Feiern

Artikel mit dem Schlagwort Feiern.

Piplina

Es ist gerade viel zu tun rund ums Studium, dazu kommt allerlei Behördliches, sowohl hier als auch Relikte aus der alten Heimat. Außerdem bin ich gerade in die Vorbereitungen fürs Astronomijahr nächstes Jahr eingebunden worden. Das ist eine willkommene Abwechslung und macht sicher Spaß – mehr dazu beizeiten an dieser Stelle. Für die nächsten zwei Wochen werden die Beiträge hier aber etwas sporadischer ausfallen als sonst.

Nach mehreren Jahren Erfahrung werde ich auch das diesjährige Valborg in Uppsala auslassen und das lange Wochenende zum Maianfang stattdessen an der Mittelmeerküste verbringen. Da ist wenigstens schon Frühling und auch für Fiket werden das erholsame, stille Tage.

Bevor ich es vergesse, muss ich noch schnell ein Wort erwähnen, das mir gerade zu Ohren kam: piplina. Wörtlich bedeutet es “Pfeifleine”, ist aber eine sehr niedliche Abwandlung des englischen pipeline. Angeblich kann man gerade Leute mittleren Alters “Vad ligger i piplinan?” sagen hören, wenn sie fragen was ansteht. Piplina passt nicht in diese Kategorie von Worten, denn es ist ja nicht “pajplajn”.

Ziemlich häufig wenn jemand, nennen wir sie Inga, gefeiert werden soll, weil sie zum Beispiel etwas besonderes erreicht hat, passiert folgendes. Nach einer eventuellen kurzen Rede von einem der Anwesenden, fordert dieser alle anderen auf, die Gefeierte “hochleben” zu lassen. Dazu sagt derjenige

Ett fyrfaldigt leve för Inga! Hon leve…

und alle antworten mit lauter Stimme:

Hurra! Hurra! Hurra! Hurra!

Übersetzt: Ein vierfaches “Sie lebe hoch” für Inga! Sie lebe…. Und dann eben die vier Hurras, die mit lautem aber kurzem “a” gerufen werden. Man hält sich dabei wirklich nicht mit der Lautstärke zurück und schon eine kleinere Gruppe hört man durch mehrere Wände hindurch, wenn sie jemanden “hurrat” (schw. man hurrar för någon).

Die Zahl vier kommt angeblich (Quellen: eins, zwei) vom Militär und zwar hatte man sich im 17. Jahrhundert darauf geeinigt, Truppen unterschiedlicher Länder mit unterschiedlich vielen Kanonenschüssen zu identifizieren. Zwei Schüsse standen für Schweden, drei für die Dänen. Daher dass man in Schweden zu königlichen Anlässen die Zahl auf vier verdoppelte, kommt heute das vierfache Hurra und es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass man in Schonen, das lange zu Dänemark gehörte, noch heute nur drei Mal hochleben lässt.

Der Ausruf “Hurra!” selbst kommt laut Herkunftswörterbuch vom mittelhochdeutschen hurren, sich schnell bewegen. Als Imperativ und Ausruf war es als Schlachtruf in Kriegszeiten in Gebrauch und vermischte sich dann mit der Zahl zum oben genannten Ausruf des Hochleben-Lassens.

Vickning

Es kommt nicht mehr oft vor, dass ich ein schwedisches Wort höre, das ich noch nicht kenne beziehungsweise nie aktiv wahrgenommen habe, und natürlich freue ich mich immer, wenn mir ein solches unterkommt.

Am Samstag auf einer Party erklärte der Gastgeber nach einer Weile, dass es Zeit für etwas vickning wäre. Dass es dabei um Essbares ging, war zwar zu erraten, aber das Wort war mir neu. Es bezeichnet als Überbegriff all die kleinen Dinge, die man Gästen am späteren Abend zum Essen anbietet. Alles von Käse und Keksen bis zu einem kleinen Buffet oder Auflauf (Janssons Versuchung ist ein typisches Beispiel) kann vickning sein. Bloße Chips und ähnliches rechtfertigen den Begriff nicht, etwas mehr muss es schon sein.

Gestern wurde ich auf der landskap meiner Studentnation, Uplands, zum Nationsfotografen fürs kommende Jahr auserkoren. Studentische Aktivitäten, Gasques und andere Feste wollen schließlich dokumentiert werden.

