Besser

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Man muss sie einfach gern haben, die Transparenz, die sich aus dem schwedischen Öffentlichkeitsprinzip ergibt. Dank selbigem kann das hiesige öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen zum Beispiel die Seite Valpejl aufsetzen, die eine Übersicht über alle Kandidaten zu den Wahl im September bietet – inklusive allerlei persönlichen Informationen wie Alter, Wohnort, Einkommen der letzten beiden Jahre und in welchen Firmen sie aktiv sind. Zusätzlich können die Kandidaten, wenn sie wollen, ihr Profil dort ausfüllen und ein paar Standardfragen beantworten.

Beim Versuch, profilierte Minister wie Außenminister Carl Bildt oder Finanzminister Anders Borg dort nachzuschlagen, wird man nicht fündig, denn sie treten in der Tat nicht selbst zur Wahl an. Um Minister zu werden, braucht man nämlich keinen Parlamentsplatz. Premierminister Reinfeldt ist jedoch dabei.

Valpejl bedeutet übrigens “Wahl-Peilung”; ähnlich salopp wie der deutsche Ausdruck “von etwas Peilung haben”.

Sprache ist wichtig und bestimmt mit, wie man denkt. Ein besonders schönes Beispiel für erzieherischen Wortgebrauch ist dieser Artikel, in dem es um den üblichen Verkehrszuwachs zu Mittsommer geht. Viele fahren raus aufs Land und dementsprechend verzeichnet man an diesem Wochenende jedes Jahr ein Hoch an Verkehrsunfällen. Das ist allgemein bekannt und die Artikelüberschrift “Hier fährst du am sichersten an Mittsommer” weckt daher Interesse. Der simple Rat im Text ist dann, gut ausgebaute Straßen mit Trennung der beiden Fahrtrichtungen oder (aufgepasst!) solche mit “Verkehrssicherheitskameras” zu benutzen.

Das Wort alleine ist schon schönes Neusprech, denn eigentlich ist fartkamera die gebräuchlichere Bezeichnung. Zusätzlich impliziert der Ratschlag, dass es gut ist, auf Wegen mit Blitzern zu fahren anstatt sie zu meiden. (Das Sinken der Durchschnittsgeschwindigkeit und damit der Unfälle dank der Kameras scheint statistisch gut belegt zu sein.) Dass man sich diese offensichtliche Manipulation hin zu einem positiven Bild von Blitzgeräten gefallen lässt, wird sicherlich dadurch begünstigt, dass sie hierzulande in der Regel fest installiert sind und lange vorher mit Schildern angekündigt werden. Das nimmt ihnen die Hinterhältigkeit; es sind keine Radar-”Fallen” mehr und es fällt schwer, sich ungerecht behandelt zu fühlen, wenn man trotzdem geblitzt wird.

Zugegeben, ich habe kein eigenes Auto, bin aber trotzdem immer wieder auf Schwedens Straßen unterwegs und habe noch nie eine mobiles Blitzgerät gesehen.

Kurzer Nachtrag zur Steuerklärung: Ich hatte etwas vergessen einzutragen und auf Nachfrage erfuhr ich, dass man zum Berichtigen einfach nochmal abgeben kann. In meinem Fall also nur kurz auf der Homepage des Skatteverket einloggen, das entsprechende Feld ändern und “Abschicken” klicken. Solange die erste Version vor der Deadline ankam, fällt keine Verspätungsgebühr an.

2010-05-09 | Keine Kommentare

Heute ist in Schweden Stichtag für die Steuererklärungen. Das ist immer Anfang Mai und ich hatte meine wieder einmal bis zum letzten Tag vor mir hergeschoben. Dabei ist der Prozess vorbildlich einfach, als Arbeitnehmer braucht man nur den fertig ausgefüllten Bogen per SMS oder Internet abnicken. Auch bei Fällen, wo man als Bürger etwas mehr Arbeit investieren muss, ist die Dokumentation sehr gut und das Internet-Formular hilft einem mit Hinweisen, was man vergessen haben könnte und nimmt einem einige Rechnerei ab.

