Ereignis

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Am Samstag war wie gesagt die Hochzeit der schwedischen Thronfolgerin. Wider Erwarten schalteten die Freunde, bei denen ich an diesem Nachmittag zu Besuch war, die Live-Übertragung ein und ich kam in den zweifelhaften Genuss derselben. Über all die pompösen und rührenden Details kann man woanders besser lesen ; beste TV-Szene war, finde ich, als auf dem Weg der Kutsche durch die Stadt kurz Mark Levengood eingeblendet wurde und in seinem reizenden Finnland-Schwedisch vom Straßenrand berichtete, wo Zuschauer seit acht Stunden gewartet hätten – und noch während dieses einen Satzes fährt die Kutsche in hohem Tempo hinter ihm durchs Bild und ist wieder weg. Herrlich widersprüchlich.

Bemerkenswert dann auch abends im Kreis von gut 20 Leuten, dass so gut wie alle, inklusive der bekennenden Republikaner, den Fernseher zumindest für eine Weile eingeschaltet hatten. Ähnlich dem Schlagerfestival konnte jeder irgendwie mitreden und insofern hat das Spektakel ja seinen Zweck erfüllt, das Volk zu unterhalten.

Der mediale Erfolg im Ausland – hinter dem Link oben finden sich über 1100 deutschsprachige Artikel – wurde jedoch dadurch getrübt, dass drei der großen internationalen Nachrichtenagenturen die Berichterstattung boykottierten. Mindestens ein Leitartikler fand heute morgen, dass das Schwedische Fernsehen hier auf der Zielgeraden eine lange vorbereitete und millionenteure Werbeveranstaltung für Schweden in den Sand gesetzt hat.

Morgen ist es endlich so weit: Die schwedische Kronprinzessin Victoria heiratet in Stockholm. Das “endlich” kommt in meinem Fall nicht daher, dass ich diesem aufgeblähtem Ereignis entgegengefiebert hätte, sondern dass es dann vorbei ist. Die Berichterstattung war in den letzten Wochen so ausführlich und überwiegend zu irrelevanten Details, dass auch viele Schweden des Spektakels überdrüssig sind, noch bevor es stattfindet.

Das verstärkte Rampenlicht auf das Königshaus hat nicht wie erwartet dessen Popularität erhöht, sondern gesenkt. Eine löbliche Minderheit der Medien hat den Anlass auch dazu benutzt, die Stellung der schwedischen Monarchie kritisch zu hinterfragen; außer guter PR im Ausland bleiben dabei selten gute Argumente für die Monarchie übrig.

Zusätzlich gab es ein paar konkrete Kritikpunkte an der Hochzeit an sich:

  • Victoria lässt sich von ihrem Vater an den Altar führen und an ihren Mann “übergeben”. Das hat einiges an Aufsehen verursacht, denn es widerspricht der schwedischen Tradition, dass beide Partner gleichberechtigt auftreten. Das Bild, dass die Frau von Vater als Vormund ins Eigentum des Ehemanns übergeht, stößt im sehr auf Gleichberechtigung bedachten Schweden sehr sauer auf.

  • Unter den geladenen Gästen sind allerlei Repräsentanten von Diktaturen, inklusive Eritrea, das seit Jahren den Schweden Dawit Isaak ohne Urteil eingesperrt hält und foltert. Diesem Fall war vor einiger Zeit eine große Kampagne der schwedischen Zeitungen gewidmet.

  • Der Haga-Park, die zentralste grüne Oase im Norden der Stadt und Teil des Nationalstadtparks, wurde stark angegriffen, weil Victoria in das dortige Schloss einziehen wird, in dem auch der jetzige König aufgewachsen ist. Ein großer Teil wurde hoch eingezäunt und ist nicht mehr der Allgemeinheit zugänglich. Auch ich, der in der Nähe wohnt, empfinde diesen Haga-Käfig als Verschandelung des geschützten Parks und dass die Stockholmer diesbezüglich vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, gefällt vielen nicht.

Alles in allem erfüllt das Interesse an der Hochzeit nicht die Erwartungen. Die letztes Jahr bei Bekanntgabe des Datums hastig gebuchten Hotelzimmer gehen nicht an den Mann, geplante Spezialzüge nach Stockholm werden aus mangelndem Bedarf abgesagt und der Absatz der diversen Merchandising-Produkte läuft mal so mal so. Das Wetter und die Fußball-WM könnten morgen ihr übriges dazu beitragen, dass sich die Zuschauermassen entlang des Wegs der Kutsche durch die Stadt in Grenzen halten werden.

