Während die deutsche Presse eher überrascht (wenngleich natürlich positiv) auf die Nachricht des Literaturnobelpreises für Herta Müller reagiert hat, scheint die schwedische sehr vorbereitet gewesen zu sein. Schon am Morgen vor der Bekanntgabe hatte Dagens Nyheter die Preisträgerin auf der Titelseite und im Kulturteil eine lange Würdigung und Argumentation, warum sie eine gute Kandidatin ist. Heute dementierte man zwar und schrieb, dass man lediglich gut gerate habe, aber etwas suspekt ist es schon. Auch dass offensichtlich die Hintergrundartikel auf dn.se nur noch freigegeben werden brauchten und dass DN’s Deutschlandkorrespondent der erste bei Herta Müllers Wohnung in Berlin war.
Und dann heute morgen: Ich las im Zug über die Schulter des Sitznachbarn die Schlagzeile, dass Obama den Friedensnobelpreis bekommen könnte. Was er dann prompt auch tat. Ganz geheuer finde ich das nicht und in Anbetracht dessen, was dieses Vorabwissen für die Medien wert ist, finde ich es nicht abwegig, dass ein Interner sich etwas Geld “dazuverdient” und plaudert.
Schlagworte: Deutschland, Medien, News, Nobel, Seltsam
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Interessant und traurig zu hören, dass es scheinbar Lücken im Komitee gibt. Den Nobelpreis hat ja eigentlich immer ausgezeichnet, dass gerade nichts vorher nach außen gedrungen ist. Die Entscheidungen übrigens (mal wieder) sehr überraschend. Als Germanistin muss ich zugeben, noch nichts von Herta Müller gelesen zu haben. Interessante Biographie und wichtige Themen zweifellos.
Und Obama? Der Mann ist noch nicht mal ein Jahr im Amt. Er mag ja in großen Teilen der Welt für Hoffnung sorgen, aber das alleine qualifziert doch noch nicht dazu, einen so wichtigen Preis zu bekommen.
Glaube nicht, dass sie ihm dadurch einen Gefallen getan haben. -
Die DN hat heute morgen ja hoch und heilig beteuert, dass das beim Litertaurpreis nur gut geraten war. Die Pressekonferenz war aber schon etwas obskur, als Expressen schon das Titelblatt mit der Gewinnerin zeigte. Immerhin gehörden die beiden zum selben Verein – und die Tipps der letzten Jahre waren in meiner Erinnerung zumeist weit daneben.
Beim Friedenspreis würde ich aber nicht viel auf das Käseblatt Metro geben. Die leiten das allen Ernstes daraus ab, dass am Tag nach der Nobelpreisverleihung eine Galakonzert mit vielen Künstlern aus Obamas Umfeld stattfindet. Das ist nun wirklich etwas albern, weil für derart weit gediehene Planungen ja schon seit Monaten hätte feststehen müssen, wer gewinnt. Das kann wiederum nicht sein, denn das vom Komitee gewürdigte Bekenntnis zu einer atomwaffenfreie Welt gab Obama erst im September ab, soweit ich weiß.
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Gab es nicht erst vor einigen Monaten einen möglichen Skandal um mögliche wirtschaftliche Interessen (verquickung) hinter dem Nobelpreis für Chemie?
Nobel (adjektiv) war das jedenfalls nicht zu lesen.
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hej hej
also das der N-Preis als politisches Instrument mißbraucht wird, ist doch nun wirklich nichts neues. Nur das Ausmaß dessen, dass man inzwischen versucht damit zu erreichen, erschreckt inzwischen schon ein wenig.
Obama den FNP zu geben, grenzt schon an Perversionen, die ich sonst nur aus Geschichten des 3.Reiches kenne!
