Seltsam

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Es ist ziemlich absurd, dass in Norwegen, dem reichsten Land Europas (der Welt?), zu Weihnachten die Butter ausgeht. Ursachen scheinen erhöhter Bedarf – mehr Fett und weniger Kohlehydrate sind im Trend, auch in Schweden – und schlechte Planung beim norwegischen Quasimonopolisten zu sein. Außerdem nimmt sich Norwegen als Nicht-EU-Land die Freiheit, die eigene Landwirtschaft mit Zöllen auf Importe zu schützen, was den Nachschub weiter erschwert.

Diese Zölle sind auch der Grund, warum jetzt tatsächlich Schweden im Nachbarland verhaftet werden, weil sie Butter schmuggeln. Bei über 30 Euro pro Pfund ist das lukrativ. Wenigstens können Schweden jetzt schadenfroh sein und einen gewissen Ausgleich dafür verspüren, dass sie dem Nachbarn und ehemaliger “Provinz” heute wirtschaftlich unterlegen sind und nicht selten für die einfacheren Arbeiten dort herangezogen werden, die kein Norweger mehr machen will. Immerhin hat man hier ordentliches Weihnachtsgebäck.

Wer die neue Flugverbindung Oslo – Karlstad nutzt, bekommt jetzt ein Kilo Butter geschenkt.

Nachtrag: Jetzt auch auf tagesschau.de

(irgendwie auch via fefe )

Der November war in großen Teilen Schwedens erstaunlich warm, um die 5 Grad im Durchschnitt, teilweise deutlich mehr. Das verwirrt einige Pflanzen, die denken es sei Frühling und zu blühen anfangen. Reife Himbeeren anstatt Nachtfrost in Stockholm, blühende Rapsfelder in Schonen und landesweit kein Schnee sind selten für diesen Monat. Dennoch – wie Radio Schweden es so schön ausdrückt – besteht “kein Grund zur Unruhe”.

Ehrlich gesagt habe ich nicht das geringste dagegen, wenn der Schnee noch ein wenig auf sich warten lässt. Ich verlängere einfach die Lauf-, anstatt die Langlauf- und Schlittschuhsaison anzubrechen. Und der Sturm pünktlich zum ersten Advent hat es vielerorts schon weniger mild und angenehm werden lassen.

Videolink

Jeder dritte Schwede will die Alkoholsteuer erhöhen. Nur noch jeder fünfte will sie senken. Vor nur fünf Jahren wollten dies noch ganze 57 Prozent. Außerdem ist die Zahl derer, die Alkoholverkauf im Supermarkt befürworten von der Hälfte auf ein Drittel gesunken.

Ein wenig verwundert mich die große Veränderung in der Statistik in so kurzer Zeit. Ich erinnere mich an keine besonders ausgeprägte öffentliche Debatte zum Thema. Die Politik will auf jeden Fall die Gelegenheit beim Schopfe packen und im Herbst die Alkoholsteuer erhöhen.

Morgen ist midsommarafton und natürlich wird da beim Feiern auch einiges getrunken. Doch man muss vorbereitet sein, denn Nachschub kaufen ist nicht. Alle Systembolag haben morgen und übermorgen geschlossen.

Das ist ein wichtiger Aspekt des schwedischen Alkoholmonopols, der hierzulande oft betont, von Besuchern jedoch meist übersehen wird. Die Einschränkung der Verfügbarkeit ist Absicht! Wenn man im voraus planen muss, durchdenkt man im nüchternen Zustand wie viel man trinken wird und ist dann notwendigerweise gezwungen, sich daran zu halten. Dass ein Fest unerwartet ausartet und man angetrunken Nachschub holt, wird verhindert. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass sich Leute nicht betrinken und Feste nicht ausarten, sondern nur, dass das dann volle Absicht ist und gut vorbereitet.

Ab und an muss auch ich noch schwedische Worte nachschlagen. Eben habe ich zum Beispiel gelernt, dass “Klinkenstecker” hierzulande teleplugg heißen. Plugg sind allgemein Stecker, wie im Englischen, und der Vorsatz “tele” kommt von den alten Telefon-Vermittlungsstellen, bei denen diese Stecker zuerst Verbreitung fanden.

Lustigerweise muss ich immer öfter in die andere Richtung das Lexikon (oder die Sprachen-Links der Wikipedia) bemühen. Neulich wollte mir partout nicht einfallen, was berg- och dalbana auf Deutsch heißt. Achterbahn.

2011-06-15 | 4 Kommentare

Flussfahrrad

Unzählige Räder landen jedes Jahr im Fluss Fyrisån in Uppsala.

Dass Blocket in Schweden der Platzhirsch der Kleinanzeigen ist, hatten wir schon und auch ich habe dort schon ein paar Mal etwas ge- oder verkauft – zuletzt ein paar Langlaufskier. Dass die Seite allerdings so groß ist, war mit nicht bewusst: Die 212 Milliarden Kronen (≈ 24 Mrd. Euro) Umsatz 2010 machten über 6 Prozent des schwedischen Bruttonationalprodukts aus. Tendenz steigend. Das sind 23.000 Kronen pro Kopf (!), was sicherlich dadurch zustande kommt, dass auch teure Dinge wie Autos dort verkauft werden und den Schnitt anheben.

Volkswirtschaft ist spannend. Diesen Satz hätte man noch vor ein paar Jahren zwar nicht von mir zu hören bekommen, aber je mehr man darüber liest und glaubt zu verstehen, desto interessanter wird das Thema. Leider wird viel Schindluder mit den Zahlen und Statistiken getrieben; zum Beispiel las man zuletzt, dass die deutsche Wirtschaft rekordschnell wächst, während die USA schwächeln.

Dieser Eindruck mag entstehen, wenn man immer nur auf das relative Wachstum im Vergleich zum Vorjahr oder -quartal schielt. Wenn man stattdessen einmal die absolute Wirschaftsleistung aufträgt, z.B. die Entwicklung seit Anfang 2008, dann sieht das so aus:

BNP-Entwlicklung

Daran sieht man, dass die USA, obwohl die Finanzkrise und die Blase am Wohnungsmarkt dort anfingen, weniger stark eingebrochen sind als Europa, und dass Deutschland mit seiner auf den Export von hochwertigen Produkten orientierten Wirtschaft besonders stark schrumpfte. Die dieser Tage so hochgelobten drei-komma-irgendwas Prozent Wachstum sind der letzte Zacken nach oben in der roten Kurve. Dass das BNP damit jetzt immer noch zweieinhalb Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau liegt und damit doppelt so weit unter diesem wie das der USA, bekommt man eher selten zu lesen. Arg verwunderlich ist deshalb das starke relative Deutsche Wachstum nicht, denn es wird lediglich ein Teil des Bodens wieder gut gemacht, der zuvor verloren wurde, und zwar nicht aus eigener Kraft sondern dank dem Rest der Welt, der wieder deutsche Produkte kauft.

In ähnlicher Weise gilt das auch für Schweden, das genau wie Deutschland stärker als der Rest von Europa einbrach und dessen Kurve in der obigen Grafik der deutschen sehr ähnelt. Nichtsdestotrotz schafft es die bürgerliche Regierung hier, ein generell positives Bild der Wirtschaft zu vermitteln, was ihnen als Fortsetzung des Bildes vom guten Krisen-Manager im Wahlkampf sehr gelegen kommt und einen Regierungswechsel unwahrscheinlicher macht als wenn schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft kämen.

Die obigen Daten kommen von Eurostat und die Idee von Paul Krugman.

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