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Rasrisk

Wovor warnt dieses Schild?

Rasrisk besteht aus ras und risk, wobei letzteres, unschwer zu erraten, “Risiko” bedeutet. Ras kann zweierlei sein: “Rasse” oder “Sturz, Einsturz, Lawine”. Was gemeint ist, kann man entweder am grammatikalischen Geschlecht des Wortes erkennen oder muss es sich – wie hier, wo man dieses nicht sieht – aus dem Zusammenhang ableiten.

Zur Zeit wird in Stockholm selbstverständlich nicht an jedem zweiten Haus vor einem “Rassenrisiko” gewarnt, sondern vor herabfallendem Eis und Schnee.

Eiszapfen Mit Minusgraden seit Mitte Dezember und regelmäßig mehr Schnee fällt so einiges von den Dächern der Stadt und ich bin erst heute wieder von einem Passanten angesprochen worden, weil er fand, ich ginge zu nah an der Hauswand. Ihn habe erst dieser Tage ein Eiszapfen an der Jacke gestreift.

An bekannten Stellen werden Schilder wie das obige aufgestellt und teilweise auch der halbe Bürgersteig abgesperrt. Außerdem gibt es den Beruf des Takskottare, dessen Aufgabe ist, auf Dächern Schnee zu schippen, um das Herabfallen kontrolliert zu verursachen. Wer meint, ein potentiell gefährliches Dach entdeckt zu haben, kann die Eiszapfen-Hotline anrufen, die dann den Hausbesitzer dazu auffordert, Takskottare anzuheuern. Firmen in dieser Branche haben diesen Winter Hochkonjunktur.

Jul ist schwedisch für “Weihnachten” und post ist “Post”. Weihnachtspost wird, wenn man will, in Schweden gesondert behandelt. Man kann nämlich so genannte Julfrimärken (frimärke = Briefmarke) kaufen, die etwas billiger sind als das übliche Porto. Briefe mit diesen Marken wirft man dann in die eigens aufgestellten roten Weihnachtsbriefkästen und es wird garantiert, dass sie noch vor Heiligabend ankommen. Letzten Freitag war der Stichtag für die Julpost und die roten Briefkästen sind schon wieder abgebaut.

Frühere Worte der Woche mit Weihnachtsbezug: Dopparedan, Lucia-Katen, Julbock, Tjugondag Knut, Julrim, Julkalendern, Årets Julkapp.

Årets julklapp bedeutet “das Weihnachtsgeschenk des Jahres”. Das ist ein Titel, den das Handelns utredningsinstitut (in etwa: “Institut für Einzelhandelsforschung”) seit 1988 jährlich vergibt. Man versucht dabei, etwas aktuelles und zeitgemäßes zu finden, das sich aller Voraussicht nach im Weihnachtsgeschäft gut verkaufen wird. Die Auszeichnung ist unter Schweden gut bekannt und es wird gerne diskutiert, ob die jeweils aktuelle Wahl eine gute oder schlechte ist.

Das “Weihnachtsgeschenk des Jahres” für 2009 ist Lesern dieses Blogs schon bekannt, denn es ist die Spikmatta. Die populäre Plastik-Utensilie ist zweifelsohne “zeitgemäß” und damit eine passende Wahl. Doch durch die unhaltbaren Behauptungen zur heilenden Wirkung derselben ist die Matte halb in der Esoterik-Ecke angesiedelt – wofür man nun wirklich nicht noch mehr Werbung machen sollte.

Zum Thema siehe auch Radio Schweden. Und nach dem Klick gibt es die gesamte Liste der Årets julklapp seit 1988. Weiterlesen »

Zu den Prinzipien der Hausmannskost gehört immer, dass alles Essbare, das sich am geschlachteten Tier finden lässt, auch verwendet wird – auch das Blut. Im südlichsten Schweden wird aus letzterem wie in Deutschland Blutwurst gemacht. Im restlichen Schweden ist dagegen der “Blutpudding” gebräuchlicher.

Dabei wird das Blut mit Roggenmehl, Milch, Speck/Fett und Sirup vermischt und mit Majoran, Pfeffer und Zwiebeln gewürzt. Der Teig wird dann in einer Form im Wasserbad gebacken, bis er fest ist und die typische dunkelrot-braune Farbe erhält und einige Zeit haltbar ist. Das Rezept war überall ein wenig anders, aber heute macht kaum noch jemand selbst Blodpudding, sondern man kauft industriell gefertigten. Dieser ist durchaus eine beliebte Speise, weil billig, nahrhaft und schnell zuzubereiten. Man findet ihn in jedem schwedischen Supermarkt.