Dieser Präsident hat nichts getan, dass dies rechtfertigen würde; im Gegenteil sogar. Doch so ist das, wenn Krieg Frieden wird, wenn sich eine Welt auf den Kopf stellt und wenn Menschen in ihr aufhören selbstständig zu denken, wenn sie willfährig glauben, was man ihnen vordergründig für ihren ruhigen Schlaf servieren möchte …Doch heißt es nicht schon seit Jahrhunderten in Kreisen der mächtigen “Das Volk?! Das Volk ist dumm und einfältig; gib ihnen Brosamen und es singt dein Lied!”? Ekelerregend nur ist es, sehen zu müssen, dass nicht einmal mehr der heiligste Hort der Wissenschaften sich seine Unabhängigkeit und Freiheit hat in dieser Welt bewahren können. Und das entgegen besseren Wissens …
Aber so ist es, wenn Krieg zu Frieden wird, wenn sich eine Welt auf den Kopf stellt, wenn man Folter und präventive Atomschläge zu legitimen Mitteln in der präventiven Abwehr möglicher Bedrohungen erklärt, wenn zivile menschliche Opfer als “nächster Schritt in Richtung befriedete Welt” dargestellt werden, wenn Nuklearwaffeneinsatz als “für die innewohnende Zivilbevölkerung als unschädlich” dargestellt wird, wenn Menschen aufhören zu erkennen, was gerecht ist, was richtig ist, was falsch, wenn alternative Meinungen als Häresie gelten, wenn Lüge zu Wahrheit wird!
LG
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“LG” = Lieben Gruß?
Ich finde es schon befremdlich, dass viele Leute sowas dermaßen oft, automatisch und selbstverständlich schreiben. Unter Blogbeiträge, Forenbeiträge, mails, etc. -
AFAIK soll es wirklich “liebe Grüße” heißen. Aber warum findest Du das befremdlich?
Ist doch eine nette Gewohnheit und außerdem ist es ein sehr alter Teil der Netzkultur, freundlich und vertraut miteinander umzugehen FTW.
Darum duzt man sich ja auch wie selbstverständlich in e-mails, Boards und so weiter.
VLG an alle
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Schade, dass die “liebe” ein so öffentlicher (wegwerf)Gegenstand geworden ist. Geht einem jemand nach einiger Zeit auf den Keks, ist´s ganz schnell aus mit der “liebe” und somit wird die Bedeutung dieses Wortes ad absurdum geführt – die Netzkultur ist lockerer, ja…
“liebe” ist etwas persönliches, aber wenn man sich ausschließlich aus dem Netz kennt, fehlt ein riesiger Teil der Persönlichkeit: Mimik, Gestik, Wirkung, langes persönliches Aufbauen von Beziehungen, etc.
Deshalb finde ich sowas befremdlich. Habe ich jetzt deswegen veraltete Ansichten oder bin gar konservativ (was wäre denn daran pauschal schlimm) ?
Driftet zwar weit vom Ausgangsthema ab, passt aber in einem übergeordneten Kontext doch rein.
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Öhm … ich will ja nicht Haare spalten … ABER
... um “die Liebe” ging es hier wohl nicht.
“Liebe Grüße” hat was mit “man grüßt jemanden auf eine liebe Art und Weise” zu tun und nichts damit, dass man denjenigen “lieben” würde.
Der Ausdruck “liebe Grüße” ist nichts weiter, als ein Äquivalent zu “freundliche Grüße”.(Ist so, wie bei kleinen Kindern, da sagt man es ja auch: Wenn sie freundlich sind, sind sie lieb ^^)
cu
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Ich würde in Geschäftskorrespondenz nicht “liebe Grüße” verwenden…
Deine Begründung “man grüßt jemanden auf eine liebe Art und Weise” ist eine Steilvorlage für meine Ausführungen, nämlich dass es etwas privates ist. Das Netz ist es nicht.
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Ach Jonas, Du kannst natürlich noch 10 mal das Bezugssystem wechseln, um deine Argumentation zu untermauern, deshalb wird sie aber nicht richtiger oder falscher.
Fakt ist IMHO, es ist eine subjektive Sache der Ansicht, was Menschen als angemessen oder unangemessen betrachten.
Wenn Du bsw. in Geschäftsbriefen nicht liebe Grüße drunter schreiben möchtest, dann tue es einfach nicht und niemand wird sich daran stören. Ich könnte mir aber trotzdem auch ebensogut vorstellen, dass es nicht zwangsweise abwegig sein muß, es doch zu tun. Und es werden sich mit Sicherheit auch dann viele nicht daran stören (irritieren vielleicht kurz ja, aber langfristig stören wohl eher nicht – es sei denn du bist evtl. in einer Bank ‘gg’).Und wenn du meinst, für deine eigene Orientierungssicherheit oder wozu auch immer, eine Trennung zwischen privat und nicht privat zu brauchen, dann ist das auch okay! Und es ist auch okay, dass bsw. Du dich darüber wunderst, dass andere Menschen so etwas nicht brauchen oder zumindest diesbezüglich andere Grenzen haben, so wie hier gehabt.