Etwa 4,2 Millionen Schweden (also die Mehrheit) werden diesmal auf der Webseite des Skatteverket ihre Steuer erklären und ich scheine nicht der einzige zu sein, der bis zuletzt gewartet hat: Die Computer der Steuerbehörde arbeiten heute an der Belastungsgrenze.

Früheres zur schwedischen Steuererklärung oder zu Steuern an sich.

Laut den Zahlen des Eurobarometers schauen Schweden um einiges positiver in die Zukunft als Deutsche oder andere Europäer. Gut 60 Prozent (gegenüber knapp 30 für DE/EU27) glauben, dass die kommenden 12 Monate besser werden als bisher. Über die Hälfte der Schweden findet, dass es sowohl im eigenen Land als auch in der EU generell in die richtige Richtung geht.

Vielleicht ist das ja einer der Faktoren, der zum anhaltenden Baby-Boom beiträgt.

Genauere und mehr Zahlen findet man in den vierseitigen Zusammenfassungen (PDF) für Schweden und Deutschland.

Mir ist dieser Tage etwas sehr Praktisches an der Tanke um die Ecke aufgefallen. Mag wohl sein, dass mir das lange Jahre entgangen ist, weil ich kein Auto mehr habe, oder dass es mittlerweile auch in Deutschland so üblich ist. Die Rede ist von Zapfsäulen für fertig gemischte Scheibenwaschanlagenflüssigkeit. Die stehen im richtigen Abstand zur “normalen” Säule, so dass man den Behälter unter der Motorhaube gleichzeitig mit dem Benzintank befüllen kann.

Zusätzlich ist Spolarvätska auch als Wort praktischer denn “Scheibenwaschanlagenflüssigkeit”.

2010-04-11 | 7 Kommentare

Mit 75 Schlitten pro Stunde und 1 800 Stück täglich wurden seit Oktober im Dreischichtbetrieb dreimal so viele Schlitten produziert wie in einem Normaljahr. Sämtliche Schlitten sind ausverkauft [...]

schreibt Radio Schweden.

Das ist bei weitem nicht die einzige Meldung über gute Geschäfte in Schweden mit dem außergewöhnlich kalten und schneereichen Winter. Warme Kleidung, Schuhe und Wintersportausrüstung aller Art verbuchen Umsatzrekorde – über 20% Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Irgendwie auch kein Wunder, wenn auf einmal nicht nur die Landbevölkerung, sondern auch die Bewohner der Ballungsgebiete optimale (Langlauf-) Skibedingungen vor der Haustür haben.

Falls jemand übrigens findet, ich schriebe hier zu viel über das Wetter, dem sei gesagt, dass das recht gut der öffentlichen Diskussion hierzulande in den letzten Wochen entspricht. Das und die olympischen Winterspiele dominieren die Nachrichten.

Dass man in Schweden recht weit vorne ist beim Breitbandinternet, habe ich schon öfter hier erwähnt. Diese schicke Grafik zeigt einen weltweiten Vergleich, der das bestätigt: Nur in Japan und Südkorea bekommt man noch schnellere Anschlüsse für noch weniger Geld als in Schweden.

2010-01-20 | 1 Kommentar

Wie schon erwähnt ist Stockholm Umwelthauptstadt 2010 und hat diesen Titel, den es nächstes Jahr an Hamburg abtritt, dieser Tage offiziell angetreten.

Radio Schweden schreibt dazu:

Ein Expertengremium der EU hat Umweltindikatoren wie Klimaschutz, nachhaltiger Stadtverkehr, öffentlich zugängliche Plätze und Parks, Luftqualität und Lärm getestet. Auch Abfallproduktion, Wasserverbrauch, Abwasserbehandlung und nachhaltige Landnutzung waren Kriterien bei der Vergabe des Titels Europas Umwelthauptstadt. Offenbar gefiel dem Auswahlkomitee das, was es sah und maß. Nicht zuletzt das Ziel der Stadt, bis zum Jahr 2050 ganz ohne fossile Brennstoffe auszukommen.

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