Censilia löst Zensursula ab

Letztes Jahr fand Deutschland unter dem Schlagwort “Zensursula” die Debatte um die Einführung von Internet-Zensur “gegen Kinderpornografie” statt und der Konsens von allen, die sich eingehender mit dem Thema beschäftigt und keinen Grund haben, daraus politisches Kapital zu schlagen, war

  • dass die Sperren leicht zu umgehen sind,
  • dass sie den Tätern mehr helfen als den Opfern,
  • dass die Löschung der Seiten meist möglich und die “Sperrung” daher der schlechtere Weg ist,
  • dass die geheimen Listen schwer zu kontrollieren sind und in der Praxis immer auch legale Inhalte sperren,
  • dass Zensur-Infrastruktur eine hohe potentielle Gefahr darstellt, wenn sie erst einmal da ist.

(An wem das Thema vorübergegangen ist, der suche einfach nach “Zensursula”.)

Dieser Tage hat das Thema Netzsperren auf EU-Niveau einen neuen Aufguss erfahren, und zwar von der schwedischen Kommissarin Cecilia Malmström, die im wesentlichen den gleichen Vorschlag wie seinerzeit Ursula von der Leyen mit genausowenig fundierter Argumentation darlegte. Das brachte ihr in der für dieses Reizthema sensibilisierten deutschen Netzwelt innerhalb von Minuten den Spitznamen “Censilia” ein und die Aktiven machten sich trotz des verständlichen Frusts sofort an die Gegenargumentation. Kudos!

Bleibt zu hoffen, dass die Direktive im EU-Parlament hängen bleibt…

Mehr zu Censilia bei Netzpolitik und Twitter. Bei der schwedischen Piratenpartei scheint das alles bisher nicht angekommen zu sein.

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  1. Im Oktober stehen in Schweden die Wahlen an. In Deutschland war dieses Thema auch länger ein Thema.

  2. “Unwissenheit, Unsicherheit und alte Propaganda: EMMA-Unterstützung für Cecilia Malmström” – http://bit.ly/d41NrM

  3. Ich geb hier nochmal den Link zum Thema Zensursula auf SpOn:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,628017,00.html

    Gibt es auf EU-Ebene eigentlich auch eine Petition gegen diese Stoppschilder? Man kann ja wohl davon ausgehen, daß die Unterstützer der deutschen Petition auf EU-Ebene nicht plötzlich anderer Meinung sind.

    Um das auf jeden Fall klarzustellen: Ich bin absolut dafür, daß den Kinderschändern das Handwerk gelegt wird!
    Stoppschilder bringen aber gar nichts, was dagegen hilft ist:
    löschen, löschen, löschen….
    Schließlich geht das bei wirtschaftlichen und finanziellen Interessen auch, selbst wenn die Server nicht in Europa stehen.

    Nein, hier geht es allein um den Einstieg in die Überwachung!
    Und da gibt es nur eins: Währet den Anfängen!

    LG, Tiger

  4. Ups, es heißt natürlich: Wehret den Anfängen

  5. Kinderschänder ist nunmal etwas, womit jeder Mensch etwas anfangen kann. Und nur so kann man die Bevölkerung hinters Licht führen und mit diesem Vorwand eine größere Überwachung einführen.

    Allerdings…ich habe jetzt den Link von Technology Review nicht mehr…diese Überwachung des Netzes scheitert momentan selbst in ausgemachten Überwacherstaate aufgrund der Natur des Netzes: IP. Es ist ein verbindungsloses Verfahren. Krieg erstmal raus, wer wann mit wem, erst dann kannst du sie überwachen. Beim Telefon gibt es ja eine feste Leitung.

    Ich jedenfalls sehe das Grundprinzip der Funktionsweise des Internets als grundlegendes Hindernis für dieses Vorhaben.

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