Man isst den Blodpudding nicht kalt, sondern schneidet den Klumpen in Scheiben, die man in der Pfanne anbrät. Je nach Geschmack kann man ihn innen saftig und rot belassen oder so weit durchbraten, dass man vergisst, dass es sich um Blut handelt. Schweden sind natürlich auch so weit von der Bauerngesellschaft entfernt, dass Blut essen nicht jedermanns Sache ist. Die üblichsten Beilagen sind knusprig gebratener Speck und Preiselbeeren, doch es gibt allerlei Varianten. Auch Äpfel oder Kartoffeln und Kohl passen zum Blodpudding.

Im Restaurant wird man Blutpudding nur sehr selten antreffen. Wer ihn also noch nicht probiert hat, dem sei beim nächsten Schwedenaufenthalt der Zugang zu einer Pfanne empfohlen. Mir schmeckt er jedenfalls – aber ich bin ja auch “vom Land” und mit frischer Blutwurst aufgewachsen.

Zum Abschluss noch der Link zur Bildersuche für den optischen Eindruck.

Klockren ist ein häufig verwendetes Wort, wenn man etwas gut findet und seinen Beifall ausdrücken möchte – etwa wie “Toll!”, “Astrein!” oder “Fantastisch!” im Deutschen.

Klockren ist gleich Klocka (“Uhr”) plus Ren (“Rentier”), wie die Seite www.klockren.nu sehr schön illustriert.

Oder auch nicht. Beide Worte haben nämlich jeweils noch eine weitere Bedeutung: Klocka ist auch die “Glocke” und ren bedeutet “sauber”, “rein”. Klockren ist also nichts weiter als Schwedisch für “glockenrein”. Während dies im Deutschen nur im Zusammenhang mit Gesang verwendet wird, hat es im Schwedischen die gleiche umgangssprachliche und weit übertrage Bedeutung bekommen, wie “astrein” im Deutschen.

Dass man daraus etwas über die Mentalität der beiden Völker ableiten kann (Klänge begeistern in Schweden, Holz in Deutschland?), glaube ich jedoch nicht.

Dagen H, der “Tag H”, war der Tag, an dem Schweden seine Straßen auf Rechtsverkehr umstellte. Das geschah am 3. September 1967, also vor nicht viel mehr als 40 Jahren. Das H kommt vom schwedischen Wort für “rechts”, höger. Das Logo (siehe Bild) greift den Buchstaben auf und veranschaulicht, was zu tun war.

Die erste Rechtsverkehrverordnung wurde in Schweden bereits 1718 erlassen. Schon 1734 wurde sie jedoch durch eine neue ersetzt, die den Linksverkehr festsetzte.

Mit dem Aufkommen des Automobils erhob sich die Forderung einer Anpassung an das Verkehrssystem, welches das dominierende des westeuropäischen Kontinents und der nordischen Nachbarn war. Auch die Verkehrssicherheit war ein Grund, zum Rechtsverkehr überzugehen. Die Autos in Schweden hatten das Lenkrad wie heute auf der linken Seite, wodurch sicheres Überholen erschwert war. Sogar die importierten britischen Wagen waren für den Rechtsverkehr gebaut.

1955 wurde eine beratende Volksabstimmung durchgeführt. Sie zeigte, dass mit 82,9 % eine überwältigende Mehrheit der Abstimmenden den Linksverkehr beibehalten wollte, während lediglich 15,5 % zum Rechtsverkehr übergehen wollten. Trotz des Ergebnisses beschloss der Reichstag am 10. Mai 1963 den Übergang Schwedens zum Rechtsverkehr für das Jahr 1967.

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Spik ist schwedisch für “Nagel”; eine Matta ist ein “Teppich”. Eine Spikmatta dementsprechend ein “Nagelteppich”, auch “Fakirbett” oder “Nagelbrett” genannt.

Was daran schwedisch sein soll? Folgendes. Spikmattor waren dieses Jahr ein echter Verkaufsschlager in Schweden. Allein ein Anbieter hat 150.000 Stück abgesetzt und es gibt zahlreiche Kopien, so dass sich in etwa jedem zehnten Haushalt eine solche finden dürfte.

Es handelt sich dabei nicht um die “klassische” Variante aus Holzbrett mit Eisennägeln, sondern um ein dünnes Polster in Rückengröße, das mit spitzen Noppen aus Hartplastik bestückt ist. Google findet zahlreiche Bilder.

Bemerkenswert ist der stolze Preis von umgerechnet 50 Euro für dieses simple Produkt. In gewisser Weise löst die Spikmatta damit die Foppatofflor als überteuertes Mode-Plastikprodukt ab.

