Veranstaltung

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Globen

Ich sehe ihn zwar jeden Morgen vom Frühstückstisch aus; drinnen im größten kugelförmigen Gebäude der Welt, dem Globen im Süden Stockholms, war ich jedoch noch nie – bis gestern Abend. Die mit 15.000 Menschen an den hohen Rängen und auf dem “Parkett” vollbesetzte Arena war durchaus beeindruckend. Und der Anlass des Kommens erfüllte auch die Erwartungen: Depeche Mode spielten.

Am Freitag eröffnet auf dem Globen eine neue “Attraktion” Stockholms. Man kann in einer Glasgondel außen an der Kugel entlang hochfahren und sich von da die Stadt von oben angucken. SkyView nennt sich das dann.

Und jetzt noch ein Video-Ausschnitt des Konzerts von gestern: Klick »

Goldkäfer

Gestern Abend fand die jährliche Verleihung des Guldbagge (“Goldkäfer”) statt – des wichtigsten schwedischen Filmpreises, vergeben vom schwedischen Filminstitut.

2009 war ein sehr erfolgreiches Filmjahr für schwedische Filme und die guten Besucherzahlen haben Geld in die filmfördernden Institutionen gebracht. Verdanken ist das nicht nur, aber auch nicht zu geringen Anteilen der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Deren erster Teil, Män som hatar kvinnor, hat denn auch den Goldkäfer für den besten Film eingeheimst. Zusätzlich wurde Hauptdarstellerin Noomi Rapace als beste weibliche Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Letzteres war keine Überraschung. Dass die Jury jedoch auch beim besten Film ganz auf die Linie des Publikums einschwenkte, anstatt einen der starken Konkurrenten wie I taket lyser stjärnor oder Flickan zu belohnen, erntete ein wenig Kritik. Als bester ausländischer Film wurde der schon viel gerühmte deutsche Film Das weiße Band ausgezeichnet, den ich hoffentlich bald zu sehen bekomme.

Heute Abend werde ich jedoch erst einmal den letzten Teil der Millennium-Trilogie im Kino anschauen: Luftslottet som sprängdes (“Das gesprengte Luftschloss”). Für den scheint der deutsche Titel und Kinostart noch nicht festzustehen, aber in zwei Wochen läuft der zweite Teil (Flickan som lekte med elden, wörtlich “Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte”) unter dem Titel Verdammnis in Deutschland an.

Wir hatten gestern abend das Vergnügen, The Real Group live im Stockholmer Konzerthaus zu sehen. Das Ensemble, das seit 25 Jahren ein breites musikalisches Spektrum a capella auführt, hat meine schon hohen Erwartungen deutlich übertroffen. Mit richtig beeindruckenden Stimmen (nicht zuletzt der Bass von Anders Jalkéus), einer gesunden Portion Humor und Musik von Mozarts 40., einem Country-Stück, jede Menge eigener Lieder, die die Jazz-Wurzeln durchscheinen ließen, bis zu Oops, I did it again und einem Michael Jackson-Medley in der Zugabe, brachten die fünf den Konzertsaal zum Toben – trotz des eher hohen Altersdurchschnitts im Publikum.

Selbst reinhören kann man auf Last.fm und auf der Band-Homepage.

Kommendes Wochenende gibt die Real Group zwei Konzerte im Wiener Metropol und ich kann sehr empfehlen, dass sich noch um Karten bemüht, wer in der Gegend wohnt.

Mit dem wunderbaren Stück Gøta endete der gestrige Abend:

Videolink
Wikipedia-Link
The Real Community

Das Akronym HBT (gesprochen “hohbehteh”) steht für homosexuella, bisexuella och transpersoner, was wohl keiner Übersetzung bedarf. HBT ist damit das schwedische Pendant zur internationalen Abkürzung LBGT und durchaus gebräuchlich.

Die größte HBT-Veranstaltung des Nordens ist Stockholm Pride, das gerade zu Ende gegangen ist. Mit über 700 Programmpunkten in einer knappen Woche war das Festival sehr sichtbar. Der Kungsträdgården wurde zum Pride Garden, das große Kulturhuset am Sergels Torg zum Pride House und der Tantolunden auf Södermalm zum Festivalgelände Pride Park. Seminare, Diskussionsrunden mit Prominenten, Konzerte, Ausstellungen und natürlich jede Menge Feste – es sollte für jeden etwas dabei sein und das diesjährige Thema “Hetero” hat nicht nur in der Szene für Gesprächsstoff gesorgt, wie die Hetero-Norm unser aller Leben beeinflusst.