Aber wir sollten nie im Umgang mit anderen vergessen, dass alles, was wir empfinden ausschließlich unsere privaten Gefühle sind.
Wenn das Netz also nichts ‘privates’ ist, wie du sagst, dann ist es das zuerst einmal nur für dich nicht so. Daraus aber das Postulat abzuleiten, dass es das generell nicht wäre, ist IMHO schlicht unzulässig.Ich weiß, dass das schwer zu verstehen ist. Aber wenn man versucht sich mal in die andere Sichtweise hinein zu versetzen und von dort aus den eigenen Standpunkt zu betrachten, dann versteht man vielleicht, dass es nur eine andere Ansicht von menschlichem Zusammenleben ist, die genauso funktionieren kann.
Ich persönlich kenne viele Menschen, die sich über Jahre nur über das i-net kannten, die sich die intimsten Dinge erzählten ohne den anderen zuvor wirklich gekannt zu haben und die sich virtuell auch regelmäßig um den Hals fielen, wenn sie sich über irgendwas in dem Anderen freuten. Und ich kenne nur wenige von diesen, die sich später im RL nicht auch so verstanden hätten, wenn sie sich dann mal wirklich trafen.
Auch kenne ich im RL Beispiele von Geschäftsleuten und Firmeninhabern, die (zugegeben alle recht jung) die eigenen Angestellten in dem vertrauten Ton von guten Bekannten und Freunden ansprachen, die ein kollegiales Miteinander führten, dass eher freundschaftlich/intim als geschäftlich war und ich kenne auch das genaue Gegenteil.Beide Modelle haben ihre Vor- und ihre Nachteile. Das ist ungefähr so, wie mit dem Duzen und Siezen in Schweden und Deutschland.
Wobei ich immer noch die Meinung vertrete, dass die Menschen sich weniger aggressiv und verletzend gegenüber anderen verhalten, wenn sie einen vertrauten Umgangston der Nähe untereinander pflegen, als wenn sie sich immer künstlich mittels “Sie” und andere distanzierenden Floskeln auf Abstand halten.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass es schwerer ist einen Menschen zu verletzten, zu dem man eine enge Beziehung aufgebaut hat. Enge Beziehungen haben aber auch immer die Eigenschaft, dass sie von einem selbst viel offenbaren, was meiner Ansicht nach leider zu viele Menschen vor allem hier in D verängstigt und dazu bringt, sich anderen gegenüber nicht zu öffnen. Welche Traumata da genau hinter stecken, weiß ich noch nicht, aber es deutet vieles darauf hin, dass es u.a. mit dem letzten Krieg zu tun hat.IMNSHO nach scheint es jedenfalls so, dass es einerseits zu beobachten ist, dass viele Menschen in D es eigentlich bedauern, immer auf Distanz und ohne diese warme Herzlichkeit anderer Länder (wie bsw. Schweden oder Russland) leben zu müssen, andererseits aber panische Angst davor haben, den ersten Schritt auf die anderen zu zu tun und sich liebevoll und freundschaftlich auch in der Sprache zu öffnen.
Und von daher finde ich es sogar gut, dass das Netz in seiner eigenen Kultur es erleichtert, Menschen wieder zu vertrauterem Umgang miteinander zu bringen, ohne sie aber dazu zu zwingen. (In Skandinavien wird man ja ziemlich schief angesehen, wenn man nicht wie selbstverständlich das Du benutzt.)
Es ist eben eine Chance, die die Netzkultur hier schafft; eine Kultur die noch dazu von der schon immer viel offeneren Jugend bestimmt wird. Und diese Chance besteht darin, das verlorene Vertrauen in den Mitmenschen, daß sich auch in der Distanziertheit der Sprache äußert und seine Ursache vor allem in der Isolation der Menschen in unserer Gesellschaft hat, langsam wieder zurück zu gewinnen.
Denn das Netz verbindet Menschen und Menschen die sich verbunden fühlen gehen gemeinhin auch vertrauter miteinander um; und das ist begrüßenswert, auch wenn es vielleicht für manche (weil es ungewohnt ist) noch schwer nachzuvollziehen ist.
So und noch genug des OT meinerseits …
cu und VLG an alle
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Sorry, aber den Text tue ich mir nicht an. Nur soviel: ich bleibe aber wenigstens bei einem “Login”-Namen. Also, bleibe doch auch bei deinem Bezugssystem. Ha det bra!
12 Kommentare
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