Neben dem Preis gerieten die Nagel-Matten vor allem durch irreführende Werbung in die Kritik. Da wird behauptet, dass das Liegen auf der Matte gegen alles mögliche hilft, von Schlafstörungen über Migräne bis zu Lungenkrankheiten. Gestützt wird das nur auf individuelle Aussagen und keine wissenschaftliche Untersuchung hat einen positiven Effekt gezeigt. Damit gehört die Spikmatta genauso wie Homöopathie ins Reich der Quacksalberei.

Nichtsdestotrotz scheinen viele die “Anwendung” zu genießen und der Erfolg ist nicht zuletzt durch positive Mundpropaganda zustande gekommen.

Meddela setzt sich aus med (“mit”) und dela (“teilen”) zusammen und bedeutet dementsprechend “mitteilen”. Frihet ist das schwedische Wort für “Freiheit”. Die “Mitteilungsfreiheit” steht in einem der schwedischen Grundgesetze, der “Druckfreiheitsverordnung”. Neben dem Öffentlichkeitsprinzip ist sie eines der Gesetze, die für eine transparentere Gesellschaft n Schweden sorgen und auf die man andernorts zu Recht neidisch sein darf.

Während das Öffentlichkeitsprinzip Außenstehenden Einblick in die schwedischen Behörden gibt, sorgt die Mitteilungsfreiheit dafür, dass Insider getrost Information an die Presse oder Buchautoren geben können. Whistleblower werden ermutigt und vor negativen Konsequenzen geschützt. Etwas mehr im Detail besagt die Mitteilungsfreiheit unter anderem,

  • dass jeder das Recht hat, Informationen zum Zweck der Veröffentlichung herauszugeben, sowohl aus Behörden als auch Firmen.
  • dass das Thema keine Rolle spielt. Es besteht sogar Straffreiheit, wenn man gegen Geheimhaltungsvorschriften verstößt (solange man keinen Hochverrat, Spionage etc. begeht).
  • dass der Informant anonym bleiben darf, wenn gewünscht. Der Bruch der Anonymität ist strafbar.
  • dass Behörden nicht nachforschen dürfen, wer der Whistleblower war.

    Mit diesen Regeln ist es nicht schwer nachzuvollziehen, dass alle Nase lang prekäre Informationen an die schwedische Öffentlichkeit gelangen. Es ist wohl kein Zufall, dass Schweden das Land der Welt mit der niedrigsten Korruption ist.

    Ein aktuelles Beispiel hat sich dieser Tage auf Gotland zugetragen. Die oberste Regionalpolitikerin (landshövding) dort, Marianne Samuelsson, hatte Mitarbeiter angewiesen, ein Auge bei Baugenehmigungen zuzudrücken, als es um lokal wichtige Unternehmer ging. Eine Mitarbeiterin hat das Gespräch aufgenommen und dem schwedischen Radio zugespielt, was an sich schon Schlagzeilen machte. Mit der Gleichbehandlung nehmen es Schweden nämlich sehr genau. Samuelsson hätte den Skandal vielleicht aussitzen können, aber als sie sich öffentlich in der Opferrolle gegenüber der böswilligen Mitarbeiterin darstellte, war das Maß voll und sie wurde prompt von der Regierung gefeuert. Der Mitteilungsschutz ist heilig und Whistleblower, ungeachtet derer eigenen Motive, anzugreifen ein unpopulärer Zug.

    Mit diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ein wiederkehrender Kritikpunkt Schwedens an der EU der ist, dass dort Amtsgeheimnis anstatt Offenheit herrschen. Eine Initiative der Grünen, die Mittelungsfreiheit nach Europa zu exportieren findet man auf meddelarfrihet.nu.

Das Akronym HBT (gesprochen “hohbehteh”) steht für homosexuella, bisexuella och transpersoner, was wohl keiner Übersetzung bedarf. HBT ist damit das schwedische Pendant zur internationalen Abkürzung LBGT und durchaus gebräuchlich.

Die größte HBT-Veranstaltung des Nordens ist Stockholm Pride, das gerade zu Ende gegangen ist. Mit über 700 Programmpunkten in einer knappen Woche war das Festival sehr sichtbar. Der Kungsträdgården wurde zum Pride Garden, das große Kulturhuset am Sergels Torg zum Pride House und der Tantolunden auf Södermalm zum Festivalgelände Pride Park. Seminare, Diskussionsrunden mit Prominenten, Konzerte, Ausstellungen und natürlich jede Menge Feste – es sollte für jeden etwas dabei sein und das diesjährige Thema “Hetero” hat nicht nur in der Szene für Gesprächsstoff gesorgt, wie die Hetero-Norm unser aller Leben beeinflusst.