Ich hatte das Vergnügen, für die paar Tage ein lesbisches Pärchen aus Uppsala zu beherbergen, das mich überallhin mitnahm. Ich habe lange nicht mehr so viel getanzt und gelacht. Höhepunkt war zweifelsohne die Parade am Samstag Nachmittag. Dort sah man nicht nur die politischen Parteien inklusive Parteichefs und Ministern vertreten, sondern über 100 angemeldete Gruppen, von den “stolzen Eltern” bis zur schwedischen Kirche, die sehr schön zeigten, dass Schweden eines der Länder ist, in denen Beziehungen abseits der alten Normen am weitesten in der Gesellschaft angekommen sind und von großen Teilen der Bevölkerung als völlig normal angesehen werden.

Wir reihten uns in die 30.000 Leute ein, die die Parade mitliefen, und zogen hinter dem Wagen mit der lautesten Musik drei Stunden lang tanzend an 350.000 Zuschauern (von Kindern bis Senioren) vorbei – vom Humlegården über den Sergels Torg, durch die Altstadt und Södermalm.

Bilder gibt es unter anderem beim SvD oder im Pride-Blog des Aftonbladet.

Noch bis Sonntag ist im Modernen Museum auf dem Skeppsholmen in Stockholm die bisher größte Ausstellung mit Fotos von Andreas Gursky zu sehen. Nichts wie hin, wer gerade in der Gegend ist.

2009-04-28 | 2 Kommentare

Darüber dass Uppsala ein renommiertes Kurzfilmfestival hat, habe ich schon in den letzten beiden letzten Jahren geschrieben. Jetzt ist es wieder so weit. Ich werde für ein paar Tage einen französischen Regisseur beherbergen und habe dafür freien Eintritt die ganze Woche. Die erste der 14 (von total 96) anderthalbstündigen Sessions, für die ich mir Karten geholt habe, habe ich gestern Abend gesehen. Darin wurden Kurzfilmklassiker von den 30ern bis 80ern gezeigt. Jede Session hat 5-9 Filme und die große Mehrheit davon ist neu; schließlich nehmen die beiden Wettbewerbe (schwedisch und international) ein Großteil der Woche in den vier Kinos in Anspruch. Schwerpunkt des Festivals ist dieses Jahr “norwegischer Humor” und wie immer fällt die Auswahl aus dem fantastischen Programm schwer. Meine Freizeit bis Sonntag ist also ausgebucht.

Wie nennt man, wenn sich neuntausend Menschen, aufgeteilt in achtzehnhundert Mannschaften à fünf Personen, im Norden Stockholms treffen, um nacheinander jeweils fünf Kilometer zu rennen? Bellmanstafetten, also ein Staffellauf mit Bellman als Namenspatron.

Diese Veranstaltung gibt es schon eine ganze Weile und die Mehrheit der Mannschaften kommt von Firmen, die ihre Mitarbeiter zu solchen Aktivitäten ermuntern. Zum Beispiel stellte heute Nachmittag zur heurigen Auflage die Bank SEB über 60 Teams und Karolinska gut 80. Wir selbst brachten zwei Mannschaften an den Start, mit den Fantasienamen Vakthummer und Hummervakt, aus dem weiteren Freundschaftskreis zusammengewürfelt, selbstgemalte T-Shirts inklusive.

Es gibt eine Vielzahl solcher Rennen jeden Sommer in schwedischen Städten. Diese ziehen bei weitem nicht nur routinierte Läufer an und sind in der Regel sehr gut organisiert. Der Chip zum Zeitmessen ist in die Startnummer integriert und man kann noch am gleichen Abend seine Zeit im Internet nachschauen. Für die Wartenden und die Zeit nachdem der letzte Läufer eines Teams im Ziel ist, bekommt man eine reichlich gefüllte Picknicktasche ausgehändigt. Den Sekt zur Selbstbeweihräucherung muss man aber doch selbst mitbringen.

Ich verfehlte mein Ziel von fünfundzwanzig Minuten für die fünf Kilometer um weniger als eine Minute, werde aber sicherlich morgen dafür büßen müssen.

Hätte ich vorab davon gewusst, wäre ich vielleicht hingefahren: Gestern nachmittag haben sich etwa tausend Menschen, aufgeteilt in zwei Gruppen, eine riesige Wasserschlacht in Stockholm geliefert.

