Monarchie-Anhänger in der Bundesversammlung

Ich verfolge zur Zeit gespannt die Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten. Interessant aus schwedischer Sicht fand ich in der einleitenden Rede von Norbert Lammert folgende Stelle:

In einigen westlichen Demokratien ist die staatliche Spitze durch eine erbliche Monarchie besetzt – mit dem durchaus beachtlichen Argument mancher Staatsrechtler, es sei klug, auch und gerade in einer Demokratie das Amt des Staatsoberhauptes dem Ehrgeiz der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen zu entziehen und nicht der sonst unverzichtbaren Mehrheitsregel zu unterwerfen.

Dass er auch da etwas Applaus bekam, sorgte für einige Erheiterung, die Lammert mit

Ich bin nicht sicher, ob die Stenografen alle Monarchie-Anhänger mitgeschrieben haben…

kommentierte, bevor er mit der eigentlich Pointe zum Monarchie-Vergleich fortfuhr

Das Grundgesetz hat sich für ein Wahlamt entschieden: der Bundespräsident wird gewählt. Das Amt des Staatsoberhauptes unterliegt damit denselben Regeln demokratischer Legitimation wie jedes andere öffentliche Amt.

Und das ist natürlich gut so.

Nachtrag: Jetzt ist er also gewählt, der Herr Wulff. Und verleiht mit einem “Gott schütze unser Land” in seiner Rede gewissen Befürchtungen neue Glaubwürdigkeit.

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  1. Richtige Monarchieanhänger hätten für Prinz Georg Friedrich gestimmt, wie auch schon in früheren Bundesversammlungen Stimmen für dessen Großvater, Prinz Louis Ferdinand, abgegeben wurden. Es gab auch immer namentlich bekannte bekennende Monarchisten im Bundestag.

  2. Aber wäre denn Prinz Georg Friedrich auch bereit?

  3. Die Frage ist hypothetisch. Warum soll Prinz Georg Friedrich sich jetzt erklären, da er sich nur lächerlich machen würde? Von der Bundesversammlung kann er (noch) nicht gewählt werden, weil er noch keine 40 Jahre alt ist, da muß er nicht vorpreschen. Ein Votum für ihn wäre ungültig gewesen – gleichwohl wäre es ein Zeichen gewesen, das die Delegierten hätten machen können, ohne von Prinz Georg Friedrich dazu aufgefordert zu sein. Ich hätte es begrüßt.

    Anders war das bei seinem Großvater, Prinz Louis Ferdinand, der 1951 seinem Vater als Chef des Hauses Hohenzollern nachfolgte. Hier ist ein SPIEGEL-Artikel von 1952, der ein Schlaglicht auf diese Zeit wirft. 33% der Westdeutschen waren zu der Zeit für eine Monarchie.
    Monarchisten
    Klar, daß Prinz Louis Ferdinand da anders vorgehen konnte als Prinz Georg Friedrich 2010, wo die heutigen Monarchisten kaum eine zweistellige Zustimmung erfahren und zerstritten sind wie einst die Republikaner.

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