Ich hatte das Vergnügen, für die paar Tage ein lesbisches Pärchen aus Uppsala zu beherbergen, das mich überallhin mitnahm. Ich habe lange nicht mehr so viel getanzt und gelacht. Höhepunkt war zweifelsohne die Parade am Samstag Nachmittag. Dort sah man nicht nur die politischen Parteien inklusive Parteichefs und Ministern vertreten, sondern über 100 angemeldete Gruppen, von den “stolzen Eltern” bis zur schwedischen Kirche, die sehr schön zeigten, dass Schweden eines der Länder ist, in denen Beziehungen abseits der alten Normen am weitesten in der Gesellschaft angekommen sind und von großen Teilen der Bevölkerung als völlig normal angesehen werden.

Wir reihten uns in die 30.000 Leute ein, die die Parade mitliefen, und zogen hinter dem Wagen mit der lautesten Musik drei Stunden lang tanzend an 350.000 Zuschauern (von Kindern bis Senioren) vorbei – vom Humlegården über den Sergels Torg, durch die Altstadt und Södermalm.

Bilder gibt es unter anderem beim SvD oder im Pride-Blog des Aftonbladet.

Klimatsmart setzt sich aus Klimat, das Klima, und smart, klug oder geschickt, zusammen. Weil in Klimat im Gegensatz zum Deutschen die Betonung auf der zweiten Silbe liegt, ergibt sich sich in klimatsmart eine Verdoppelung der Kombination “langes A plus T”, was das Wort eingängig und einprägsam macht.

Man verwendet es hierzulande für so gut wie alles, das – angeblich oder wirklich – dazu beiträgt, dem Klimawandel entgegenzuwirken; nicht zuletzt in der Werbung: Man soll Zug fahren, weil es klimatsmart ist. Man soll diese oder jene Partei wählen, weil sie die klimatsmartesten Lösungen hat. Der schwedische Ausstieg aus dem Atomausstieg wird als klimatsmart verkauft.

Auch im Rahmen des EU-Ratsvorsitzes will Schweden klimatsmart sein und hat dieses Thema zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. In der Tat gibt es wohl weniger glaubwürdige Länder als Schweden in dieser Hinsicht. Laut WWF liegt Schweden beim Klimaschutz vorn und man brüstet sich damit, schon seit den Neunzigern eine CO2-Steuer zu haben.

Doch was das Auto angeht, liegt einiges im Argen. Man hat nämlich jahrelang auf den “Biokraftstoff” Ethanol gesetzt und den steuerlich mehrfach begünstigten Begriff “Umweltauto” (Miljöbil) auf seltsame Weise definiert. So kommt es zum Beispiel, dass ein Volvo Diesel mit unter 5 Litern Verbrauch kein Umweltauto ist, während der Benziner mit 75% mehr Verbrauch eines ist – weil man ihn auch mit Ethanol betanken kann. Man kann mit einem solchen “Umweltauto” allerdings unkontrolliert und ausschließlich fossiles Benzin tanken und trotzdem die Prämie beim Einkauf, die niedrigere Steuer und die Befreiungen von der City-Maut in Stockholm und von Parkgebühren einstreichen.

Das ist dann wohl weniger klimatsmart. Ganz abgesehen davon, dass Biokraftstoffe mehr Schaden anrichten als sie Nutzen bringen und deshalb gar nicht gefördert werden sollten.

Das schwedische Wort Val bedeutet “Wahl”, sowohl im politischen wie auch im allgemeineren Sinn. Außerdem bedeutet es auch “Wal”, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Vaka ist als Substantiv eher ungebräuchlich, kommt aber vom gleichlautenden Verb, welches “wachen, bewachen, beobachten” bedeutet.

Die Valvaka ist also die Prozedur, auf das Wahlergebnis zu warten, und mit dem Wort werden sowohl die Wahlsendungen im Fernsehen als auch die Wahlparties der Parteien bezeichnet.

Die Valvakor zur heutigen EU-Parlamentswahl fangen in Schweden so um halb neun erst an. Schließlich sind die Wahllokale bis 21 Uhr geöffnet und erst danach beginnt die Zählung. Echte Zahlen dürfen europaweit erst ab 22 Uhr veröffentlicht werden, denn dann schließen die letzten Wahllokale in Portugal. Das hindert die ARD nicht daran, schon jetzt zu senden.

Ich werde hier im Laufe des Abends in meiner eigenen kleinen Valvaka Nachrichten aus Schweden nachtragen und meinen Senf dazu abgeben.

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