Das Ganze war Teil des Straßenfestes “Go08”, das anlässlich des Datums 080808 gefeiert wurde. Dazu muss man wissen, dass die Telefonvorwahl der schwedischen Hauptstadt 08 ist und dass “Null-Acht” (schw. noll-åtta) eine liebevoll-abschätzige Bezeichnung der Hauptstädtler ist.

Ausgedacht und organisiert wurde der Wasserkrieg, der eigentlich in der Altstadt stattfinden sollte, aber von der Polizei dann doch ins Gärdet verlegt wurde, über die Online-Platform Facebook, bei der über eine Million Schweden Mitglied sind.

Das schon erwähnte Sommerwetter mit rund 25 Grad hält immer noch an soll auch im Laufe der Woche nicht schlechter werden. Und schon ist das Brandrisiko (Karte) in Südschweden wieder auf der höchsten Stufe und in Norrland brennt der Wald.

Ich habe das Wochenende wie viele andere mit Grillen und einer Fahrradtour verbracht. Außerdem war ich am Samstag in Stockholm zum Fotografieren. Es fand nämlich der Stockholm Marathon statt, der die 15.000 Läufer zwei Mal rund um die Stadt führt – eine gute Gelegenheit, sich an beweglichen Motiven zu versuchen. Am Ende des Artikels sind ein paar Beispielbilder.

Wie man einen Marathon laufen kann, ist mir relativ unbegreiflich. Mit der Spitzengruppe hätte ich keine hundert Meter mithalten können. Nichtsdestotrotz werde ich schon morgen selbst an einem Lauf teilnehmen, dem Blodomloppet. Der ist mit fünf oder zehn Kilometern (mir reichen fünf) zwar weniger prestigeträchtig, hat dafür aber einen lustigen Namen: Blodomloppet bedeutet auf Deutsch “Blutkreislauf” – das Wortspiel funktioniert in beiden Sprachen. Es sind die Blutbanken, die diesen Lauf in mehreren schwedischen Städten organisieren.

Jetzt noch zu den Marathonbildern »

Mein Eindruck ist, dass der Irak in Deutschland noch mehr aus den Medien verschwunden ist als in Schweden. Durch die vielen irakischen Flüchtlinge im Land hat das Thema hier eine gewisse Dauerhaftigkeit erlangt. Zur Zeit ist es zusätzlich aktuell, weil morgen in Stockholm, genauer gesagt in Upplands Väsby zwischen der Stadt und dem Flughafen Arlanda, eine große internationale Konferenz über den Irak stattfinden wird.

Ein Großteil der irakischen Regierung kommt, inklusive Premierminister. Ebenso UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und viele EU-Außenminister, die sich sogar vorweg auf eine gemeinsame Linie geeinigt haben. Auch die Außenminister der USA und des Iran werden dort sein – ob sie miteinander reden bleibt abzuwarten.

Dass mit dem großen Polizei- und Sicherheitsaufgebot mit Verkehrsbehinderungen in und um Stockholm gerechnet wird, dürften die meisten gelassen hinnehmen. Dass Schweden aktiv versucht, eine Mittlerrolle einzunehmen, wird allgemein als positiv empfunden.

Bisher habe ich auf Deutsch nur diese Reuters-Meldung zum Thema gefunden, aber das wird wohl morgen mehr. Bis dahin noch ein paar
schwedische Links

Wer Schwedisch kann und sich für den Irak interessiert, dem seien auch die entsprechenden Folgen des tollen Radioprogramms Konflikt aus den letzten Monaten ans Herz gelegt.

Nachtrag 080529: Tagesschau.de berichtet
Nachtrag 080602: Es war angeblich ein Erfolg

Rebusar sind (Bilder-)Rätsel und eine rally ist eine Rallye. Was man sich unter einer Rätselrallye vorzustellen hat, werde ich im Folgenden zu erklären versuchen. Ich war nämlich am Samstag bei einer dabei und zwar bei der 87. Rally Monte Carl.

Die RMC findet jedes Semester statt und wird von einer der Studentnationen hier in Uppsala veranstaltet, in diesem Fall von Värmlands. Ganz nationstypisch ist die Rallye eine Mischung aus akademischem Anspruch und fröhlichem Blödsinn. Jedes Team besteht aus mehreren Leuten mit Fahrzeug, in der Regel ein mit 9 Leuten vollbesetzter Minibus. Gut 20 solcher Teams brechen morgens um 6 Uhr auf, um den ganzen Tag lang Rätsel zu lösen, die sie durch die weitere Umgebung von Uppsala führen.