Zur Artikelüberschrift: bröllop = “Hochzeit”; jippo ist ein leicht abfälliger Ausdruck für ein “Spektakel” oder einen Trick, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Oha. Wegen des Vulkanausbruchs auf Island und der Asche, die von da über Nordskandinavien weht, hat die Luftfahrtbehörde allen Flugverkehr im oberen Drittel Schwedens eingestellt. Eventuell muss das Flugverbot noch weiter südlich bis Dalarna ausgeweitet werden.

Nachtrag 16:30: Gerade kam die Meldung, dass ab heute Abend alle Flüge von und nach Schweden gestrichen werden. Nicht gut. Ich kenne mindestens zwei Leute, die gerade irgendwo in Europa festsitzen und gerne heim nach Stockholm fliegen würden. Und ob mein Flug am Sonntag nach England stattfinden wird, steht wohl auch in den Sternen.

Herzlichen Glückwunsch, liebes Deutschland, zum zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls!

Ich war damals zwar erst elf und aus der fränkisch-hessischen Provinz gesehen war die Mauer weit weg – trotzdem saß ich gebannt vorm Fernseher mit den Bildern begeisterter Menschen.

Über den Zerfall des Ostblocks und die Geschehnisse in Deutschland in jenen Monaten war in den schwedischen Medien zuletzt viel und gut recherchiertes zu lesen. Sogar die ein oder andere Titelseite war es wert.

Gestern Abend wurden im wohl bekanntesten Auktionshaus Stockholms, Bukowskis, allerlei Kunst und Alltagsgegenstände versteigert, die dem vor zwei Jahren verstorbenen Regisseur Ingmar Bergman gehörten.

Das Interesse war groß und so gut wie alles erreichte ein Vielfaches des Startpreises. Der gesamte Katalog mit Bildern und Zuschlagspreisen (“klubbat pris”) ist hier zu sehen.

Ich war heute Morgen wählen und hoffe, dass alle, die das noch nicht getan haben und das hier lesen, sich auch noch ins Wahllokal aufmachen. Hier in Stockholm scheint sogar die Sonne, was sich hoffentlich gut auf die Wahlbeteiligung auswirkt.

Wie läuft der Wahlvorgang in Schweden ab? Man schnappt sich seinen Ausweis und die Wahlkarte, die man vor einigen Wochen per Post bekommen hat, und begibt sich damit zum auf eben dieser angegebenen Wahllokal – wenn man nicht schon vorab an einem der seit 20. Mai offenen Wahllokale abgestimmt hat. 12 Prozent Wahlbeteiligung (800.000 Stimmen) kamen auf diese Weise schon vor heute zusammen.

Vor dem Wahllokal erwarten einen die Helferlein der Parteien:

Wahl 090607

Diese dürfen ankommende Wähler nicht mehr beeinflussen, sondern ihnen lediglich sagen für welche Partei sie stehen und den entsprechenden Stimmzettel aushändigen.

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Nächsten Samstag (30, Mai) findet wieder der Stockholm Maraton statt. Wer sich nicht schon letzten Herbst anmeldete bekam keinen Platz mehr unter den knapp 19.000 Teilnehmern. Nein, ich laufe nicht selbst mit, sondern begnüge mich mit dem Halbmarathon im September.

Das Svenska Dagbladet hat die Marathon-Strecke abgefilmt und im Zeitraffer ins Netz gestellt, mitsamt Karte zur Orientierung. Wer also Stockholm einmal aus der Sicht der Läufer sehen will, gehe hier entlang.

Vor 400 Jahren begann Galileo Galilei seine systematischen Beobachtungen mit seinem Teleskop und deshalb ist 2009 das “Internationale Jahr der Astronomie”. Es gibt unter anderem eine internationale eine deutsche und eine schwedische Webseite. Letztere ist unter meinen Fittichen und hat die letzten Tage viel Arbeit in Anspruch genommen, weil das Jahr mit viel Medienaufmerksamkeit in Gang kam.

