Fußball

Artikel mit dem Schlagwort Fußball.

Als ich heute morgen die DN (S) aufschlug, war ich überrascht, einen fast ganzseitigen Kommentar des letzten deutschen Außenministers zur Fußball-WM zu lesen. Nach anfänglicher Überraschung fand ich, dass Joschka Fischer eine Recht naheliegende Wahl ist, wenn ein ausländisches Medium etwas über Deutschland bringen will.

Der Text war natürlich ins Schwedische übersetzt und wohl nicht eigens für die DN geschrieben, sondern von dieser eingekauft. Der Inhalt war leider recht belanglos. Es ging um die Stimmung in Deutschland zur WM, die Flaggen, die Offenheit und gute Laune, die er gerne längerfristig im Land sehen würde. Und um Fußball selbst. Nichts, womit man die letzten Wochen nicht schon zur Genüge bombardiert worden wäre. Einige seltsame Vergleiche vom Spiel der deutschen Mannschaft zu weltweiten Märkten gab es auch. Es ist also kein großer Verlust, dass es den Text nicht online gibt – schade eigentlich, denn Joschka Fischers Wortmeldungen z.B. in der ZEIT, fand ich meist lesenswert.

Es war eine ernste Besorgnis vieler Schweden, dass die Besuchermassen zur Fußball-WM einen lukrativen Markt für Frauenhändler darstellen würden und dass eine fünfstellige Zahl von Frauen aus Osteuropa in Deutschland nur Prostitution gezwungen werden könnte. Es war sogar kurz im Gespräch, die WM zu boykottieren, weil aus Sicht der Schweden in Deutschland nicht genug dagegen getan werde.

Die Befürchtungen scheinen sich aber nicht bewahrheitet zu haben (S). Es gab also keinen Zuwachs beim Menschenhandel während der WM und Deutschland bekommt insofern “gute Noten”, als dass die Polizei wohl genug Druck ausübt, um Deutschland unattraktiv für diese Art von Kriminellen zu machen.

In Schweden ist käuflicher Sex generell nicht erlaubt, es machen sich aber nicht die Prostituierten strafbar, sondern die Freier. In der Diskussion um den Boykottaufruf, wurde gerade von deutscher Seite einiges missverstanden, denn die schwedische Kritik richtete sich nicht gegen legale Prostitution in Deutschland, sondern gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution, die natürlich auch in Deutschland verboten sind.

Titelblatt der DN-BeilageDas Thema, wie Schweden über Deutschland und dessen Einwohner denken, hatten wir zwar erst neulich, aber die Sonntagsbeilage der DN vom 4. Juni kann nicht unkommentiert bleiben. Dagens Nyheter ist die größte schwedische Tageszeitung und hat sich in besagter Beilage in 11 Artikeln mit Deutschland beschäftigt. Das nebenstehende Bild zeigt das Titelblatt und die Überschrift darauf liest sich wie folgt:

Kein Knödel, keine Lederhosen, kein Fußball.
Aber eine ganze Zeitung über Deutschland.

Dieser Titel ist eine Lüge, denn Knödel kommen zweimal vor und natürlich bleibt auch die Fußball-WM nicht unerwähnt. Die Fußballschuhskulptur beim neuen Lehrter Bahnhof in Berlin füllt sogar eine Doppelseite. Die Beilage beginnt mit einem kurzen und harmlosen Editorial über den Besuch eines alten ostdeutschen Filmstudios. Dann kommt ein Quiz mit folgenden Fragen

  • Wo spielt sich die Handlung der Buddenbrooks ab? Berlin, Lübeck oder Frankfurt stehen zur Auswahl. Natürlich in der Hansestadt.
  • Wer war kein Deutscher – Brahms, Wagner oder Schubert? Vielleicht nicht ganz so einfach, aber ich lag mit Schubert, der Österreicher war, richtig.
  • Was sind Knödel? Da sind sie also. Als falsche Antworten gab es einen Wanderstock aus dem Schwartzwald (sic!) und Strümpfe, die man zu Lederhosen trägt. In dieser Frage werden gleich zwei der Versprechen des Titels gebrochen.
  • Dass Nina Hagen weder Soul noch R&B sondern Punk macht, konnte sich aus dem Bild neben der Frage ableiten, wer es nicht wußte.
  • Bei der letzten Frage, ob Bauhaus 1910, 1919 oder 1925 gegründet wurde, mußte ich aber passen. 1919 ist richtig laut Wikipedia.

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Ist es nicht bemerkenswert und schön, dass heute europäische Staaten einander soweit über den Weg trauen, dass sie sogar Polizisten der anderen im eigenen Land mithelfen lassen? Während der Fußball-WM sind in Deutschland Polizisten verschiedener Länder im Einsatz – nicht nur, um Hooligans in Schach zu halten, sondern auch als Service für die zahlreichen Besucher, die sich dadurch an Ansprechpartner aus dem eigenen Land wenden können.

Etwas mehr als 20 schwedische Polizisten (S) sind auch dabei.

Prognosen für die kommende WM in Deuschland liegen noch keine vor, aber bei der letzten Fußball-WM in Asien erhöhten (S) sich die Krankmeldungen von Schweden um 55%. Seltsamerweise sind nur Männer betroffen. Ein Heilmittel ist nicht bekannt.