Wenn kein Schnee liegt, müssen die Rollskier herhalten. Auch in der Götgatan zur Haupteinkaufszeit.
Artikel mit dem Schlagwort Wetter.
Der November war in großen Teilen Schwedens erstaunlich warm, um die 5 Grad im Durchschnitt, teilweise deutlich mehr. Das verwirrt einige Pflanzen, die denken es sei Frühling und zu blühen anfangen. Reife Himbeeren anstatt Nachtfrost in Stockholm, blühende Rapsfelder in Schonen und landesweit kein Schnee sind selten für diesen Monat. Dennoch – wie Radio Schweden es so schön ausdrückt – besteht “kein Grund zur Unruhe”.
Ehrlich gesagt habe ich nicht das geringste dagegen, wenn der Schnee noch ein wenig auf sich warten lässt. Ich verlängere einfach die Lauf-, anstatt die Langlauf- und Schlittschuhsaison anzubrechen. Und der Sturm pünktlich zum ersten Advent hat es vielerorts schon weniger mild und angenehm werden lassen.
Angeblich hat man heute Abend gute Chancen, Nordlichter in etwas südlicheren Breiten als üblich zu sehen. Hier in Stockholm hat es zur Zeit noch klaren Himmel und es lohnt sich vielleicht, die Augen nach oben zu richten.
Gestern war Herbstanfang; zumindest hab ich das in der Schule so gelernt, dass die Jahreszeiten anhand der vier astronomischen Fixpunkte definiert sind, also kürzester und längster Tag sowie die beiden Gleichstände. Siehe auch. Es ist auch irgendwie sinnvoll, dass diese Tage den Anfang der zugehörigen Jahreszeit markieren, denn das Klima ist träge und die wärmste bzw. kälteste Zeit kommt immer erst ein paar Wochen nach dem längsten bzw. kürzesten Tag.
Hierzulande wird man dagegen verständnislos angesehen, wenn man behauptet, die Jahreszeiten fingen jedes Jahr zur gleichen Zeit an. Die meteorologische Definition, nicht die astronomische, ist nämlich hier die gebräuchlichere. Das SMHI (Sveriges meteorologiska och hydrologiska institut) gibt da den Standard vor:
- Frühling ist, wenn die Tagesdurchschnittstemperatur sieben Tage in Folge über dem Gefrierpunkt liegt (jedoch nicht vor dem 15. Februar). Das heißt unter anderem, dass man erst im Nachhinein sagen kann, wann der Frühling kam, und dass es üblicherweise von Ende Februar bis in den Mai dauert, bis die neue Jahreszeit vom Süden des Landes bis ganz in den Norden vordringt.
- Der Sommer kommt, wenn das Tagesmittel über 10 Grad liegt, fünf Tage nacheinander.
- Wenn die Tagesdurchschnittstemperatur fällt und zwischen 0 und 10 Grad liegt, dann ist Herbst.
- Und wenn sie dauerhaft Minusgrade hat, Winter.
Besonders wichtig unter diesen Definitionen ist die erste, denn jeder sehnt sich nach dem langen dunklen Winter dem Frühling entgegen. Dann sieht man regelmäßig Karten wie diese in den Zeitungen, die anschaulich machen, wie weit der Frühling schon vorgedrungen ist.
Wenn man vor zwei Wochen im Plausch mit Schweden gesagt hätte, dass die Tage ja schon wieder merklich kürzer geworden sind, hätte man wahrscheinlich nur ein wortkarges “mmmmhhh” als Antwort bekommen. Denn da wollte es noch niemand wahr haben und auf keinen Fall daran erinnert werden. Verdrängung ist Trumpf! Schließlich dauert es etwa acht Monate bis man das nächste Mal kurzärmelig vor die Tür kann. Je näher der September kommt und je kühler sich die Luft auch an sonnigen Tagen wie heute anfühlt, desto mehr findet man sich damit ab und kann es bald auch laut sagen: Sommaren närmar sig sitt slut, der Sommer neigt sich seinem Ende entgegen.
Seit einer guten Woche hat es hier typisches Mittsommerwetter. Das heißt es wechselt sehr schnell und mehrmals täglich zwischen Sonne und Wolken, hier und da Schauer, um die zwanzig Grad, also nicht wirklich kurze-Hosen-Wetter. Heute sagen sowohl SMHI als auch Yr für Freitag (den midsommarafton) keinerlei Regen voraus. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe, denn bisher hat sich der Spruch für mich immer bewahrheitet, dass es an Mittsommer immer regnet, zumindest kurz.
Da kommt man aus dem kühlen und regnerischen Belfast zurück und erfährt, dass man eine Woche mit tollem Wetter (an die 30 Grad in Stockholm) daheim verpasst hat. Typisch. Ich hoffe sehr, dass es das nicht war für diesen Sommer!
Da dachte man schon, man hätte diejenige Hälfte des Jahres erreicht, in der das nicht mehr vokommt. Doch vor unserem Fenster fällt der Regen gerade etwas zu langsam. Und zu weiss.
Sobald der Schnee geschmolzen ist (Reste können ruhig noch liegen) und die ersten spürbaren Sonnenstrahlen ankommen, zieht es hier jeden nach draußen. Ich war gerade am See entlang laufen und musste schmunzeln, als ich gleichzeitig Eisreste auf dem Wasser und Jogger in kurzen Hosen im Blickfeld hatte. Mich inklusive.


Zuletzt kommentiert
Ronny, Kristina
Thomas, Thomas, Kristina
Raphael
Thomas, Marina, Jonas
Jonas
Jonas, Exilgolfer, Thomas, Alex B, Thomas, Christian Tennigkeit