Norwegen

Artikel mit dem Schlagwort Norwegen.

Der heutige 17. Mai ist nicht nur norwegischer Nationalfeiertag und Tag der Esel in Kenia.

Es ist auch die 60-Jahr-Feier von einem Kollegen und mir – also jeder 30. Sollte eine Leserin oder ein Leser zufällig in der Nähe sein, kann er oder sie gern ab 7 heute Abend vorbeischauen. Wegbeschreibung hier.

Ich hoffe zwar, dass ich nie wieder ein Auto brauche, aber wenn, dann wollte ich so etwas wie das was die Norweger gerade auf die Beine stellen. Der Think City ist klein, schick, braucht auf 100km etwa 3 Euro Strom und kommt mit einer Ladung knapp 200 Kilometer weit. Die Serienproduktion läuft, ab Mitte des Jahres wird in Norwegen auch an Privatpersonen verkauft und etwas später auch in Schweden. Bilder und mehr Text zum Think hat Technology Review.

Die Vorteile eines solchen Autos sind mehrere. Neben dem offensichtlich niedrigeren Verbrauch und der höheren Energieeffizienz entstehen keine Abgase und kein Lärm in den Städten. Natürlich muss der Strom irgendwo herkommen, aber da gibt es mittlerweile bessere Alternativen, als Öl zu verbrennen. Die Welt hat weniger eine Energiekrise an sich als eine bei flüssiger Energie (Peak Oil), deren Verbrauch man minimieren muss.

In den meisten Sprachen hat sich das finnische Wort Sauna für den Raum, in dem man in heißem Wasserdampf schwitzt, durchgesetzt. Das ist kein Wunder, schließlich wird den Finnen die Erfindung desselben zugeschrieben.

Gerade in Schweden, zu dem Finnland bis vor 200 Jahren gehörte und wo man am ehesten einen gemeinsamen Namen vermuten würde, heißt die Sauna jedoch bastu. Das Verb für “in die Sauna gehen” ist basta. Auch das Norwegische weicht von der internationalen Bezeichnung ab und kennt das Wort badstue. Obwohl stue übersetzt auch die “gute Stube” sein kann, lässt badstue erraten wo das schwedische bastu herkommt, nämlich von badstuga. Und stuga dürfte den meisten, die schon einmal in Schweden waren, als Bezeichnung für Ferien- und Freizeithäuser schon einmal untergekommen sein. Bastu bedeutet also schlicht “Badehaus”.

Dann gibt es noch “Saunaclubs”, bastuklubbar. Dahinter kann sich heutzutage tatsächlich das Naheliegende verbergen, nämlich ein Verein, der gemeinsam eine Sauna betreibt und dessen Mitglieder die sozialen Aspekte des Saunagangs hochhalten. Bis Mitte der Achtziger stand der Begriff dagegen für Orte des freien und kurzfristigen sexuellen Austauschs, nicht zuletzt in der homosexuellen Szene. Aus Angst vor AIDS wurden bastuklubbar 1987 verboten; das Gesetzt wurde jedoch 2004 wieder aufgehoben.

Im zweiten Weltkrieg versuchte Schweden, seine selbsterklärte Neutralität zu wahren. Damit meinte man nicht wirklich, neutral zu sein, sondern auf keinen Fall in den Krieg hineingezogen zu werden. Die damalige, wegen des Krieges zusammenberufene Allparteienregierung unter Per Albin Hansson gab zwar den populären Forderungen nach direkter Unterstützung an Nazideutschland nicht nach, machte aber an mehreren Stellen Zugeständnisse.

Am wichtigsten waren wohl die Transporte von Soldaten mit schwedischen Zügen, nachdem Deutschland 1940 Norwegen angegriffen hatte. Ein täglicher Zug über schwedisches Staatsgebiet, der neben deutschen Soldaten auch Munition und Kriegsgerät transportiere, wurde eingerichtet, doch auch das reichte nicht. Am 22. Juni 1941 begann das “Unternehmen Barbarossa”, der Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion, und in dessen Rahmen wollte die Wehrmacht eine ganze Division von Norwegen durch Schweden an die finnische Grenze zu Russland transportieren. Diese Anfrage und darauffolgende Diskussion in der schwedischen Regierung und dem Reichstag nennt man die Mittsommerkrise.

