Kölsch

Vor kurzem war ich in Köln. Abgesehen davon, dass es ungewohnt war, statt aus Familien- einmal aus Arbeitsgründen nach Deutschland zu kommen, fielen mir mindestens zwei Dinge auf. Zum einen geht da keiner bei Rot über die Straße. Ernsthaft. Man wird sogar dumm angeschaut, wenn man dem natürlichen Gefühl der Unsinnigkeit nachgibt, das sich einstellt, wenn man vor einer weit und breit leeren Straße steht. Dabei fand ich bisher, dass sich Schweden im großen und ganzen eher an Regeln halten als Deutsche.

Zum anderen war da natürlich das Kölsch. Als Beinahe-Bayer war ich selbstredend äußerst skeptisch gegenüber 0,2l-Gläschen. Doch spätestens nachdem mich unser Gastgeber in eine der älteren Braustuben mitnahm, wo einem der wortkarge bärbeißige Hühne von Wirt zwei Klösch hinstellt (welch feinmotorische Leistung!) bevor man sich seinen Platz am Tresen fertig ausgesucht, geschweige denn bestellt hat, und dann für stetigen Nachschub sorgt, war ich versöhnt und fand Kölsch sogar lecker. Was allerdings am schwedischen Folköl liegen mag.

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  1. Tja, rote Ampeln. In Deutschland herrscht halt strikte Einhaltung von roten Ampeln. Recht und Ordnung sozusagen. Sowas habe ich vor kurzem in Düsseldorf gemacht. Etwa 40 Leute haben mich dann völlig erstaunt angeschaut.
    Mein Kommentar zu meinem Kumpel, der artig stehen blieb: “Kommt doch keiner.”
    Kann es sein, dass den Schweden etwas mehr Selbstverantwortung anerzogen wird? Ich denke da auch an manche fehlende Absperrung in der Stockholmer Innenstadt an den Wasserflächen. Mit etwas Pech fällt man halt rein (wenn man betrunken ist und es schon dunkel ist).

  2. Als ich letztes Jahr Urlaub in Luleå machen wollte, meinte eine schwedische Freundin, dass die Leute da an roten Ampeln warten. Kaum angekommen, sah ich ein Gegenbeispiel, ihre Reaktion war, dass das wohl Stockholmer gewesen sein müßten.
    Eine andere Freundin war kürzlich in München und dort ist ihr auch das allzu korrekte Verhalten an Ampeln aufgefallen.
    Ich sehe aber auch in Stockholm regelmässig Leute an roten Ampeln stehen, obwohl die Strasse eigentlich frei ist. Am vernünftigsten ist es wohl, sich immer selbst ein Bild von der Verkehrssituation zu machen.

  3. Oder ist dieses Verhalten ein Indiz für einen Großstadtmenschen? Die Leute, die in Stockholm an roten Ampeln stehen, sind dann eventuell keine Großstadtmenschen. Ich stand anfangs auch artig an roten Ampeln, anfangs.

    Irgendwann, auch nachdem ich eingehender die Fahrweise von Radfahrern studiert habe, habe ich dein angesprochenes Vernunftsverhalten vieler anderer angenommen und setze es auch in D ein wo ich nur kann.

    Und solange man andere nicht gefährdet und / oder es den Verkehrswächtern nicht zu langweilig ist, muss man auch keine negativen Konsequenzen fürchten.

  4. Ja, vielleicht Großstadtmenschen. Andererseits ist Köln ja nicht so klein.
    Mein Bruder wollte als Jugendlicher über eine für Fußgänger grüne Ampel, an der schon PKWs warteten, gehen und wurde dabei von einem LKW überfahren.
    Apropos Radfahrer: Es wird ja immer mal wieder darüber berichtet, dass die sich so rücksichtslos verhielten und insbesondere den Götgatsbacken unsicher machten, der doch eigentlich eine gågata sei. Ich gehe da mindestens zweimal am Tag auf und ab und es gab noch nie eine gefährliche Situation.

  5. Ich wurde auch an einer für Fußgänger grünen Ampel in der Stockholmer Innenstadt fast von einem heranrasenden LKW überfahren. Er leitete 10 Meter vorher eine Vollbremsung ein. Die junge Frau mit Kind, die mir entgegenkamen, gingen trotz der heranrasenden Gefahr unbeeindruckt rüber. Ich wartete allerdings erst ab, bis der LKW tatsächlich stand. Also: Vernunftsdenken.
    Ich denke, das mit den rücksichtlosen Radfahrern ist eine zweiseitige Geschichte. Auf der einen Seite gibt es viele Radler, die tatsächlich fahren, als ob es sonst keine Verkehrsteilnehmer gäbe. Auf der anderen gibt es welche, die sich extra Warnwesten anziehen, um im dichten Autogetümmel nicht überfahren zu werden und an manchen stellen in der Innenstadt drängen sich die Autos dermaßen, dass bei Unfällen dann eher die Autofahrer schuld sind. Und, wie ich finde, fäht man in Deutschland immer noch regelkomformer, das heißt, für andere einschätzbarer.

    Und noch was zu über rote Ampeln gehen: wenn man sich wirklich an jede hält, kommt man seinen Erledigungen nicht nach. Einfach zu viel Verkehrsoverhead, den man versucht zu minimieren.

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