Sprache

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Schwedische Kreuzworträtsel finde ich unheimlich schwer, nicht zuletzt weil dort oft mit Doppelbedeutungen und weit hergeholten Wortspielen gearbeitet wird. Deshalb hielt sich meine Begeisterung in Grenzen als letztes Jahr jeder anfing, Wordfeud zu spielen. Diese App fürs schlaue Telefon (auch iOS) lässt einen in Scrabble (Worte aus vorgegebenen Buchstaben legen) gegen jeweils einen Gegner (Freund oder zufälliger Mensch) antreten. Man spielt mehrere Spiele gleichzeitig und dank des großzügigen Zeitlimits für den nächsten Zug ist Wordfeud gut als gelegentlicher Zeitvertreib geeignet – in der U-Bahn sieht man viele damit.

Dieser Tage habe ich es dann doch einmal selbst probiert. Und siehe da! Es geht besser als erwartet, was ich darauf zurückführe, dass es genug Schweden gibt, die sich mit der Kenntnis ihrer eigenen Sprache nicht gerade zu brüsten brauchen. Außerdem lernt man ein paar seltenere Wörter, wenn man an jemand Guten gerät. Wer will, findet mich in Wordfeud durch Suche nach meinem Namen…

Am Samstag war es dann endlich soweit. Håkan Juholt, seit letzten April Parteichef der schwedischen Sozialdemokraten, ist zurückgetreten, nachdem die Diskussionen um ihn und seine Fehler nicht abrießen und die Partei immer mehr in Mitleidenschaft zogen. Von Woche zu Woche sanken die Umfragewerte auf immer neue historische Tiefstände, zuletzt unter 25 Prozent.

Die Affäre um die Wohnungszuschüsse hat sicherlich zum Vertrauensverlust in Juholt beigetragen, aber der Tropfen, der schließlich das Fass zum überlaufen brachte, war ein weiterer Juholtare. Dieses Wort hat es in die Liste der neuen Worte des vorigen Jahres geschafft und bedeutet förhastat uttalande som man snart tvingas backa på, also eine übereilte Aussage, die man bald darauf zurücknehmen muss. Die letzte solche in einer langen Reihe machte Juholt in einer Rede zur Verteidigungspolitik, die eigentlich seine Stärke darstellte; er saß jahrelang im entsprechenden Ausschuss. Juholt behauptete, die Regierung habe zusammen mit den Schwedendemokraten – wir erinnern uns: die rechtsextreme Partei sitzt seit der letzten Wahl im Reichstag und die Regierung hat dort keine eigene Mehrheit – die Reform der schwedischen Streitkräfte durchgesetzt. In Wirklichkeit geschah dies vor der letzten Parlamentswahl.

Ob solche Fehler oder widersprüchliche Aussagen zu Libyen-Einsatz, Schatten-Budget oder EU-Stabilitätspakt Juholts Rücktritt objektiv rechtfertigten, ist schwer zu beurteilen. Unbestritten ist, dass Juholts Hin und Her, Entschuldigungen und Zurückrudern zur unendlichen Geschichte wurden und in der Öffentlichkeit zu Juholts Markenzeichen. Ich kann mir vorstellen, dass so etwas schwer zu reparieren ist.

Eine weitere Person hat übrigens ihren Namen in den Neologismen hinterlassen: Nach Terje Hellesø bedeutet das Verb terja, ein Foto in betrügerischer Absicht zu manipulieren.

Neulich gelernt: Das Wort Moped, das von vielen Sprachen übernommen wurde, entstammt der Phantasie des schwedischen Journalisten Harald Nielsen, der Motor und Pedal zusammensetzte.

2012-01-09 | Keine Kommentare

Die Svenska Akademiens ordlista (SAOL), das schwedische Pendent zum Duden, gibt es jetzt als offizielle “App” für Android und iOS. Ein wenig arg grau, aber was die Funktionalität angeht gelungen!

2011-11-24 | Keine Kommentare

¤

Wer weiss, ohne nachzuschlagen, wofür das Zeichen ¤ steht, das auf schwedischen Tastaturen mit Umschalt-4 ziemlich prominent liegt? Und wie es umgangssprachlich auf Deutsch bzw. Schwedisch genannt wird?

Wer schon immer wissen wollte, dass mönsterbakplan auf Englisch “multilayer wiring unit”, auf Französisch “fond de panier multicouche”, auf Spanisch “unidad de cableado multicapa” und auf Deutsch “Mehrlagenverdrahtungseinheit” heisst, der wird in Ericssons Wortliste der Telekommunikation von 1992 fündig, die das Projekt Runeberg jetzt eingescannt hat.

