Nobel

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Ich spare mir heuer die Zusammenstellung der Nobelpreise, die ich sonst immer gemacht habe. Schließlich findet man alles auf nobelprize.org und alle Welt schreibt ja darüber.

Natürlich freue ich mich, dass der Physikpreis wieder einmal der Astronomie gewidmet wurde. Die Messungen, die zeigen, dass sich das Universum nicht nur permanent ausdehnt, sondern dies immer schneller tut, kennt jeder Astronom, auch wenn man wie ich nicht direkt auf diesem Gebiet arbeitet.

Dass einer der Medizinpreisträger kurz vor der Bekanntgabe verstarb, ist ein wenig peinlich fürs Nobelkommittee, denn es verstößt mit der posthumen Verleihung lieber gegen die eigenen Statuten als die öffentliche Aufregung auszustehen, die eine Zurücknahme der Bekanntgabe verursacht hätte.

Gerade wurde auch der Literaturpreis verkündet und seit fast 40 Jahren (Harry Martinson und Eyvind Johnson 1974) wird er wieder einmal einem Schweden verliehen. Thomas Tranströmer ist Poet und ich muss zugeben, dass ich bis eben noch nicht von ihm gehört hatte.

Der jährliche Reigen der Bekanntgabe der Nobelpreise beginnt nachher um 11:30 mit dem Medizinpreis. Das Svenska Dagbladet will vorab erfahren haben, wer den bekommen soll: Robert Edwards, der Vater der künstlichen Befruchtung. Sollte sich das bewahrheiten, wäre das Leck ein Novum. Die Nobelstiftung ist normalerweise ziemlich erfolgreich mit ihrer Geheimhaltung.

  • Medizin, 4. Oktober 11:30. Der Preis geht an den Briten Robert G. Edwards “für die Entwicklung der In-Vitro-Befruchtung.” Links zu nobel.se und tagesschau.de.
  • Physik, 5. Oktober 11:45. Andre Geim und Konstantin Novoselov, beide gebürtige Russen, die in Großbritannien arbeiten, bekommen den Physikpreis dieses Jahr, “für bahnbrechende Experimente zum zwei-dimensionalen Material Graphene.” Links zu nobel.se, tagesschau.de, nochmal tagesschau.de und SpOn.
  • Chemie, 6. Oktober 11:45. Richard F. Heck, Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki werden heuer in dieser Kategorie geehrt werden, “für Palladium als Katalysator bei Wechselwirkungen in der organischen Synthese”. Links zu nobel.se, ZEIT und SpOn.
  • Literatur, 7. Oktober 13:00. Der peruanische Autor Mario Vargas Llosa bekommt den diesjährigen Literaturnobelpreis, “für seine Kartographie von Machtstrukturen und seine energischen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlage des Individuums.” Links zu nobel.se, tagesschau.de, SpOn.
  • Friedenspreis, 8. Oktober 11:00. Dieser Preis geht an Liu Xiaobo, den chinesischen Dissidenten, “für sein langes und gewaltfreies Streben nach grundlegenden Menschenrechten in China”. Links zu nobel.se, SpOn, tagesschau.de.
  • Wirtschaft, 11. Oktober 13:00. Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen und Christopher A. Pissarides teilen sich diesen Preis “für ihre Marktanalysen bei einem Missverhältnis von Angebot und Nachfrage”. Links zu nobel.se, tagesschau.de, SpOn.

Adolf Hitler war für den Friedensnobelpreis 1939 vorgeschlagen. Als Begründung steht dort in der Nominierungsdatenbank lediglich, dass “Hitler der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei war”. Schockierend, nicht? Denn damals war das Expansionsstreben des “3. Reichs” schon mehr als offensichtlich, auch wenn es bis zum Kriegsbeginn zur Zeit der Nominierung noch ein paar Monate dauern sollte. Wie kam es dazu? Wer nominierte Hitler und warum?

Schweden hatte zwar durchaus seine eignen Nazis, es war jedoch der schwedische Sozialdemokrat und Reichtstagsabgeordnete Erik Brandt, der die Nominierung beim Nobelkommitee einreichte. Das macht die Sache erst recht seltsam und man findet im Netz allerlei Spekulationen und Aussagen wie

Wir wissen nicht, welche Argumente der Parlamentarier für Hitler ins Feld führte. [...] [Er muss] etwas verwirrt gewesen sein.

Das war er jedoch keineswegs. Die Nominierung geschah nämlich aus Protest und als Satire. Brandt war empört, dass zwölf andere schwedische Reichstagsabgeordnete den britischen Premier Neville Chamberlain für seinen Beitrag zum Münchner Abkommen für den Friedenspreis vorgeschlagen hatten. Brandt sah – aus heutiger Sicht völlig richtig – die Gefahr dieser Appeasement-Politik und argumentierte, dass Chamberlain den Friedenspreis genauso wenig verdient habe wie Hitler.

Der Nominierungsbrief strotzt vor bitterer Ironie und ist so lesenswert, dass ich ihn mal eben übersetzt habe: Weiterlesen »

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