Studiengebühren für Nichteuropäer

Die schwedische Regierung will Studiengebühren einführen. Nicht für Schweden, auch nicht für andere Europäer (das würde gegen das Prinzip der Freizügigkeit innerhalb der EU verstoßen), sondern für den Rest der Welt. Das Argument ist simpel: “Dass Schwedische Steuerzahler die Ausbildung ausländischer Studenten bezahlen, sei nicht angemessen.” Um die 7000 Euro pro Jahr sind im Gespräch, aber die Hochschulen sollen selbst entscheiden können.

Argumente dagegen, schwedische Unis mit Gebühren weniger attraktiv für Ausländische Studierende zu machen, sind schnell zu finden und wiegen meiner Meinung nach schwer. Zum einen werden technische und naturwissenschaftliche Fakultäten darunter zu leiden haben, weil das Interesse (und das Schulwissen) der Schweden diesbezüglich sehr zu wünschen übrig lassen und der Betrieb nur mithilfe des Studentenimports funktioniert. Sinkende Studentenzahlen werden den Unis mehr Geld wegnehmen als sie durch die Gebühren bekommen. Zum anderen fördern die geknüpften Kontakte das Bild von Schweden in der Welt und begünstigen Wirtschaft und Politik. Und manch hochqualifizierter Ausländer bleibt in Schweden hängen und füllt Lücken in Mangelberufen.

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  1. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus muss ich da etwas widersprechen.

    Ich habe meinen Master an der KTH gemacht. Unter den Masterstudenten sind Schweden nicht nur eine Minderheit, sondern eine Splittergruppe. Die mit Abstand größten Anteile haben (bzw. hatten früher) China, Pakistan und Indien. Von diesen Studenten hat nur ein kleiner Bruchteil die Absicht, in Schweden zu bleiben. Sie kommen in erster Linie hierher, weil sie damit ein Studium auf Englisch und Prestige zu bezahlbaren Kosten bekommen, was in den USA oder Großbritannien deutlich teurer wäre. Daher ist es auch kein Wunder, dass sie kein schwedisch (also ich meine überhaupt kein) lernen und praktisch ohne Kontakt zu Schweden leben.

    Im Sinne der Völkerverständigung etc. mag man dies noch als Investition sehen, aber ich halte den effektiven Nutzen für Schweden für zweifelhaft.

  2. Diese wachsweichen Argumente wiegen natürlich schwer im Gegensatz zum Wissens-, Technologie- und geldwerten Transfer zuungunsten des schwedischen Steuerzahlers. Des weiteren grenzen sich genau diese nichteuropäischen Studenten am meisten ab, bleiben unter sich, lernen weder Sprache noch Land und Leute kennen und beschweren sich ständig über ungerechte und diskriminierende Behandlung in Schweden. Wie sollen dabei irgendwelche unbezahlbaren Kontakte zustande kommen?

  3. Dem kann ich auch nur zustimmen Fabian und würde mir ähnliches für D auch wünschen, schließlich kostet das das Volk wirklich immens viel Geld und warum sollte man das anderen Staaten in den Rachen werfen.

    Außerdem gibt es auch für ausländische Studenten die Möglichkeit das über Stipendien zu finanzieren, wenn sie denn gut genug sind, solche zu bekommen, so dass die Sache gar nicht so schlimm sein sollte.

    LG Fedelm

  4. Mikael: Da generalisierst du aber sehr. Selbst schlechte Erfahrungen gemacht?

    Alle: Offenheit und eine generell willkommenheißende Einstellung zahlen sich immer aus. Sich einschließen und “die anderen” zu benachteiligen fördert “wir gegen die”-Denken und macht ein Land auf Dauer sehr unsympathisch. Natürlich wird mit diesen Gebühren nicht die Welt untergehen, aber es riecht schon sehr danach, dass man da fremdenfeindlichen Strömungen nachgibt (Ausländer nutzen unseren schönen reichen Staat aus, bla bla), um keine Wähler an die Schwedendemokraten zu verlieren.

  5. Vielleicht ist dem so, vielleicht auch nicht … Mutmaßen kann man viel, meiner Erfahrung nach sind es aber meist sehr profane Gründe, die zu solchen politischen Entscheidungen führen, wie z.B. leere Staatssäckel und Universitäten, die nicht gerade sehr ökonomisch arbeiten. ^^

  6. So einen Schritt kann man aus viele Blickwinkeln plausibel begründen. Leere Staatskassen oder auch den Versuch die Einwaderung besser zu kontrollieren und damit so manchen Problemen entgegen zu kommen.

  7. Dass ein Land wie Schweden Studiengebühren einführt, ist erschreckend. Aus ökonomischen Gründen allein hat die Regierung Reinfeldt diesen Schritt sicher nicht unternommen. Da bedient man ganz klar “seine” Wähler mit “Schweden den Schweden”-Rhetorik bzw. Maßnahmen. Dabei ist Schweden ein Land, das bisher stets bemüht war, allen Bevölkerungsschichten Bildung und Studium zu ermöglichen (aus meinen Erfahrungen würde ich sagen, dass wesentlich mehr Migrantenkinder in Schweden studieren als in Deutschland).