Um ehrlich zu sein, hatte ich bis vor wenigen Tagen vergessen, dass ich mich vor längerem bei einem Fest im Haus auf der entsprechenden Liste freiwillig gemeldet hatte. Nichtsdestotrotz wird das sicher sehr witzig.

Schwere Entscheidung, was ich morgen Abend tun soll: Konzert mit Nick Lowe oder Treffen der CouchSurfer?

2007-09-13 | Keine Kommentare

Tanz- und Kampfsportvorführungen im Freien. Stummfilm mit live Klavierbegleitung. Fotoausstellung neben Chorgesang in der Kirche. Volle Museen. Ein Geigenquartett in den Straßen. Konzerte von Klassik bis Rock auf mehreren Bühnen. Eine breite Fontäne im Fluss, in die Figuren und Gebäude aus Licht projiziert werden. Die JuSos und der Gewerkschaftsbund laden zur Grillwurst ein. Ein Jazzensemble in der Stadtbücherei und spontan zwischen den Bücherregalen tanzende Menschen. Kleinkunst in den Strassen. Eröffnung der nagelneuen Konzerthalle, in der sich viele Schaulustige einfinden.

All das und viel mehr passierte vorgestern hier in Uppsala, denn es war “Kulturnacht”. Die Kombination aus “langer Nacht der Museen” und Kulturfestival hatte ein beeindruckendes Programm, in das so gut wie jeder Platz und jedes öffentliche Gebäude eingebunden war. Sogar Schuhgeschäfte wurden kurzfristig zu Ausstellungsräumen.

Bisher hatte ich die kulturnatten alle Jahre – meist wegen irgendwelcher Reisen – verpasst, aber dieses Jahr war ich bei gleich zwei Aktivitäten dabei: Unsere Fotoausstellung wurde am frühen Nachmittag eröffnet und danach half ich am Stand der Humanisten mit. Dennoch blieb genug Zeit, durch die trotz des lausigen Wetters mit Menschen gefüllte Stadt zu streunen und das bunte Treiben zu bestaunen.

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Heute Abend haben wir eine kräftskiva bei uns und natürlich gehören snaps und Gesang dazu. Die wohl bekannteste schwedische snapsvisa ist Helan går. Und da es sehr international werden wird, wird sowohl die englische als auch die französische “Übersetzung”, die jeweils so klingen wie das Original, jedoch Unsinn bedeuten, auf dem Papier mit den Liedern stehen.

Eine deutsche Version scheint es bisher nicht zu geben. Bisher:

Heldengold
Schund Hopfen ralala lala lei
Heldengold
Schund Hopfen ralala lei
Oktan somit ehelich tarnt
Handteller in der Halbe vor
Heldengold [trinken!]
Schund Hopfen ralala lei

Verbesserungsvorschläge?

Wir waren gestern auf einem Fest, das – obwohl es außerhalb der Nationen war – an eine Gasque erinnerte. Zu meiner Überraschung stand keine der zahlreichen schwedischen Sorten snaps (Aquavit) auf dem Tisch, sondern Bommerlunder! Ja, der aus dem Lied der Toten Hosen.

Ich kannte bisher nur das Lied, nicht das Getränk selbst, aber es schmeckte durchaus vergleichbar mit den hiesigen gewürzten Schnäpsen und das einzige worüber sich die Schweden am Tisch beklagten, war die fehlende Inhaltsangabe mit den Zutaten und Kräutern auf der Flasche.

Eine weitere Kuriosität, die mir gestern zum ersten Mal unterkam, darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Kaffeost. Es handelt sich dabei um einen flachen gebackenen Käse, den man in Streifen schneidet, in den Kaffee legt und dann mit dem Löffel isst. Ungelogen. Dieser Brauch kommt angeblich aus den ländlicheren Teilen Norrlands.

Gefeiert wird zwar erst morgen, aber heute ist der längste Tag des Jahres, der Anlass für das Mitsommerfest. Weil eine Sinuskurve, der die Tageslänge im Laufe eines Jahres folgt, rund um ihren höchsten Wert sehr flach ist, ist der Unterschied zwischen heute und morgen klein: unter einer Minute.

Mehr zu langen und kurzen Tagen in Schweden oder zu midsommar im Artikel vom letzten Jahr.

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