Zentrum und Christdemokraten raus, Schwedendemokraten rein?

Im September kommenden Jahres sind in Schweden wieder Wahlen und auch jetzt ist ein Blick auf die aktuellen Umfragen schon interessant. Es sieht nämlich so aus als hätte die derzeitige bürgerliche Regierung die Chance, wiedergewählt zu werden. Das wäre insofern historisch und ungewöhnlich, als dass nicht-sozialdemokratische Regierungen bisher immer nur ein kurzes Zwischenspiel waren.

Die Gründe sind wohl nicht zuletzt, dass es der Regierung geglückt ist, sich als gute “Krisenmanager” hinzustellen und dass Premierminister Reinfeldt als EU-Ratsvorsitzender eine gute Figur abgibt und Schweden für seine Leistung Anerkennung erntet. Dieser Bonus aus der Außenpolitik wird auch nächstes Jahr noch eine Rolle spielen und ist ein Feld, wo Oppositionsführerin Sahlin wenig dagegen halten kann.

Was Reinfeldt jedoch die Wiederwahl kosten könnte, sind seine kleineren Koalitionsparteien. Sowohl die Zentrumspartei als auch die Christdemokraten liegen laut obiger Umfrage nah an der Vier-Prozent-Hürde. Die schwedischen Grünen, die mit den Sozialdemokraten koalieren wollen, sind dagegen im Aufwind.

Gleiches gilt – zum großen Bedauern vieler – auch für die ausländerfeindlichen Schwedendemokraten, die mit guter Marginale zum ersten Mal in den Reichstag kämen, wenn die Umfrage Wahlergebnis würde. Tritt dieser Fall ein, ist es wahrscheinlich, dass weder der bürgerliche noch der rot-grüne Block eine eigene Mehrheit zur Regierungsbildung haben. Es gibt jedoch eine breite Ablehnung der Schwedendemokraten in den anderen Parteien, so dass es dann wohl eher auf eine Minderheitenregierung als auf Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen hinauslaufen wird.

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  1. Aber nach der Umfrage liegt das linke Lager doch vier Punkte vor den Bürgerlichen? Die Bürgerlichen werden sich doch kaum von SD stützen lassen, oder? Oder geht es um längerfristige Umfragetrends?

    Wegen der kleinen Parteien wird es sicher genügend taktische Wähler, die entweder den linken (Centerpartiet) oder den rechten (Kristdemokraterna) Rand des eigenen Lagers stützen werden, nehme ich an.

    Und wie geht es den Piraten?

  2. Ja.
    Wahrscheinlich nicht.
    Ja.
    :)

    Dass die Lager so nah beieinander sind, ist schon ein Misserfolg der Sozialdemokraten und ich meinte ja auch nur, dass eine Wiederwahl Reinfeldt nicht unmöglich ist. Dass es taktische Stütz-Stimmen für die kleinen Parteien des bürgerlichen Blocks geben wird, kann schon sein, ja.

    Die Piraten sind in den Umfragen im Vergleich zur Europawahl wieder zurückgefallen. Ihre Themen waren auch weniger in den Medien in letzter Zeit. Eine andere Umfrage hat sie dieser Tage bei 2,5% gesehen. Der Organisation geht es jedoch gut, man hat gerade den zweiten Platz im Europaparlament besetzt, wodurch auch Geld für Vollzeit-Kräfte ins Haus kommt, so dass man Wahlkampf nächstes Jahr sicher gut hinbekommt.

  3. Ja, diese Frau mit dem Pippi-Namen! Wirklich schwedisch und cool!

  4. Eine Alternative zur Minderheitsregierung ist natürlich auch die Aufweichung der beiden Blöcke, was ich gut fände. Ein Pseudo-Zweiparteiensystem braucht keiner. Link

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