    Jetzt eine Studiengebühr einzuführen, die nur für Nicht-EU-Bürger gilt, ist diskriminierend. Ob die ausländischen Studenten (sind ja meist männlich) danach in Schweden bleiben oder nicht, ist für mich auch nicht die entscheidende Frage. Sie kommen z.T. ja aus eher labilen Demokratien, da ist es sicher nicht hinderlich, wenn sie eine Weile in einer gefestigten Demokratie bzw. einem toleranten Land wie Schweden leben.

    Wenn man Studiengebühren einführt, dann für alle. Und nicht gleich so hoch. Außerdem darf es ja nicht nur den absoluten Überfliegern möglich sein, mittels eines Stipendiums im Ausland zu studieren.

  8. Ich wüsste nicht, welches Problem Schweden mit verstärktem Nationalismus haben sollte. Ist doch legitim sowas so zu steuern, wie es den nationalen Interessen entgegenkommt. Deutschland könnte sich sowas nicht leisten, da würde das Land den Nazi-Stempel wieder zurückkriegen, den es nur ganz schwer wieder loswerden würde. Es war ja schon ein riesen Akt mit der Wiedervereinigung, weil z.B. Frankreich vor noch einem stärkteren Deutschland Angst hatte als zu Hitlers Zeiten.

    Ich will nicht bewusst dahin abgleiten, dass man bestimmten Kulturen den Zugang zum System erschweren will, aber es gibt eine Menge Schweden, die das Problem diverser Ausschreitung der letzten Jahre nunmal damit verbinden.

    Hat Schweden wirklich so einen großen wirtschaftlichen Nutzen von diesen Studenten?

  9. @Jonas: “Hat Schweden wirklich so einen großen wirtschaftlichen Nutzen von diesen Studenten?” – Nö, hat es mit Sicherheit nicht! Die kosten in erster Linie, darum ja die Regelung.

    D könnte sich das schon leisten, die sind hier nur zu blöde und denken, sie kommen billiger, wenn sie Ausländer anlocken, als wenn sie ihre eigene Kinder bevorzugen. Das ist immer noch die Masche “indische Informatiker” sind billiger als deutsche auszubilden.

    @Kristina: “Aus ökonomischen Gründen allein hat die Regierung Reinfeldt diesen Schritt sicher nicht unternommen.” – Woher willst Du das wissen? Das ist doch nur ein Vorurteil …

    “Dabei ist Schweden ein Land, das bisher stets bemüht war, allen Bevölkerungsschichten Bildung und Studium zu ermöglichen” – Ist es ja immer noch und damit das auch so bleiben kann, diese Regelung. Denn wer Schwede ist, muß ja nicht zahlen, es geht ja nur um nicht europäische Ausländer!

    ”...dass wesentlich mehr Migrantenkinder in Schweden studieren als…” – ähm es geht wohl weniger um Migranten sondern um Ausladsstudenten, die ausschließlich zum studieren nach S kommen.

  10. “D könnte sich das schon leisten, die sind hier nur zu blöde und denken, sie kommen billiger, wenn sie Ausländer anlocken, als wenn sie ihre eigene Kinder bevorzugen. Das ist immer noch die Masche "indische Informatiker” sind billiger als deutsche auszubilden.”

    Was ist das denn bitte für eine Argumentation bitteschön? Die Bedingungen für die deutsche Green Card sind so mies, dass kaum ein Inder das überhaupt wahrnehmen möchte. Auch ist D neben Österreich das einzige Land in der EU, das Bürger der neuen EU-Länder in der Freizügigkeit noch behindert. Deutschland lebt da im Kleinen noch das alte Dogma vom “Zuwanderungs- aber nicht Einwanderungsland” aus und schadet sich nur selbst damit.

    Was Schweden angeht: den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit an die Regierung halte ich für überzogen. Erst letzten Dezember trat eine neue Regelung in kraft, die Ausländern erheblich erleichtert, nach Schweden zu kommen. Sie besagt grob: wenn die Stelle ausgeschrieben war und der Bewerber eine Zusage hat, kann er kommen. So liberal handhaben das wohl die wenigsten Länder.

    Man sollte sich in der Studentenfrage vergegenwärtigen, was Schweden da anbietet: Masterabschlüsse auf englisch (!) an renommierten Hochschulen zum annähernden Nulltarif.

    Das bekommen sie woanders nicht, weil entweder nicht auf englisch oder nicht zum Nulltarif. Schweden verschenkt also letztendlich etwas, für das man woanders teuer bezahlen muss.

    There is no such thing as a free lunch – wer sich so unter Wert verkauft, wird auch ausgenutzt, und das wird letzten Endes auch die Hauptmotivation für die Gebühren sein.

    Über die Höhe der Gebühren kann man sich allerdings streiten – in Oxford zahlt man rund 3500 € im Jahr, und ich finde, Schweden sollte das nicht überbieten, denn an diesen großen Namen reicht keine schwedische Hochschule heran.

  11. Was ist eine greencard?
    Naja, egal, jedenfalls sind wohl vor allem die lächerlich niedrigen Löhne der Grund dafür das hier keiner her will.