Das läuft so ab, dass man an jeder Station einen Zettel mit dem Rätsel bekommt. Die Lösung ist dann der nächste Ortsname, zu dem man fahren muss. Und die Rätsel haben es in sich. Sprachwitz, um die Ecke denken und geschickte Zuhilfenahme der Dinge von der Ausrüstungsliste sind gefragt. Rätselbeispiele am Ende des Artikels. Kommt man nicht auf die Lösung, hat man mehrere Möglichkeiten: Man kann zum Beispiel die Notlösung aus dem versiegelten Kuvert aufreißen. Tut man dies, bekommt man Strafpunkte und diese gilt es natürlich generell zu vermeiden. Die schwereren Rätsel haben auch ein Hilfe-Kuvert, dessen Inhalt einen auf den richtigen Weg zur Lösung bringen kann und nicht so viele Punkte kostet wie die Lösung. Selbst wenn man gezwungen war, das Lösungskuvert zu öffnen, gilt es immer noch das Rätsel zu verstehen, denn es müssen auch schriftliche detaillierte Beschreibungen des Lösungswegs eingereicht werden. Lässt man das bleiben, gibt es wieder Punkte.

Damit wird die zweite Möglichkeit weiterzukommen weniger vorteilhaft, nämlich sich an eines der anderen Teams zu hängen und zum nächsten Rätsel hinterherfahren, wenn man selbst steckengeblieben ist. Es kam vorgestern einige Male vor, dass an der ersten Weggabelung nach einem neuen Rätsel eine ganze Gruppe mit Minibussen stand, die nur darauf wartete, dass das erste Team es löst oder aufgibt und das Lösungskuvert öffnet. Versuche, die anderen zu verwirren, gehören dann natürlich auch dazu.

Nach jedem Viertel der Gesamtstrecke, also nach je etwa 5 Rätseln, kommt man zu einer bemannten Kontrolle, wo man seine Lösungen abgibt und wo die Zeit für eine Pause angehalten wird. Hat man zu lange gebraucht gibt das auch Punkte, aber es geht nicht wirklich um ein Rennen auf Zeit. Sowohl positive als auch negative Abweichungen von der großzügig bemessenen Idealzeit sind schlecht. Es ist wichtiger, die Rätsel zu lösen und alle möglichen Punkte zu vermeiden, als schnell zu fahren. Wärhend der Pausen muss man als Team noch andere Aufgaben lösen, die natürlich wiederum in die Punktewertung einfließen. Das Spektrum der Spiele reichte von Schach bis Süßigkeitenzielspucken.

Zwei weitere Möglichkeiten, Punkte abzubauen waren die Spielkarten (das Thema dieses Semester waren Karten und Asse), die vereinzelt am Straßenrand verteilt waren und nach denen man ebenso Ausschau halten musste wie nach den Dingen, von denen man beim Start Fotos bekam und deren Koordinaten aufzuschreiben waren. Selbst wenn man die Aufgaben im Minibus geschickt verteilt, haben alle den ganzen Tag zu tun und man kommt spätnachmittags erschöpft am Ziel an.

Abends essen (und trinken) dann die knapp 200 Teilnehmer zusammen im Nationshaus, die Rätsel werden aufgelöst und die Preise vergeben. Die wichtigste Platzierung ist dabei nicht der erste Platz, sondern welches Team am höchsten liegt, das noch keine Rallye vorbereitet hat. Dieses ist nämlich im kommenden Semester dran mit Ausrichten und das ist richtig viel Arbeit. Wir kamen 4 Plätze unter dieses Team, also lagom. Die Motivation und Einstellung der Mannschaften ist sehr unterschiedlich und reicht von Mittvierzigern, die seit Ewigkeiten dabei sind und es aufs Gewinnen anlegen, bis zu weniger seriösen wie meinem Team, das vor allem Spaß an der Sache haben wollte und natürlich auch hatte.

Ich kann jedem, dem sich die Möglichkeit bietet, nur empfehlen, an so einer Rebusrally teilzunehmen. Meine Beschreibung wird dem Geschehen sicher nicht gerecht. Und jetzt endlich zum Wichtigsten der Rebusrally, den Rätseln. Bittesehr »

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