Denn obwohl die bürgerlichen Parteien eher nachgeben wollten, gab es viele Stimmen unter den Sozialdemokraten, die das Maß an Unterstützung für die Deutschen für voll hielten. König Gustav V. war für die Erlaubnis, sowohl um den Konflikt mit Deutschland zu vermeiden, als auch mit dem Gedanken an Hilfe für Finnland. Er mag den Ausschlag gegeben haben, immerhin hat er angeblich mit seinem Abtritt gedroht, sollte das Gesuch der Deutschen abgelehnt werden. Das hätte zu einer Spaltung der schwedischen Gesellschaft führen können. Ob es diese Drohung wirklich gab, ist ungewiss, aber es ist belegt, dass Per Albin Hansson sie in der Argumentation verwendete.

Der Transport wurde als Einzelfall genehmigt und die Division Engelbrecht passierte vom 25. Juni bis 12. Juli Schweden gen Osten, wo die meisten Mitglieder umkamen. Etwas ausführlicher über Schweden während des zweiten Weltkriegs kann man in der Wikipedia lesen und zur midsommarkrisen in der Nationalencyklopedin.

Wenn es jedes Jahr die gleiche Neuigkeit gibt, dass in Schweden der Tourismus wächst und dass Ferienhäuser beliebt sind, ist es dann noch eine solche?

Im anhörbaren Interview hinter dem zweiten Link erfährt man dann aber immerhin, dass nur fünf Prozent der Ferienhäuser in Schweden in ausländischer Hand sind, dass das vor allem Norweger und Deutsche sind – erstere vor allem, weil es billiger ist als daheim – und dass es weniger Konkurrenz zwischen Einheimischen und Käufern aus dem Ausland gibt als man vermuten könnte. Die Schweden sind nämlich am liebsten an der Küste, die Norweger recht nah an der Landesgrenze und die Deutschen irgendwo im Wald.

Tolles Lied, auf Radio Paradise zum ersten Mal gehört. Ane Brun ist Norwegerin und lebt in Stockholm.

YouTube-Link, Ane Brun bei Wikipedia

Hoffentlich finden sie kein Öl hier, dann hätten wir wirkliche Probleme.

So spricht ein alter Mann, dessen Dorf gerade von Kindersoldaten verwüstet wurde, im sehr sehenswerten Film Blood Diamond über Bürgerkrieg und Diamantenhandel in Sierra Leone.

In der Tat scheint Rohstoffreichtum oft eher Fluch als Segen zu sein und mir fiel unweigerlich dieses Zitat ein, als ich las, dass Schweden in der Ostsee bei Gotland Öl fördern will. Nächstes Jahr sollen Probebohrungen stattfinden und man erhofft sich, in absehbarer Zeit zwanzig Prozent des Eigenbedarfs für ebenso viele Jahre decken zu können.

Mit Blick auf den Nachbar Norwegen kann man aber wohl auch für Schweden hoffen, dass es diesen Schicksalsschlag aushält.

Eine der immer wiederkehrenden Fragen zu Schweden ist, wie viel teurer Lebensmittel hier eigentlich sind. Jetzt gibt es Zahlen zu 2006.

Ein folgt ein Auszug, wobei der EU27-Durchschnitt jeweils bei 100 liegt. Ein Wert von 120 in der Tabelle heißt also, dass etwas 20 Prozent teuer ist als im europäischen Durchschnitt.

Essen und nicht-alkoh. GetränkeDavonAlkoholTabak
Brot, Getreidep.FleischMilch, Käse, Eier
Deutschland1051081188782119
Schweden119131133104145119
Dänemark142150149116128115
Finnland120141119110170107
Norwegen158164182160229227


Die Preise in Deutschland sind also ziemlich nahe am EU-Durchschnitt. Schweden liegt deutlich darüber, aber weniger als die anderen beiden skandinavischen EU-Länder. Von Norwegen, das wie üblich die Statistik anführt, ganz abgesehen.

Es ist wieder einmal Zeit für eine Statistik: Schweden kam auf den dritten Platz in einer Studie, die Länder nach Wohlstand sortiert. Sinnvollerweise wird Wohlstand nicht nur materiell gemessen, sondern es flossen auch Faktoren wie Zufriedenheit, Wahlfreiheiten und Freizeit ein.

Auf Platz eins liegt – wie in den meisten Statistiken – Norwegen. Dann folgen die USA, Schweden und Österreich. Deutschland kommt auf Platz acht.

(via)

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