Brauch

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Eine der wichtigsten schwedischen Weihnachtstraditionen – nicht nur für Kinder – ist Julkalendern i Sveriges Television, also der Weihnachtskalender des schwedischen Fernsehens. Seit 1960 gibt es diesen und einige der Serien sind zu echten Klassikern geworden, die man auf DVD bekommt und die in einigen Jahren anstatt eines neuen Kalenders gesendet werden – Sunes Jul und Ture Sventon oder die Teskedsgumman sind Beispiele dafür und lassen schwedische Augen funkeln, wenn man sie erwähnt.

Eine Liste mit allen alten Kalendern hat die Wikipedia. Der diesjährige heißt Med skägget i brevlådan (“Mit dem Bart im Briefkasten”) und ist von und mit Anders & Måns. Die beiden sind seit langem für ihre Radio- und Fernsehprogramme mit absurdem Humor bekannt und einfach großartig. Der erste Abschnitt des Julkalendern von gestern Abend war dementsprechend gut und ich werde wohl weitergucken. Auf der Webseite kann man auch übers Netz sehen (Links in der rechten Spalte klicken).

Gärdsgård, auch gärdesgård, besteht aus gärde und gård. Ersteres bedeutet “eingezäuntes Feld oder Wiese” und letzteres “Hof”. Das zusammengesetzte Word beschreibt jedoch nicht die Fläche an sich, sondern die Einzäunung. Gärdsgård spricht man in etwa “järsch-gohrd” und gemeint sind die typisch schwedischen Zäune nur aus Holz, die Reisenden sicherlich schon aufgefallen sind.

Die senkrechten, eher schmalen Pfosten stehen immer paarweise und halten zwischen sich die langen Querhölzer, die nicht horizontal liegen, sondern am Boden anfangen und mit leichter Steigung bis aber die obere Kante des Zauns reichen. Verbunden sind diese beiden Grundelemente durch Weidenruten, siehe Bild.

Diese Art Zaun baut man seit dem Mittelalter; die ältesten Funde sind in von etwa 1000 n.Chr. bei Leksand in Dalarna. Gärdsgårdar sind auch heute noch sehr beliebt – natürlich eher auf dem Land denn als Einzäunung eines Gartens im Wohnviertel, wo ein so ein Zaun fehl am Platz wäre. Eine der zahlreichen Mittsommertraditionen besagt, dass man an diesem Tag über sieben gärdsgårdar springen, einen Strauß aus sieben unterschiedlichen Blumen plücken und mit diesem unterm Kopfkissen schlafen muss, damit man von seinem oder seiner Zukünftigen träumt.

In Uppsala am Bahnhof gibt es seit jeher ein Meer an Fahrrädern. Das ist natürlich gut so, dass viele dieses Verkehrsmittel benutzen und dass Uppsala eine fahrradfreundliche Stadt ist. Ich radele selbst täglich etwa 15 Minuten zur Arbeit.

Am Bahnhof wird zur Zeit aber gebaut und das sorgt für Irritation sowohl bei den Radlern, die zeitweise noch weniger als die schon immer zu kleine Fläche zur Verfügung haben, als auch bei den Arbeitern und der Verwaltung, weil als Konsequenz natürlich die Leute ihre Räder huller om buller abstellen.

Traditionell werden die Räder dort aber eher anarchistisch geparkt.

So drückt es Radio Schweden aus, wenn es über die Pläne für kostenpflichtige Fahrradplätze schreibt. Für mich klingt das Vorhaben, endlich die “Unordnung” mit den Rädern loszuwerden, typisch nach Spießbürgertum und ich finde, dass diese Unordnung ihren Charme hat. Ein winziges Stück Anarchie im ansonsten wohlgeordneten und durchorganisierten Schweden. Man sieht sogar oft Touristen, die den Fahrradparkplatz in Uppsala fotografieren.

Außerdem würde mich nicht wundern, wenn die kostenpflichtigen Parkplätze keine Nutzer finden würden. Sorgt man nicht dafür, dass es auch genug freie Plätze nahe am Bahnhof gibt, wird sich das Chaos wohl nur vergrößern, weil dann wieder außerhalb der vorgesehenen Flächen geparkt wird.

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