Gestern war die Einweihungsfeier in Stockholm. Der größte kugelförmige Bau der Welt, der Globen, wurde dazu den Abend lang mit einem Lichtspiel angeleuchtet und es gab eine interessante Veranstaltung mit einem Vortrag in Form eines Dialogs zweier Professoren aus Uppsala.

Der Globen repräsentiert gleichzeitig die Sonne im größten maßstabsgetreuen Modell unseres Planetensystems. Das Sweden Solar System erstreckt sich übers ganze Land (siehe Bild). Die Modelle der inneren Planeten, inklusive der Erde, liegen im Stadtgebiet Stockholms. Jupiter ist am Flughafen Arlanda, das bisherige symbolische Blumenbeet dort wird im Laufe des Jahres durch ein richtiges Modell ersetzt. Saturn wird hier in Uppsala seinen Platz finden. Die äußeren Planeten liegen in Städten weiter nördlich und ganz “oben” in Kiruna ist der Terminalschock; bis dahin reicht der Einfluss des Sonnenwindes.

Der Veranstaltungskalender auf www.astronomi2009.se hat über hundert Einträge und ich mache mich gleich daran, noch mehr einzutragen.

Heute am frühen Morgen gab es zwischen Malmö und Ystad das stärkste Erdbeben in Schweden seit über hundert Jahren. Klingt dramatisch, nicht? Schweden ist aber, was Erdbeben angeht, eines der am wenigsten aktiven Länder der Welt und es kam niemand zu Schaden.

Nachtrag: Ich erinnerte mich gerade, dass es vor zweieinhalb Jahren auch ein Erdbeben in Stockholm gab. Das war zwar schwächer, dafür näher an der Oberfläche.

2008-12-16 | 3 Kommentare

Es war ein wenig gespenstisch, im positiven Sinn, gestern Abend nach Hause zu kommen. In Flogsta, dem Studentenviertel in dem ich lebe, war der Strom ausgefallen. Keine Straßenbeleuchtung, Kerzenschein aus den Fenstern und wegen des vielen Schnees trotzdem nicht dunkel. Menschen auf den Wegen, die ansonsten vor ihren Computern gesessen wären. Was ich leider nicht mitbekommen habe, sondern in der Lokalzeitung lese: In den Stunden bis der Strom zurückkehrte entwickelte sich in Flogsta eine Schneeballschlacht mit etwa 300 Leuten. Toll.

Der heftige Wind hat sich gelegt doch es soll erst heute im Laufe des Tages aufhören zu schneien. Es liegt etwa ein halber Meter Schnee – so viel wie ich während meiner gut sechs Jahre hier kaum gesehen habe. Uppsala ist kein “Schneeloch”. Schon übermorgen soll es jedoch Tauwetter mit sechs Plusgraden geben. Dann bleibt nur zu hoffen, dass das lange genug anhält, dass die Wege völlig frei werden. Wieder gefrorener Schneematsch ist kein Spaß.

Gestern Nacht habe ich zum ersten Mal bewusst wieder Sterne am Nachthimmel wahrgenommen. In den Wochen um Mittsommer ist es dafür zu hell, auch wenn Uppsala nicht so weit nördlich liegt, dass die Sonne gar nicht untergeht. Zur Zeit gewinnt die Nacht hier fünf Minuten an Länge jeden Tag. Über die Dunkel- und Helligkeit habe ich vor längerem ausführlicher geschreiben.

Morgen Vormittag um etwa halb Zwölf kann man in Schweden eine teilweise Sonnenfinsternis beobachten, das heißt der Mond wird einen Teil der Sonne verdecken. Die Details zur Uhrzeit und dem Aussehen an unterschiedlichen Orten kann man sich hier anzeigen lassen. Um in den Kernschatten des Mondes zu kommen und eine “totale Sonnenfinsternis” zu erleben, müsste man nach Spitzbergen, Sibirien oder China reisen. Die einzige solche, die ich gesehen habe, war vor einigen Jahren in Süddeutschland.

Wenn das schöne Wetter anhält und ich die Papierbrille mit der passenden Folie wiederfinde, werde ich morgen den Blick nach oben richten. Allen, die gerade auch in Schweden sind, rate ich auch dazu, aber nur mit Sichtschutz, denn der unbedeckte Teil der Sonne ist immer noch zu hell fürs bloße Auge.

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