Das Projekt Runeberg, benannt nach dem finnlandschwedischen Schriftsteller, ist das nordische Pendant zum Projekt Gutenberg.

Seit kurzem gibt es da ein Schwedisch-Deutsches Wörterbuch in gescannter Form, und zwar das von Carl Auerbach (3. Auflage von 1920), das bis 1959 nachgedruckt wurde. Mit 1529 Seiten ist es das wohl umfassendste schwedische Übersetzungswörterbuch, das je geschrieben wurde.

SL Streifenkarte

Remsa bedeutet “Streifen”, also wenn etwas materiell in Streifen ist, Streifen in Mustern heißen ränder. Remsa wird auch die “Streifenkarte” für öffentliche Verkehrsmittel genannt und um die soll es hier gehen, genauer gesagt in Stockholm.

Ich kann mir denken, dass er altmodisch erscheint, dieser längliche Papierstreifen mit 16 Feldern, von denen per Stempel zwei bis vier Stück pro Fahrt entwertet werden, je nach dem ob man in einer, zwei oder drei Zonen des Stockholms Lokaltrafik (SL) unterwegs ist. Schließlich ist doch alles andere so hochtechnisiert in Schweden. Seit ein paar Jahren werden die anderen Tickets wie Tages-, Wochen- und Monatskarten auf berührungslose Plastikkarten geladen, die man man an der Sperre im Vorbeigehen an die Lesefläche hält. Es ist geplant, dass diese Karten bald auch die Remsa ersetzen, dies verspätet sich jedoch bis mindestens nächstes Jahr.

Das ist auch kein Wunder, denn die gute alte Streifenkarte hat einige Vorteile, die sich nur schwer auf die elektronische Karte, die man dann mit einem beliebigen Betrag auflädt, übertragen lassen:

  1. Einfachheit – jeder, inklusive Touristen und älteren Menschen, verstehen das System.
  2. Man sieht, wie oft man noch Fahren kann, bis man nachkaufen muss. Ohne an einen Automaten zu gehen.
  3. Die drei Zonen im SL-Gebiet machen keine Probleme, doch woher soll die Sperre an der U-Bahn wissen, wohin ich will und wieviel sie abbuchen soll?
  4. Man kann zu mehreren auf dem gleichen Streifen fahren.
  5. Streifenkarten sind außerdem anonym und ausfallsicher.

Punkt 2 und 3 sind bei Bussen weniger ein Problem, denn die Lesegeräte dort haben eine Anzeige und man könnte per Knopfdruck oder Kommunikation mit dem Fahrer das Zonenproblem lösen. So ist das zum Beispiel problemlos in Uppsala mit einer ähnlichen Karte für die Busse gelöst, inklusive der Punkte 4 und 5a. Doch die Stockholmer U- und S-Bahnsperren haben keine Knöpfe oder Anzeigen, sondern sind auf hohen Durchsatz ausgelegt. Ich vermute, dass man mit dem künftigen Streifenkartenersatz auch nicht um den Menschen hinter der Glasscheibe herumkommt, den es hier noch an jeder Station hat. Und dann wäre nicht einmal dem einzig wirklichen Nachteil der Remsa abgeholfen, nämlich dass man am Schalter mit Stempeln mehr Zeit braucht.

Wir werden sehen, ob der Nachfolger der vielgeliebten Remsa brauchbar wird, oder ob man Leute zum ein Drittel teureren SMS-Fahrschein bringen will. Vorerst bleibt Stockholm die Streifenkarte erhalten. Am ersten September hebt SL übrigens die Preise an, auch für die Remsa. Das führt dann immer zu Hamsterkäufen, denn die alten Streifen bleiben bis Jahreswechsel gültig.

Ab und an muss auch ich noch schwedische Worte nachschlagen. Eben habe ich zum Beispiel gelernt, dass “Klinkenstecker” hierzulande teleplugg heißen. Plugg sind allgemein Stecker, wie im Englischen, und der Vorsatz “tele” kommt von den alten Telefon-Vermittlungsstellen, bei denen diese Stecker zuerst Verbreitung fanden.

Lustigerweise muss ich immer öfter in die andere Richtung das Lexikon (oder die Sprachen-Links der Wikipedia) bemühen. Neulich wollte mir partout nicht einfallen, was berg- och dalbana auf Deutsch heißt. Achterbahn.

2011-06-15 | 4 Kommentare

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