    Und eben, ja, es ist lächerlich, was D da anstellt … das sollte diese Argumentationsart ja zeigen. Diese Bananenrepublik hier, in der wir leben, hat ja noch nicht mal ‘nen international anerkannten Masterabschluß fertig gebracht, geschweige denn Studienbedingungen, die einheimische Kinder bevorzugen. Da können die Schweden aus deutscher Sicht ja richtig froh sein, dass sie über diese Problematik überhaupt streiten können. Weil das ja nur zeigt, dass sie es im Grunde ja eigentl. richtig machen, da sie ja wohl solche Studenten überhaupt haben.

    Das mit den engl. Abschlüssen ist allerdings für S ein Problem, dass sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren ändern wird. Siehe Diskussion um Schutz und Förderung der schwedischen Sprache. Man hat ja jetzt sogar schon ein Gesetz deswegen. Und gerade die Wissenschaft spielt ja in dieser Sache eine eher unrühmlich Rolle, wenn man der Presse glauben kann.

    Denn es mag zwar sein, dass es zwar für die Ausländer nett ist in S auf engl. studieren zu können, für die schwedische Kultur und Sprache ist jedoch eher eine Katastrophe. Von daher erwarte ich da eigentlich eher einen Sinneswandel in den kommenden Jahren.

    LG

  12. Eine Green Card ist eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Wir reden hier nicht von Friseuren, die sich für 3,50 € die Stunde hinstellen, sondern von hochqualifizierten Leuten mit Spitzenlöhnen. Die Bezahlung ist nicht das Problem. Die kommen nicht nach Deutschland, weil man ihnen jenseits der Anstellung keine Perspektive gibt, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können.

    Das, was du da über Deutschland schreibst, ist simpel gesagt Unsinn.
    Deutsche Studienabschlusse sind in bestimmten Bereichen hoch angesehen. Europäische Masterabschlüsse werden mittlerweile regulär ausgegeben und sind natürlich auch europaweit anerkannt. Deutschland ist kein uninteressanter Hochschulstandort, bietet aber nicht den Luxus eines komplett englischsprachigen Lehrbetriebs.

    Das angesprochene Gesetz ist sehr allgemein gehalten. Weder sind hierdurch Restriktionen in Forschung und Lehre zu befürchten noch ein Sprachkorsett wie beispielsweise in Frankreich. Die schwedische Kultur wird dadurch bestimmt nicht gefährdet. Als einzigen Nachteil sehe ich da, dass man ausländische Studenten damit geradezu auffordert, die Sprache nicht zu lernen.

  13. Greencard in der deutschen IT heißt, dass man 5 Jahre bleiben darf und dann wieder zurück muss. Welcher rational denkende hochqualifizierte Inder fliegt mal eben mit seinem Hab und Gut tausende km in eine völlig neue Kultur, völlig anderes Klima um dann wieder zurück zu müssen? Dann können die auch gleich ihr eigenes Land aufbauen. Nur weil Indien zu größten Teilen noch ein dritte-Welt Land ist, sollten die Deutschen sie nicht für Trottel halten. Es gibt hier und da Inder, die kommen, um Auslandserfahrung sammeln, aber ich glaube, mehr ist da nicht.

    Und was ich bisher an Meinungen in der DN gelesen haben, von non-EU Studenten: die wollen in Schweden studieren, wenn möglich noch etwas arbeiten, aber dann definitiv wieder zurück in ihre Heimat. Es ist ja nicht jeder so gestrickt, dass er alle Zelte und Familie/Freunde-Verbindungen über eine so große Distanz hinter sich lässt.
    Die Deutschen sind ja noch eher arbeitsbetont, die Schweden schon mehr in Richtung Familie/Freunde gepolt und es gibt ganz viele Kulturen und Nationalitäten, für die ist Arbeit genau eines: ein notwendiges Übel, um über die Runden zu kommen.

    Es ist leichter in Schweden nebenbei zu studieren, während man arbeitet. Aber ich finde die Qualität Deutscher Studienabschlüsse oft besser als die der Schwedischen.

    Die schwedische Sprache wird so schnell nicht aussterben, wenn man bedenkt, dass man ohne Sprachkenntnisse kaum eine Arbeit findet.

    Dass die Hochschulsprache in Schweden oft Englisch ist kommt denke ich daher, dass wenn man sich international mitteilen will es kaum auf Schwedisch machen kann. Und es ist schlicht umkomplizierter wenn man nicht zwischen einer Außersprache Englisch und einer Innersprache Schwedisch switchen muss.

    Und zu guter letzt: die Wirtschaftskrise zwingt auch die Schweden wirtschaftlicher zu denken und zu handeln als früher.

    Wenn manche Hochschulen aus Platzmangel schon die eigenen Landsleute nicht mehr aufnehmen können und diese bis zur nächstmöglichen Einschreibung schauen müssen wo sie bleiben, dann könnte man ja durchaus daran denken, den Zugangsstrom zu filtern.

    Vielleicht brauchen wir mal wirklich eine Statistik, die sagt, wieviele non-EU Studenten die Hochschulen versorgen.

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