du Du” vom Richter und Sozialauflage zur Wiedergutmachung. Die haben sich ausgeschüttet vor Lachen über die Naivität der Justiz, als sie das erzählten.

    Weißt Du, mit Statistiken kann man alles schönreden, aber die bilden halt nur ab, was man erfährt. Und ich kann dir versichern, was D anbelangt und vor allem Bln. und Brandenburg … da erfährt man nicht mal die Hälfte von dem was ‘abgeht’.

    Letztens sind wir mit einer Mitarbeiterin des Jugendamtes durch den hiesigen Park gegangen und da bleibt sie doch plötzlich stehen und deutet auf die Wiese und meinte “Sehen sie mal, wie nett das ist, die Jungs da sitzen nach der Schule noch im Park auf der Wiese und treiben sich nicht auf der Straße rum.”; worauf meine Kollegin nur lakonisch meinte “Ja, das tun sie jeden Tag, wenn das Wetter schön ist und sie was zum Kiffen haben”.

    Ich meine, wie naiv kann man sein? Wann wachen die endlich auf? Wann hört mal einer zu? Hallo …?!

    Im Grunde habt ihr ja Recht. Ja, wir haben ein Problem, schön das wir uns da einig sind.
    Aber das heißt nicht, “Treppensaufen” oder “Eimer rauchen” oder “Schneewittchen-Party” oder “Komatrinken” und auch nicht “300 gewinnt”.

    Das Problem ist nicht, das das durchschnittliche Einstiegsalter für Cannabis derzeit bereits bei 9-10 Jahren liegt, – ja ich weiß, das ist Grundschule – für den ersten Geschlechtsverkehr ist es nur unwesendlich höher und liegt bei 11 – 12.
    Das Problem ist, das sich niemand kümmert, das niemand zuhört, das keiner da ist, wenn sie mal jemanden zum Reden brauchen. Das es immer nur heißt, “Du mußt aber noch besser” und fast nie “Du hast das gut gemacht, wir sind stolz auf dich” oder “hey, wo drückt der Schuh?. Das Problem ist, das sie ertrinken, aber nicht am Alkohol sondern an überzogenen Anforderungen, an zu hohen Leistungserwartungen, das sie einem täglichen künstlichen Ideal nachzueifern sich gezwungen sehen, das die Erwachsenenwelt ihnen schuf und das sie fast nie sie selbst sein läßt. Das man ihnen keine Zukunftsaussichten schafft, das man ihnen ständig erzählt, sie sind nciht gut genug, haben nicht die Leistungen, nicht das Wissen udn nciht die Fähigkeiten, die sie bräuchten um die Ausbildung zu bekommen, den Job antreten zu dürfen oder die weiterführende Schule zu besuchen.

    Das Problem ist, das sie Euch nie genügen, so wie sie nun mal sind, mit ihren Fehlern, unvollkommen, unsicher und unstetig – jugendlich eben.

    Ihr wollt das Alkohol und Drogenproblem der Kidds in den Griff bekommen, ihr wollt das sie nicht schon mit 10 wahllos auf der Schultoiletten vergewaltigt werden und sich im Leben nicht trauen den Mund auf zu machen, weil ihr sie nicht schützen könnt vor den ebenfalls minderjährigen Tätern, mit denen sie täglich in eine Klasse gehen müssen?

    Dann beseitigt die Ursachen dafür und doktort nicht immer nur an den Symptomen rum.

    Kümmert Euch endlich und hört auf zu reglementieren!

    LG Fedelm

  7. Oha. Zuallererst: Ich stimme dir in vielem zu, und natürlich ist es bestürzend, was so alles “abgeht”. Gegen “mehr kümmern” und weniger wegschauen kann man kaum etwas sagen. Auch was die irrsinnige Fixierung auf “Leistung” angeht, brauchst du mich nicht zu überzeugen.

    Trotzdem ein paar Widerworte: Ohne dass das deine Beispiele weniger erschütternd macht, belegen sie im Zusammenhang mit der vorgeschlagenen Alkoholsteuererhöhung nichts, schließlich ist sie in D ja noch nicht durchgeführt. Wenn es, was Drogen angeht, in S viel schlimmer aussähe, hättest du vielleicht ein Argument; tut es aber meines Wissens nicht.

    Wäre denn nach deinem Argument alles besser, wenn man die Alkoholsteuer abschafft und Alkohol noch billiger macht? Ich finde es ziemlich offensichtlich, dass dann mehr getrunken würde.

    Natürlich ist es grausam, nur auf die Statistik und nicht auf die Einzelfälle zu sehen, aber es gibt viel mehr Menschen abseits der Extreme, die du beschreibst. Und die trinken auch. Eine Alkoholsteuer kann nur für alle gleich sein, deshalb ist es völlig richtig, sie an den statistischen Erfahrungen auszurichten.

    Das widerspricht in keiner Weise deiner Forderung, den Menschen mehr Beistand zu geben und Missbrauch auf andere Weisen zu verhindern zu versuchen.

  8. Ich hab dazu noch was gefunden .. na zugegeben schon 2 Jahre alt die Umfrage aber so schnell ändern sich Gewohnheiten ja nicht … wurde damals im Zusammenhang mit dem Drogenbericht 2007 ebenfalls im Spon veröffentlicht.

    http://www.spiegel.de/img/0,1020,824580,00.jpg – Die sehr Grafiklastige Umfrage ist in der Photostrecke veröffentlicht, daher die seltsame .jpg-bilddatei

  9. ups, das war wohl doch nicht korrekt … hier das sollte gehen ;-)

    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-20115.html

  10. Ja, dass die schwedische Antwort auf die Frage “An einem Tag, an dem Sie Bier, Wein oder Spirituosen zu sich nehmen – wieviel trinken Sie gewöhnlich?” (das zweite Bild also) höher ausfällt als die der Deutschen, passt ins “klassische” Trinkverhalten, das ganz verallgemeinert so aussieht: Man trink eher selten (einen Tag in der Woche), aber dann viel, während in D eher das tägliche Bier üblich ist.

    Die Frage ist also insofern leicht irreführend, dass sie nur zusammen mit der Anzahl der Tagen, an denen getrunken wird, auch aussagekräftig ist. In absoluten Zahlen trinken Schweden weniger als Deutsche.

Kommentieren

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Mögliche Formatierungen im Kommentar anstatt HTML: "Linktext":http://url/, _kursiv_, *fett*, mehr.